Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1849)
- Date
- 1849-07-09
- Page
- Seite 387 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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387 reichte Drama Debora angenommen, und dem Verfasser eine brillantene Busennadel als Anerkennung seines Talents verehrt. Italien. Rom, 15. Juni. Die Nationalversammlung Roms hat Mitten im Schlachtgetümmel den Entwurf zur neuen Staatsverfassnng beendigt und den Bericht darüber in der Sitzung vom 14. d. vernommen. In demselben wird bestimmt: die katholische Religion ist zwar die herrschende, aber das Glaubensbekenntniß bedingt in keinem Falle die Ausübung der bürgerlichen Rechte. Großbritanien. London» 26. Juni. Was nun schon dreimal geschehen, ist jetzt auch zum vierten Male geschehen: das Oberhaus hat den Eintritt der Juden in's Parlament verworfen. Den 26. Mai 1848 that es dies zum dritten Male mit 163 gegen 128 Stimmen, den 25. Juni 1849 zum vierten Male mit 95 gegen 70 Stimmen. Daß der Lordmayor und die Aldermen von London abermals eine Petition zu Gunsten der Bill beim Oberhause einreichten, hat abermals Nichts gefruchtet. Die Formen, unter welchen die Regierung die Angelegenheit durchzuführen suchte, einmals als Emanzipationsbill, einmals als Eidbill, sind nun erschöpft. Was sie nun thun wird, ist zweifelhaft. Liegen lassen kann sie es nicht, denn schon werden in der City die Wahlkomite's zur Wiederwahl Rothschilds reorganisirt. Allein daß damit noch lange Nichts ausgerichtet werden kann, ist ersichtlich. So lange das Oberhaus noch so besteht, wie jetzt, wird die Gleichstellung nicht passiren; daß aber das Oberhaus modisizirt werde, dafür ist jetzt weniger Aussicht, als früher. Die Verhandlungen waren sehr uninteressant, da alle Momente längst bis zum Ueberdruß wiederholt worden. Wir skizziren sie daher kurz. Der Gras von Carlisle trug auf die zweite Lesung der Bill über Umänderung der parlamentarischen Eidesformel (Judenbill) an. Graf Eglinton sprach gegen die Bill, hauptsächlich aus religiösen Gründen. Es sei die heilige Pflicht der Lords, denjenigen, welche nicht an Christus glaubten, nicht zu erlauben, für eine christliche Kirche und Nation Gesetze zu geben. Der Herzog von Cleveland hielt es für sehr hart und ungerecht, Juden auszuschließen, nachdem Quäker, mährische Brüder und Dissenter aller Art zu Sitzen im Parlamente zugelaffen worden seien. Der Erzbischof von Canterbury war der Meinung, die Bill werde den Charakter und die Verpflichtungen der Parlamentsmitglieder erniedrigen, indem sie es als gleichgiltig erscheinen lasse, ob sie zur christlichen Gemeinschaft gehörten. Die Ereignisse des vorigen Jahres machten die Verwerfung der Bill den Lords zur gebieterischen Pflicht. England stehe in einer eigenthümlichen Stellung da, ein Denkmal der Freiheit und sozialen Ordnung, dies verdanke es seinem nationalen Christenthum, welches durch die Zulassung der Juden in's Parlament wesentlich verletzt werden würde. Der Erzbischof von Dublin vertheidigte die Bill gerade vom Standpunkte des Christenthums, .und meinte, vom Gesichtspunkte des vorigen Redners aus, müsse man zurückgehen und alle, welche sich nicht zur Kirche von England bekennten, von Staatsämtern ausschließen, oder, um konsequent zu sein, alle auf Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses beruhenden Schranken fallen lassen. Der Bischof von Exeter widersetzte sich der Bill. In einer Republik möge Jedermann gleiche Ansprüche auf Freiheiten, Auszeichnung und Aemter haben, allein in einer Monarchie, gleich der englischen, die auf einem ausdrücklichen Vertrage des Monarchen mit der Nation beruhe, demzufolge der Herrscher sich verpflichte, „so viel in seinen Kräften, die Gesetze Gottes und wahre Bekenntniß des Evangeliums aufrecht zu erhalten", sei die Sache ganz anders; ein Jude könne hierin kein treuer Rath der Krone sein und habe deshalb keine Ansprüche auf die Auszeichnung, die man ihm nun zuzusprechen die Absicht habe. Der Graf von Shrewsbury unterstützte die Bill, so weit sich dieselbe auf die Emanzipation der Juden bezog, aber bedauerte, daß eine ihrer Bestimmungen eine ganz unnöthige und ungerechte Beschränkung der Katholiken enthalte. Er erklärte, er werde auf eine gemeinsame Formel für Alle, ohne Unterschied der Religion, antragen. Der Graf von Winchelsea beschwor die Lords feierlich, die Bill nicht durchgehen zu lassen, welche nur von einem während der letzten 20 Jahre der Gesetzgebung zu sehr vorherrschenden Geiste des Unglaubens eingegeben sei, um sich nicht der furchtbaren Vcrdammniß derjenigen auszusetzen, welche den Messias offen leugnen. Gegen die Bill