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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-09 · Heft 28 (9.7.1849) · p. Seite 380

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 28 (9.7.1849)
Date
1849-07-09
Page
Seite 380 (sequence 4)
Language
German
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880 mit der Verbesserung der Lage der s. g. arbeitenden Klassen gehen. Wenn die Gesellschaft nicht daran arbeitet, werden noch gewaltige Zusammenstöße kommen: der wahre Sieg wird allein auf dem Wege der Idee errungen. Gerade darum liegt es aber in der Hand der Gesellschaft, jenen zuvorzukommen. Wenn wir von diesem Standpunkte aus, und bei dieser Gelegenheit einen Rath für unsere Glaubensgenossen aussprechen mögen, so ist es dieser: Suchet auf alle Weise Euch dem Ackerbau zuzuwenden. Wir halten dies für die Aufgabe unserer Glaubensgenossen, eine schwere Aufgabe, denn diese Wendung ist schwierig, aber der Erfolg ein glücklicher. Der Kaufmannsstand wird seiner Natur nach im sozialen Kampfe auf die eine Seite geworfen, er ist sehr prekär, und wird immer prekärer. Die Zukunft der Handwerker ist trübe; die große Entwickelung der Industrie drängt sie immermehc aus ihrer Selbstständigkeit heraus, und macht aus ihnen Abhängige der großen Unternehmer. Nur der Ackerbau in allen seinen Stufen bietet eine gesicherte Existenz, berufen, sich über dem Kampfe der Arbeit und des Geldes zu erhalten. Darum obiger Rath, aus genauer Beachtung der Zustande geflossen. Es wäre thöricht, morgen schon nach seiner Verwirklichung zu fragen; es wäre überflüssig, ihn mit vielen Worten noch ausstatten zu wollen. Das moderne Heidenthum. III. Wir haben im Vorhergehenden in zweien Punkten gezeigt, wie nichtig, oberflächlich und falsch die Anhänger des modernen Heidenthums^die Geschichte und die Lehre des Judenthums darstellen. Warum thaten wir dies? Weil jene damit das Judenthum beseitigt, abgefertigt zu haben glauben, und doch nur ihre eigene Schwache daran erwiesen haben. Wir könnten und werden wol auch dies noch mit Mehrerem vermehren. Allein vorerst ist es genug, wir wollen uns vielmehr den Gegner selbst etwas naher ansehen. Was spricht das moderne Heidenthum als seinen Zweck aus? Es tritt mit dem Versprechen auf: die Freiheit und Wohlfahrt jedes Einzelnen herzustellen (S. 39 des „Katechismus für freie Gemeinden"). Wodurch will es diese bewirken? Durch die Unterordnung aller Einzelnen unter die Gesammtheit. Ist dies für den Einzelnen, der doch frei sein soll, nicht Zwang? Antwort: „nur für den Unvernünftigen, der seinen eigenen Vortheil und seine eigene Freiheit nicht versteht." Was setzt es also voraus? Daß diese Unterordnung „aus freiem Willen" geschieht (S. 40). Wodurch will es diese „Vernünftigkeit" bewirken? Durch „Erziehung und Unterricht". Dann werden „Sünde und Verbrechen unmöglich" sein" (S. 38). Wie? fragen wlt, worin unterscheidet sich denn in diesen Behauptungen und Voraussetzungen dieses moderne Heidenthum von dem, was die Religion gelehrt und lehrt? Was ist denn da Offenbarung eines Neuen, „Weltüberwindenden"? Auch die Religion sagt, daß Sünde und Verbrechen nur des Unvernünftigen, d. h. dessen, der seine Leidenschaften nicht beherrscht, sind, auch die Religion will die Unterordnung unter Moral und Tugend aus dem freien Willen des Menschen, auch die Religion will dies durch Erziehung und Unterricht bewirken. Aber darin liegt der Unterschied, daß die Religion anerkennt, daß der Mensch niemals ganz Herr seiner Leidenschaften wird, und daß Erziehung und Unterricht nicht hinreichen, um alle Menschen ganz vernünftig zu machen, und daß die Religion darum Freiheit und Wohlfahrt aller Einzelnen auf Erden nicht für möglich, die Verhütung von Sünde und Verbrechen für unmöglich hält. Jene Anhänger und Lehrer des modernen Heidenthums behaupten aber, daß Erziehung und Unterricht dies allerdings bewirken und alle Menschen vernünftig, und darum Sünde und Verbrechen unmöglich sein werden. . Und auf diese hohlen Voraussetzungen hin geben sie das Versprechen: die Freiheit und Wohlfahrt aller Einzelnen herzustellen. Auf welcher Seite ist da die Wahrheit? Auf der, welche die Leidenschaften der Menschen voraussetzt, oder auf der, welche alle Menschen vernünftig voraussetzt? Mit dieser einen falschen Voraussetzung fallt das ganze System des modernen Heidenthums über den Haufen. Allein diese Männer müssen doch noch Etwas haben, worauf sie sich stützen. Dies ist: sie legen alle Uebel der Menschen — dem Staate zur Last, sie haben eine Garantie aller zukünftigen Herrlichkeit in der — Arbeit, indem „alle Arbeiter gleichmäßig die Zwecke der Gesellschaft realisiren helfen und deshalb auch von ihr gleichmäßig behandelt werden." (S. 40.) Man sieht, diese Herren, welche alle Religion für Schwärmerei und Einbildung ausgeben, sind doch nur der ärgsten Schwärmerei und Einbildung hingegeben. Wie leicht ist es, das Glück zu verheißen, wenn man es an Bedingungen knüpft, die

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