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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-09 · Heft 28 (9.7.1849) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 28 (9.7.1849)
Date
1849-07-09
Page
Seite 382 (sequence 6)
Language
German
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382 —. Bei der Wahl der zur Entwerfung von Statuten bestimmten Kommission haben, wenn man von der Spaltung in Orthodoxe und Reformer ausgeht, die Ersteren gesiegt. Wenn ich aber in meinem letzten Schreiben gezeigt, daß es unter den Orthodoxen selbst eine Spaltung giebt, indem die Einen den Kultus dennoch reformiren wollen, nur nicht so weit wie die Reformer, die Anderen denselben ganz in alter Weise erhalten wollen: so muß ich mich freilich insoweit berichtigen, als es auf diesem Standpunkte eigentlich drei Gattungen giebt; Solche, die in diesen Reformen schon bis zu einigen deutschen Gebeten gehen, und eine Orgel im Hintergründe haben, und diesen steht Dr. Sachs an der Spitze, Solche, die nur eine Epuration der hebräischen Gebete zulassen, also etwa yp^bn» rna ausmerzen, und Solche, die von allem dem Nichts gestatten, die Strcngorthodoren. Jndeß unter allen diesen hat eine Transaktion stattgefunden, und haben sie in ihrer Gesammtheit gesiegt bei obiger Wahl. Durch die völlige Ausschließung haben aber die Reformer sich gekränkt und verletzt gefühlt, und wird daher nunmehr die Trennung bestimmt und rasch Vorgehen. Sie werden eine Gemeinde für sich bilden, mit ganz getrennten Instituten. Ob die Konservativen bei der, doch auch unter ihnen stattfindenden innern Spaltung lange zusammenbleibcn werden, ist fraglich, und könnte leicht eine Trennung der äußersten Rechte, der Strcngorthodoren, vor sich gehen. Welchen Eindruck dies in der ganzen Monarchie machen wird, läßt sich denken; wenn aber große Gemeinden dies ertragen können, indem die getrennten Theile immer noch ziemliche Gcmeindekörper bilden, welche traurige Wirkungen werden in den mittleren und kleineren Gemeinden daraus hervorgchen? Anklam, Ende April. (Privatmitth. Verspätet.) Sie haben gewiß Nichts dagegen, geehrter Herr Doktor, wenn ich meinem schon einige Mal gegebenen Versprechen nachkommend mich heute gar nicht ross »mttb yin in's Weite und Breite begebe, sondern Sie und den geehrten Leser einlade, mir in das Stillleben einer Gemeinde zu folgen, damit wir sie gemeinschaftlich in Augenschein nehmen, und zwar in das der hiesigen. Sie ist zwar nur klein, etwa 40 Familien zählend; aber gerade weil in vielen jüdischen Gemeinden die Errungenschaften der Neuzeit auf dem Gebiete der Politik dazu angewendet wurden, die Gemeindeverbände aufzulösen und das Schifflein des Judenthums ohne Steuer und Anker den tobenden Meercswogen zu übergeben, ist es Pflicht, diejenigen Gemeinden hervorzuheben, in denen der Fonds an Religiosität, der Sinn für Frieden und Recht,, groß genug ist, um auch in der sturmbewegten Zeit der Krisis auszuharren und aus dem Kampfe der Elemente, will's Gott, wohlbehalten hervorzugehen. Und zu diesen Gemeinden gehört auch die hiesige. Sehen wir uns etwas näher in derselben um, sie hat ein Gemeindehaus, worin Sessionszimmer, Schulftube rc. und begiebst Du Dich, mein Leser, etwas weiter und Du gewahrst ein, durch ein schönes Aeußere sich auszeichnendes Gebäude, auf dessen Zinnen eine Wetterfahne, worauf jene zehn Worte, die auf Sinai's Höhen gcoffenbart, die Grundlage aller Religionen bilden und von dessen Vorderseite Dir die vielsagenden Worte 'ir, binar1 »»«, in goldenen Buchstaben auf himmelblauem Grunde, entgegenftrahlen, so siehst Du unsere, vor einigen Jahren mit großen Opfern neu erbaute Synagoge, die noch den spätesten Enkeln ein schönes Zeugniß von dem gottgläubigen Sinne seiner Erbauer sein wird. Die innere Einrichtung derselben ist nett und würdig; um das häßliche Schulrufen, das manche Gemeinden noch immer als Rarität beibehalten, unnöthig zu machen, befindet sich in der Synagoge eine Uhr, wonach der Beginn des Gebetes festgestellt wird, und zum letzten Rosch haschana li.eß ein achtbares Mitglied hiesiger Gemeinde (Herr B. Buss) vor dem Aron hackodesch eine Kanzel anbringen. Beim Gottesdienst herrscht Ruhe und Ordnung; von den Ungehörigkeiten, die noch in manchen Gemeinden, namentlich am Purim, am 9. Ab, am Simchattora rc. Vorkommen, ist hier keine Spur; die Mitzwotauktion, das Aufrufen beim Namen mit meilenlangem Titel ist abgeschafft; die langweiligen Mischeberachs sind auf einige reduzirt, die bezahlt werden müssen; die Gebete werden von dem Kantor der Gemeinde (Herrn Schlesinger) auf eine angemessene Weise vorgetragen und nachdem schon längst die Gebete beim Aus- und Einheben der Tora zwischen demselben und der Gemeinde würdevoll abgesungen worden, hat sich seit dem letzten Peßachfeste unter Leitung desselben aus fähigen Knaben und mehreren jungen Leuten ein Chor gebildet, der schon einige Gesangstücke zu bbn ,narinp ,naarn "na timt» yrn mb eingeübt und nach Kräften zur Weihe des Gottes-

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