Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1849)
- Date
- 1849-07-02
- Page
- Seite 372 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225606-3225634--10291-3240333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
372 Verlangen der königt. Oberschulbkhörde sich über seine pädagogischen Fähigkeiten auszuweism hat." In Erwartung u. s. w. Der Vorstand zu Filehne. Der Vorstand zu Schönlanke. Filehne, den 11. Zuni 1849. Anklam, im Juni. Ein Vorschlag, die Absendniig einer Denkschrift, die Reorganisation des jüdischen Schulwesens betreffend. Soeben habe ich das in Nr. 24. d. Bl. abgedruckte Referat über die Lehrerkonferenz zu Krefeld gelesen und daraus mit Vergnügen entnommen, wie dieselbe, unter der Leitung eines so trefflichen, für Schule und L»hrerwohl begeisterten Mannes, des Hrn. Oberrabbiner Bodenheimer, jetzt wieder im Begriff ist, für die jüdischen Lehrer und Schulen in die Schranken zu treten und so wie es schon einmal die kreselder Lehrerkonferenz war, die mich durch ihre im vorigen Jahre dem Kultusministerium überreichte Petition angeregt, die Lehrer Preußens zu einem ähnlichen Schritte aufzusordern (vgl. I. 1848 d. Bl. No. 26), so fühle ich mich jetzt, da wir doch hoffentlich dem Ziele, der endlichen Fixirung unserer staatlichen Verhältnisse, wenn auch nicht den allfeitigen Wünschen entsprechend, um Vieles naher gerückt sein dürften, um so mehr veranlaßt, dies noch einmal zu thun, da ich ganz der Ansicht des Herrn Konserenzprastdenten bin, daß es für die jüdischen Lehrer gerade jetzt an der Zeit sein dürfte, ihre Wünsche und Vorschläge in Betreff der Organisirung des jüdischen Schulwesens der höchsten Behörde mitzutheilen, damit diese bei der spatem Berathung der organischen Gesetze auf dieselben Rücksicht nehme. Und gerade weil der jüdische Lehrerstand der gedrückteste unter den Gedrückten und anderseits weil die Bedeutung und Wichtigkeit der jüdischen Schule (die in unserer dem Materialismus und Jndifferentismus huldigenden Zeit um so größer), so wie das Verdienst der Lchrer, wie Herr Oberrabbiner B. richtig bemerkt, von den Gemeinden noch lange nicht genug anerkannt und gewürdigt ist, darum ist es sowol im Interesse der Lehrer, als der Gemeinden, ja des Judenthums, hochheilige Pflicht, der höchsten Behörde die prekäre Stellung der jüdischen Lehrer, den Zustand der jüdischen Schulen in einer Denkschrift zu schildern und die Ansichten und Wünsche zu einer Reorganisation der bestehenden Verhältnisse in klarer, übersichtlicher Weise darzulegen. Was nun die Ansichten und Wünsche selbst betrifft, so bin ich mit denen der kreselder Lehrerkonferenz, soweit sie das erwähnte Referat giebt, einverstanden, und glaube ich, daß ein großer Theil, vielleicht der größte Theil der preußischen jüdischen Lehrer es sein dürfte. Ich wünsche, wie ich schon im vorigen Jahre in diesen Bl. ausgesprochen (vgl. No. 32), trotz meine Ansichten mit den Ihrigen, Herr Redakteur, divergiren und von mancher Seite angegriffen wurden, namentlich vom Herrn G oltman n (f. No. 38, 40 u. flg. ibicl.) die Beibehaltung von Konfessionsschuten, so triftige Argumente auch dagegen vorgebracht wurden und so schwierig die Ausführung auch sein dürfte. Und wie die Sachen jetzt stehen, halte ich dies sowol im Interesse des Lehrerstandes, als der Gemeinden sehr wünschenswerth, ja unumgänglich nothwendig. Da man das Prinzip der Simultanschulen und Simultanseminarien aufgegeben zu haben scheint, und es auch in der Folge evangelische und katholische Schulen geben wird, so müssen konsequenterweise auch jüdische bestehen, die in die Zahl der öffentlichen ausgenommen und mindestens theilweise aus Kommunal- oder — wenn eine Unterrichtssteuer eingeführt werden sollte — aus Staatsfonds unterhalten werden. Ja, wenn Religiosität und Intelligenz die sichersten Stützen der Staatswohlftchrt, die wesentlichen Bedingungen seiner Kraft und Stärke nach innen und außen sind*), so erwächst, wenn anders Religiosität und Intelligenz durch die Schule begründet werden, dem Staate aus der Pflicht der Selbsterhaltung zugleich die Pflicht und das Recht die Schule in seine Hand zu nehmen und derselben eine solche Organisation zu geben, daß die Interessen aller Staatsangehörigen dabei wahrgenommen und vertreten sind. Uebrigens halte ich es für überflüssig, hier naher auf diesen Gegenstand einzugehen, da es sich zuvörderst um die Ausführung des oben erwähnten Vorschlags handelt und um denselben zu realisiren, wäre es nach meinem Bedünken am Zweckmäßigsten, wenn sich sammtliche jüdische Lehrer Preußens, die mit den Ansichten der kreselder Lehrerkonferenz einverstanden, der quast. Denkschrift, die vor der Absendung an das Ministerium in d. Bl. mitzutheilen wäre, anschlös- *) S. die Reorganisation der Volksschule von Rektor Bulle, S. 24.