Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1849)
- Date
- 1849-07-02
- Page
- Seite 369 (sequence 9)
- Language
- German
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369 lich werden? wird die frevelnde Hand des Drängers mit eiserner Wucht wieder unfern Nacken beugen? Mein Israel! du darfst, du mußt dir di^se Frage vorlegen. Schon öfter schien dir der Morgen aufgegangen zu sein, und wenn du herantreten wolltest an das Licht, dein wund' Gemüth an seinem Strahl zu sonnen, sieh', da kam sie plötzlich die Nacht und schattete deinen Blick mit trübem, wolkigen Dunkel. In dem Leben deines Volkes findest du diese Helle und darauf dieses Düster, diese muthige Freude und darauf diesen blutigen Schmerz; o, wird, es ihnen gelingen, fragen wir, wird das schwache Häuflein Zakobs, der kleine Ueberrest Juda's, nirgend, nirgend Ruhe finden? Nein, es wird ihnen nicht gelingen, so ihr euch von dem Zuruf der Religion begeistern und durchdringen lastet, so ihr in Wahrheit das werdet, was sie von euch fordert: Priester in dem Vaterlande zu sein. Geliebte! kennet ihr des Wortes hohe Bedeutung, begreift ihr den wichtigen Inhalt dieses Berufes? O, er spricht aus die erhabensten Tugenden, er fordert die grenzenloseste Selbstverleugnung, die aufopferndste Thatigkeit und Hingabe. Vaterlandsliebe, Vaterlandstreue, das sind die Grundpfeiler für den Bau eures Priesterthums. Ihr, ja ihr Söhne Israels, ihr müsset voranschreiten auf der Bahn des Gesetzes, müsset vorleuchten mit den Bürgerlugenden, damit der böse Leumund zum Schweigen gebracht werde, der Haß seinen Stachel verliere, und der Feind, der mit argwöhnischem Blick selbst unsere harmlosesten Bewegungen belauscht und mit scharfem Auge eine Blöße an uns aufsucht, beschämt zurückweiche. Wir müssen jeden Schein vermeiden, der uns in ein schiefes Licht stellt, und vor Allem es bekunden, daß wir mit aufrichtigem Herzen das Wohl des Vaterlands erstreben und für sein Heit unsere besten Kräfte einsetzen. Und so lasset es uns hier öffentlich aussprechen, daß wir mit Treue und Aufrichtigkeit die Pflichten üben wollen, die uns der Staat, indem er uns zu seinen Söhnen erhob, auferlegt; lasset es uns geloben, hier vor Gottes Angesicht, keine der Bürgertugenden zu verletzen, an dem Gesetz und dem Recht festzuhalten in allen Lagen unsers Lebens. Warum ich dieses Versprechen, dieses Gelöbniß von euch fordere? Sehet, für uns ist dies in der That überflüssig. Denn wir, die wir Geschlechter hindurch uns darnach sehnten, aus dieser Sonderung und Einzetstellung unter den Völkern herauszukommen, wir, die wir schon lange jeden Anhauch nationaler Eigenthümlichkeit von uns wischten, um in den Gesammtkörper des deutschen Bürgerthums aufzugehen, wir, die wir in der Trübniß der Knechtschaft das größte Leid, die drückendsten Opfer mit dem vollen Muth der Entsagung trugen, die wir den heißen Blutstropfen willig verspritzten für ein Land, das uns kaum den Aufenthalt gönnte, das nur der Kirchhof unserer Hoffnungen, unserer Freuden und Wünsche war; wir bedürfen wahrlich nicht erst des Angelöbnisses, uns der Freiheit würdig zeigen zu wollen, aber unseren Feinden gegenüber müssen wir es thun. Sie, die uns noch immer mit eiserner Solidarität für das verbinden, was der Eine oder der Andere Strafwürdiges hat begangen, wahrend sie doch unsere Tugenden als einzelne und vereinsamte Erscheinungen an uns beurtheilen; sie sollen es hören, daß wir trotz ihrer Anschuldigung und verleumderischen Rede uns nicht irre machen lassen und beharren beim Rechten; sie sollen erfahren, daß Israel, nachdem sein heißes Streben nach einem Vaterlande in Erfüllung gegangen, kein anderes Streben weiter kennt, als durch Tugend, durch Achtung vor dem Gesetze und die llebung desselben, an seiner Sicherung, an seinem Aufschwung und glücklichen Emporblühen Mitarbeiten zu können, Mitwirken zu dürfen." Die Leser werden aus dem Obigem selbst ersehen haben, daß der Redner ebenso warm und tief aus dem Herzen spricht, wie er reiner, klarer, vom Schwulst entfernter Rede sich bedient.—2P9*' nüfc», das Glaubensdenkmal Jakobs; als Grabesdenkmal des hochseligen Abraham Kohn, Kreisrabdiners und Predigers in Lemberg. Erste Predigt, gehalten an Sabbat-Wjeze, im Tempel der fortschreitenden Israeliten zu Lemberg, von vr. Moritz Löwenthal, Rabb. und Pred. Lemberg, 1849. Rede, gehalten am 1b. Marz, bei der gottesdienstlichen Feierlichkeit zur Begrüßung ber von Sr. Majestät verliehenen Verfassung rc. rc. daselbst, von demselben. Wenn die erstere Predigt nichts weniger als eine Solche, sondern ein Vortrag ist, der an den eigentlichen Gegenstand sehr entfernt Liegendes knüpft, und am Ende nur eine Reihe von gut ausgelegten Midraschstellen in geflügelter Rede genannt werden kann: so macht die zweite mit vollem Rechte darauf Anspruch, eine tüchtige Predigt zu sein, die, in guter Auslegung des Textes (Jes. 45, 1. 2. 49, 9. 13.) zuerst zeigt, was die Zsraeliten durch die Verfassung erhalten, dann was die Zsraeliten zu thun haben, um des Erhaltenen würdig zu sein, wobei der Redner genau und offen auf die dortigen Verhältnisse eingeht, und nachdrücklich zum Bessern anspornt. — apan w Ein Wort Jakobs an die Seinigen. Ein religiöser Dortrag, gehalten am Vorabend des Versöh- 27*