Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1849)
- Date
- 1849-07-09
- Page
- Seite 383 (sequence 7)
- Language
- German
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383 dienstes mitwirkt; auch das sogenannte Duchanen (daS in mehreren mecklenburgischen Gemeinden, ich weiß nicht warum, abgeschafft sein soll) wird hier aus eine recht feierliche Weise in bester Ordnung ausgeführt. Seit einem Jahre werden vierwöchentlich, außerdem an allen Festen und sonst bei wichtigen Gelegenheiten (namentlich bei Trauungen, die hier nicht, wie dies noch in manchen Gemeinden geschieht, auf der Straße, sondern in der Synagoge stattfinden) gottesdienstliche Vortrage gehalten*), über die ein Urtheil abzugeben ich Anderen überlasse, und für den Religionsunterricht der Jugend sorgt die Gemeindeschulc **), die erst bei der neulich (am 1l). h.) stattgehabten öffentlichen Prüfung Beweise ihrer Leistungen gegeben, und, sind erst die ersten Stadien der Entwickelung durchgemacht, noch bessere in Aussicht stellt, namentlich, wenn die resp. Eltern nicht aufhören den Schulvorstand und Lehrer in ihrem guten Streben zu unterstützen. Auch ist die Einrichtung getroffen worden, daß Knaben und Mädchen, die aus der Schule treten, jährlich wo möglich am Schebuotfeste konsirmirt werden und wird eine solche Konfirmation (zweier Knaben und eines Mädchens) am Sabbat vor dem Schebuotfeste stattfinden. Obgleich es auch hier, wie überall, individuelle Töne des jüdisch-religiösen Lebens giebt, bei deren Anklingen verschiedene Glaubensansichten sich nicht verkennen lassen, so hat doch diese Verschiedenheit der Ansichten in Religionssachen (und ich freue mich dies hervorheben zu können) bis jetzt noch nie zu Reibungen Anlaß gegeben und Konservative und dem Fortschritt Zugethane wirken vereint, sobald es sich um die Ausführung eines guten Werkes handelt (so muß es auch sein; das mögen sich viele Gemeinden merken; denn was daraus wird, wenn Jeder den Gottesdienst, die Predigt, den Religionsunterricht nach seinen Ansichten eingerichtet haben will, haben wir leider in manchen großen Gemeinden gesehen); und kommen auch einmal *) So viel wir wissen wird in Pommern außerdem nur noch in sechs Gemeinden regelmäßig gepredigt, nämlich in Stolp,*Neu-Stettin, Kolberg, Köslin, Stettin, Pasewalk und irren wir nicht, zuweilen auch in Stargard. **) lieber die innere Einrichtung jüdischer Religionsschulen, über Lehrgegenständc, Stundenzahl, Lehr- und Lernmittel will's Gott späterhin in einem besondern Artikel. Konflikte vor, so werden sie leicht ausgeglichen. Bei der Ostern stattgehabten Generalversammlung hat sich die Gemeinde auf Grund bestehender Bestimmungen einstweilen konstituirt, und geht der jetzige Vorstand damit um, späterhin ein neues Statut einzuführen, wozu wir nurrathenkönnen, und was unerläßlich ist, wenn Ordnung und Frieden dauernd befestigt sein sollen. In sozialer Beziehung stürzen die Schranken, die der Wahn und das Vorurtheil zwischen Juden und Christen aufgebaut, mehr und mehr zusammen und wird die Annäherung immer größer. Hervorgehoben zu werden verdient noch der Wohlthätigkeitssinn, dieses heiligeVermächtnißunserer Väter, der hier so sehr angetroffen wird, und bestehen auch keine besonderen Vereine, wozu die Gemeinde zu klein, so wird doch der Noth, wann und wo sie sich befindet, nach Kräften abgeholfen, wovon ich mehrere Beispiele anführen könnte. Namentlich werden die hiesigen Israeliten sehr von durchreisenden Armen in Anspruch genommen und befinden sich an manchem Feste deren mehr als zwanzig hier, die alle gespeist und unterstützt werden, was der Vater droben lohnen wolle! So kann sich also die hiesige Gemeinde ohne zu erröthen, selbst größeren Gemeinden an die Seite stellen, ja sie kann so mancher, die mit besseren Mitteln ausgerüstet als Muster dienen. Nun nur noch den Wunsch, daß die Gemeinde und Alle, die für ihr Wohl wirken, nicht ermüden mögen, das Gute zu fördern, damit der gute Same, der jetzt mühsam gestreut wird, in einen fruchtbaren Boden falle, keime, blühe und meist herrliche Früchte trage. Und so schließe ich denn diese Zeilen mit den vielsagenden Schlußworten unsers täglichen Gebets 'i;i vn^na üibia Nwis „Er, der in jenen Himmelshöhen Eintracht erhält, erhalte auch uns und ganz Israel in Frieden und Eintracht!" W. Wallerstein (Baiern), 20. Juni. (Privatmitth.) Wenn Sie selten Berichte aus dem Baierlande erhalten, so ist nicht Gleichgiltigkeit oder Trägheit Schuld daran, sondern unsere trostlose Lage in politischer und religiöser Beziehung, und ewiges Klagen ermüdet den Schreiber so wie den Leser. Und doch ist das Thema meines heutigen Schreibens auch nur eine Klage, es ist der Ausfluß eines über unsere Lage niedergedrückten Gemüthes. Als.die große Volkserhebung im Jahre 1848 begann und auf ihr Panier die Worte „Frei-