Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-02 · Heft 27 (2.7.1849) · p. Seite 370

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 27 (2.7.1849)
Date
1849-07-02
Page
Seite 370 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225634--10289-3240331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

370 riungstages 5609 in der Synagoge zuAnktam^von Jakob Wedell, Religionslehrer. Königsberg, 1849. Gottesdienstlicher Vortrag über Ps. 85, 9—14, gehalten am Tage vor Eröffnung der Kammern am 25. Februar 1849 in der Synagoge zu Anklam von I. M. Wedelt, Religionslehrer. Anklam, 1849. Beide Vortrage zeichnen sich durch passende Anordnung, eine glühende — nur hie und da zu wortreiche — Sprache, innige Gefühle und Anschaulichkeit der Gedanken aus. Wir können nur sagen, daß der Redner auf dem besten Wege der Entwickelung ist. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Das jüdische Schulwesen. Filehne, 21. Juni. Es ist gewiß sehr wohl gethan, daß Sie Ihre Zeitung, zu jeder Zeit das gediegenste Organ für die unparteiische Beurtheilung israelitischer Zustände, jetzt recht oft den Schulangelegenheiten widmen. Die Weltzustande sind ja so verwirrt, daß Männer kaum hoffen dürfen einen geordneten Genuß derselben wieder zu erleben. Die Gegenwart muß durchaus politisch sein, die Zukunft wird wieder religiös werden, sie gehört unserer Jugend und wird vorbereitet in der Schule. Ich übersende Ihnen anliegend ein Gesuch mehrerer Gemeindevorstände der hiesigen Gegend, über dessen Erfolg ich weiter berichten werde. Es liegt bei Veröffentlichung desselben in Ihrem geschätzten Blatte die Absicht zu Grunde, recht viele Gemeinden zu ähnlichen Bittstellungen zu veranlassen, indem ein gleiches Bedürsniß von allen israelitischen Gemeinden gefühlt werden muß und eine Abhilfe von Seiten der Regierung ganz sicher zu erwarten steht. Hierbei erlaube ich mir auf Ihre Bemerkung in'No. 23 der A. Z. d. I. „die Anfrage mehrerer Zöglinge der berliner Schullehrer-Bildungsanstalt betreffend zurückzukommen. Sie sagen darin: „Außer Preußen hat bis zum vorigen Jahre in ganz Deutschland kein jüdisches Seminar existirt — mit Ausnahme eines sehr mangelhaften zu Desfau." So wie mir dieses zu Deffau gänzlich unbekannt geblieben ist, so mag es Ihnen mit dem zu Kassel ergangen sein, an dessen Bestehen ich um so mehr erinnern muß, als ich selbst ehemals Zögling und später Lehrer in demselben war. Es wurde 1824 vom sel. vr. Büdinger gegründet und hat bei den geringen Mitteln, die ihm zu Gebote standen dach mehr als 100 Zöglinge ausgestellt, die größtentheils in Kurhessen, zum Theil aber auch in anderen deutschen Staaten das Lehramt mit Erfolg ausüben. Es hat gegenwärtig unter dem Hauptlehrer Herrn I. Lessong noch nicht ausgehört zu bestehen, soll aber auf Antrag einer Abgeordnetenversammlung der israelitischen Gemeinden Kurhessens (§. 24) mit der Schullehrer- Bildungsanstalt in Schlüchtern in Verbindung gebracht werden: Die kurhessische Regierung scheint aber noch nicht Zeit gehabt zu haben über jene Beschlüsse zu verfügen. Da mir das Simultaneum eben in den Schuß kommt, so will auch ich meine Ansicht darüber ausspcechen. Es ist in dieser Zeitung — wenn ich nicht irre gerade von Lehrern aus der Provinz Posen — der Simultanschule vielfach das Wort gesprochen worden. Vom Standpunkte der Humanität aus muß sie auch gewünscht werden, ja! die israelitischen Gemeinden dürfen sich sogar hinsichtlich des Kostenpunkts Vortheile davon versprechen, da jetzt die Unterhaltung der Schulen oft kleinen Gemeinden schwere Ausgaben auferlegt, was alsdann erleichtert würde. Allein die Religion und die Religionslehrer würden dabei entschieden im Nachtheite sein. Die Lehrer der Provinz Posen sind nun meistens nicht Religionslehrer, brauchen es wenigstens nicht zu sein, da sie mit der Gemeinde in keinem weitern Verhältnisse stehen, als daß sie ihr Gehalt von derselben beziehen. Sie mögen aber wohl bedenken, daß bei der Errichtung von Simultanschulen die Eigenschaft „israelitisch", die ihnen bisher zur Anstellung förderlich war, leicht hinderlich werden kann. Wenn sie dem entgegen edelmüthig sagen, sie wollten der guten Sache ein Opfer bringen, so mögen sie beherzigen, daß sich über die Güte dieser Sache noch streiten laßt. Meine unmaßgebliche Meinung ist die: In der israelitischen Gemeinde müssen Schule und Synagoge Hand in Hand gehen. Die kleinen Gemeinden — und wie wenig haben wir große? — muffen einen Führer beim Gottesdienste haben und bei der jetzigen Gestattung desselben ist dazu vorzüglich der Lehrer berufen. Er, der durch seine höhere Bildung demselben mehr Würde verschaffen muß, kann so auf Erwachsene und auf die Jugend zugleich wirken. Jede noch so kleine Gemeinde ist jetzt auf dem Wege deutsche Elemente, Vorträge oder Gebete in den Gottesdienst aufzunehmen, die alten Gesangsweisen in zeitgemäßere, ansprechendere Formen zu kleiden, die Väter sehen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.