Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1849)
- Date
- 1849-07-02
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
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364 Nacht zeigt Nacht Erkenntniß an. Keine Rede, keine Worte, Ohn' daß jener Stimme gehört werde. Durch die ganze Erde geht ihr Klang aus, An des Erdballs Saum ihr Ruf." Pst 22, 28. ff.: „Deß denken und wenden zum Ewigen sich Alle Enden der Erde, Vor Dir werden sich bücken alle Geschlechter der Völker. Denn des Ewigen ist das Königlhum, Und er der Herrscher über die Völker.^ Ps. 24, 1. ff.: „Des Ewigen ist die Erde und was sie erfüllet. Der Erdball und seine Bewohner. Denn er hat sie über Meere gegründet, Ueber Ströme festigt ec sie." Ps. 33, 4. ff.: „Denn gerad' ist des Ewigen Wort, Und all sein Werk in Treue. Er liebt Gerechtigkeit und Recht, Des Ew'gen Gnad' ist voll die Erde. Durch des Ewigen Wort sind die Himmel geschaffen. Durch seines Mundes Hauch all ihr Heer. Ec sammelt zu Hausen des Meeres Gewässer, Leget die Fluthen in Vorrathskammern. Es fürchte den Ew'gen die ganze Erde, Vor ihm scheue sich all was den Erdball bewohnet. Denn er sprach, und es wird, Ec gebot, es steht da. Der Ew'ge vernichtet Beschlüsse der Völker, Vereitelt der Nationen Gedanken. Des Ew'gen Beschluß bestehet ewig, Seines Herzens Gedanken Geschlecht auf Geschlecht." Ferner V. 13. ff.: „Vom Himmel blickt der Ewige, Siehet alle Menschenkinder. Von seines Sitzes Stätte schaut Er auf die Erdbewohner alle, Er, der ihr Herz zumal gebildet, Auf alle ihre Werke merkt." Ps. 36, 6. ff.: „Ewiger, bis in die Himmel Deine Gnade, Bis zu den Wolken Deine Treue. Deine Gerechtigkeit wie die Gottesberge, Deine Gerichte wie große Fluth: Menschen und Vieh hilfst Du, Ewiger. Wie köstlich Deine Gnade, Gott! Menschenkinder, die sich in Deiner Flügel Schatten bergen, Laben sich vom Fette Deines Hauses, Mit dem Strome Deiner Wonnen tränkst Du sie. Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, In Deinem Lichte schau'n wir Licht." Dies eine kleine Lese aus einem kleinen Theile. Und im Angesichte dieser Schriftstellen, die wir leicht um das hundertfache vermehren wollen, im Angesichte solcher Aussprüche, die unwillkürlich, unzählige Male, ungekünstelt aus dem Herzen der Sänger und Lehrer des Volkes stoffen, viele Jahrhunderte vor des Ehristenthums Ursprung, faseln diese Leute vom „nationalen" Gotte, der „mit der Selbstständigkeit der jüdischen Nationalität verschwunden". Ihr könnet diese Lehre schmähen, Ihr könnet sie für falsch erklären, und Eure Weisheit an deren Stelle empfehlen; nur aber verfälschet die Geschichte nicht — blos um aus oer Geschichte das systematische Fachwerk eines deutschen Gelehrten zu machen: erst das Judenthum, dann das Ehristenthum, dann der „Katechismus der freien Gemeinden"; das Judenthum wurde vom Ehristenthum, das Ehristenthum vom Katechismus der freien Gemeinden abgeschafft. O, Ihr Kurzsichtigen, in solche Schubladen könnt Ihr ebenso wenig die Geschichte, wie die Natur bringen. Vielmehr sprudeln die Quellen der Menschheit in viel ursprünglicherer Kraft. Was sie hervorgebracht, das halt für alle Zeit. Die Entwickelung ist nur die immer weiter und immer tiefer greifende Herrschaft desselbigen Ursprünglichen. Das Judenthum ist die wahre Quelle und der wahre Träger der Gotteslehre; alle anderen Religionen nur zeitweise Transsigurationen derselben. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 21. Jl>ni. (Privatmitth.) Die jüdische Gemeinde ist in großer Aufregung. Sie haben in dieser Zeitung die Aktenstücke sammtlich mitgetheilt, Ihre Leser wissen also, es gilt die Wahlen der 31 Repräsentanten, welche eine Gemeindeverfaffung zu entwerfen haben. Hieraus ein bedeutender Kampf. Wir wünschen uns Glück zu diesem Kampfe, zu dieser Wahlagitation, zu diesem neu erwachenden Leben.