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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-09 · Heft 28 (9.7.1849) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 28 (9.7.1849)
Date
1849-07-09
Page
Seite 386 (sequence 10)
Language
German
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886 wir es allerdings nicht so ungern sehen, daß sich die Gemeinden jenseits des Meeres vergrößern. Denn mit solchem Wachsthum werden diese Gemeinden auch solider und religiöser, während geringzählige Versprengte als Vorposten leicht verloren gehen. Mögen die Uebersiedler einen bessern religiösen Gemeinsinn mit hinübernehmen, als jetzt im Allgemeinen bethätigt wird. In früheren Zeiten, wo Juden in noch so geringer Zahl hingeriethen, war ihr Erstes, sich zu einer Gemeinde zusammenzuthun, als Solche ihre Bedürfnisse zu schaffen und zu befriedigen. Während es jetzt die Aussicht hat, als ob große und kleine Gemeinden kein anderes Bcdürfniß haben, als auseinanderzugehen. Es zeigt sich hier, was in allen Kreisen Europa's sich zeigt, daß die neueren Menschen in ihrem Egoismus, in ihrer Selbstüberhebung, wo Jedermann sich Meister dünkt, wenig Trieb und Fähigkeit haben zur Vereinigung, und desto lächerlicher klingt das viele Geschwätz von „Assoziation". Nicht einmal die alten Assoziationen zu erhalten vermögen sie! Doch wohin gerathe ich. Lebt wohl, ihr Uebersiedler, und mag es Euch nicht ergehen, wie Jenem, der Zwiefaches haben wollte, und darüber verlor, was er schon hatte! Wiesbaden, 17. Juni. (Did.) Zu der Kircheinweihungsfeierlichkeit, die auf ausdrücklichen Wunsch des Herzogs so pompös wie nur möglich von Statten gehen soll, sind außer der römisch-katholischen Geistlichkeit von nah und fern, auch die hiesigen und benachbarten evangelischen, griechisch-katholischen und anglikanischen Geistlichen eingeladen worden, die Geistlichen der deutsch-katholischen und der israelitisch en Gemeinde hat man jedoch übergangen. Ob man aber die Deutsch-Katholiken und die Israeliten übergangen hat, als es sich darum handelte, der in einer Anzahl von 700 Mann hierher kommenden Geistlichkeit bei denBürgern bequeme Quartiere zu bereiten, das ist eine andere Frage; da hat man auf keinen Glaubensunterschied Rücksicht genommen, und zur Ehre unserer Stadt sei es gesagt, die Bürger haben sich großentheils sehr tolerant bewiesen und sich freiwillig zur Beherbergung erboten und gerade geschah dies vielfach auch von jüdischen Familien. Eine trübe und erbitterte Stimmung hat es deshalb aber auch um so mehr hervorgcrufen, als vor einigen Tagen das Festprogramm erschien, aus welchem man ersehen mußte, daß man den deutsch-katholischen und den israelitischen Geistlichen nicht zur Feier eingeladen hat. Sofort wurden von sehr vielen Bürgern und beinahe von sämmtlichen Israeliten die bereitwillig erbotene Beherbergung gekündigt und die große Mehrheit der Bürgerwehrmänner, die ebenfalls das Fest durch Spalierbilden rc. verherrlichen sollten, erklärten sich entschieden gegen eine jede Betheiligung am Feste, was gewiß im andern Falle von beinahe allen Wehrmännern ohne Frage geschehen wäre. Nun war der so unangenehm überraschte Kirchenvorstand auf einmal so klug, nachträglich noch eine Einladung zur Feier an den Herrn Rabbiner Dr. Süßkind ergehen zu lassen, an den würdigen und sehr geachteten Prediger der hiesigen deutsch-katholischen Gemeinde, Herrn Pfarrer Graf, jedoch nicht. Ersterer hat aber in einem recht freundschaftlich gehaltenen Schreiben an den Kirchenvorstand die Einladung abgelehnt, der Gemeinde jedoch alles Glück und allen Segen wünschend. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 24. Juni. Die Herzen selbstsüchtiger Krämer und Regierlinge scheinen den §. 1 der gewährleisteten Grundrechte nicht vertragen zu können. Das Stadtverordnetenkollegium ist mit einer Petition eingeschritten, die in dem bemeldeten § ausgesprochene Judenemanzipation zu sistiren und diese Frage dem nächsten böhmischen Landtage zur Entscheidung zu überlassen. .Nach dem allerhöchsten Handschreiben an unfern Landeschef bezüglich der petitionirten Zurücknahme der Verfassung vom 4. März l. I. zu urtheilen, wird wol schwerlich diesem Gesuche, das auf so humanen und sreiheitliebenden Ansichten und Motiven basirt ist, Gewährung gestattet werden, aber wunderbar bleibt es immer, daß trotz der Stürme der Zeit und der Sonne der Freiheit die Sümpfe stehender ekliger Gesinnungen nicht ausgerottet sind, sondern ihre faulen und giftigen Dünste fernerhin aushauchen. Einstweilen bis zur Erledigung besagter Petition sucht das Zivilgericht oder das Stadtverordnetenkollegium an dem §. 1 vis-ä-vis den Juden zu mäkeln und legt den Heirathsgesuchen und den Eingaben dieser Mitbürger um Einbücherung ihrer Liegenschaften die alterthümlichen Hindernisse in den Weg. Wien, 26. Juni. (£. C.) Der Kaiser hat das, von dem vaterländischen Dichter H. Mosenthal über-

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