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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-02 · Heft 27 (2.7.1849) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 27 (2.7.1849)
Date
1849-07-02
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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362 Als Du Len Sand der Wüsten einst durchschrittest, Hingst Du an Gott; Als Du E Babels Bachen weinend littest, Ließst nicht von Gott; Auch vor des Syrers speerumstarrten Thronen Bekanntest Gott; Als Roma drohte, auch vor Roms Legionen Schrakst nicht von Gott; Du wardst verbannt aus Deiner Vater Lande, Zogst hin mit Gott; Dich trieben sie dis zu der Erde Rande, Nicht ohne Gott; Byzanz beraubte Dich des Menschenrechtes, Du lehrtest Gott; Du wardst das Opferlamm des Staubgeschtechtes, Wichst nicht von Gott; Du mußtest ziehen aus Hispaniens Fluren Um Deinen Gott; > Als tausend Völker Dir Verderben schwuren, Fielst nicht von Gott; Als man wie Vieh den müden Leib Dir zollte, Sahst Du auf Gort; Wie auch die Welt mit Hohn und Schmach Dir grollte, Vertrautest Gott! Und wolltest jetzt des Gottes nun vergessen, Den Du gelehrt, verehrt, geliebt, bezeugt? Den Du durch eine Welt trugst, stolz, vermessen, Jahrtausende, von Qualen nicht verscheucht, Du Ließest jetzt ihn Deiner Hand entwinden. Jetzt, wo die Schalten, all die gift'gen, schwindend Du konntest mit den Sklavenketten klirren, Blieb ungesesselt doch der hohe Geist: Nun sollte schnöde Dich die Freiheit kirren, Der fatschen Freiheit Glanz, die prunkend gleißt? Der leere Schwall der Worte sollt's vermögen, Der eitle Schimmer, heuchlerisch verwegen? Der Sturm, der Sturm, er hat zerstört, zertrümmert, Er hat den Sand der Steppe hingestreut: Doch lebt Dir Gott im Herzen unverkümmert, Der Frühling bald Dir neue Saaten beut; Wenn Welten stürzen: diese Säule raget, Weil sie der Welten Fundamente traget! Leitender Artikel. Magdeburg, 25. Juni. Das moderne Heidenthum. II. Wenn man eine weltgeschichtlichtliche Erscheinung bekämpfen will, so sollte man wenigstens die Voraussetzung rechtfertigen, daß eine gründliche Kenntniß, ein genaues Studium, eine scharfe Kritik zu Gebote stehen, um den uralten Gegner niederzuschmettern. Diese Helden des Wortes aber glauben, dies sei Alles überlei, mit dem Hauche ihres Mundes vermögen sie die Lehre, welche auf dem Gcanitsockel der Jahrtausende steht, umzuwehen, „sie blicken hin — sie ist nicht mehr/' Wir sehen in der vor. Nummer, wie „der Katechismus der freien Gemeinde" das Judenthum todt dekretirt; suchen wir nach dem Motiv dieses Dekrets, so liegt dies freilich in derselben seichten und erbärmlichen Auffassung, die er £>em Judmthume zukommen laßt; es ist eitel nichtiges Geschwätz, das tausendmal widerlegt, zum tausend und ersten Male von denselben Schwätzern aufgetischt wird. Sv heißt es S. 12: „welche Eigenschaften hatte der Gott der Juden? Die der jüdischen Nation. Er reprasentirte alle Kräfte, alle Neigungen und Leidenschaften, alle Fehler und Tugenden des jüdischen Volkes. Er rächte, wo zu rächen war; ec zürnte in dem Falle, wo sein Volk zürnte; er liebte und streute Wohlthaten aus, wo man ihn verehrte; er war unerbittlich, wenn man sich von ihm abwandte/ Welches Schicksal erlitt der Gott der Juden? Da er nur ein landsmannschaftlicher, nationaler Gott war, so mußte er mit der Selbstständigkeit der jüdischen Nationalität zusammen verschwinden. Als daher die Römer das jüdische Land eroberten und die Kinder Israels in alle Welt verjagten, verlor Jehova seine nationale Grundlage und seine Verehrung hörte aus." Es versteht sich von selbst, daß nun der Gott der Christen an die Stelle des Gottes der Juden trat, der universelle an die des nationalen (S. 13). Mit solchen Redensarten füttern die christlichen Theologen schon seit Jahrhunderten ihre Schüler, und siehe da, die Weisen der freien Gemeinden bereiten dieselben Speisen; sie, die sich brüsten, der Lüge das Garaus zu machen, wissen nichts Anderes, als Lüge zu spinnen. Denn Lüge ist es, was sie faseln von dem nationalen Gotte der Juden. Die h. Schrift beginnt mit der Schöpfung der Welt, und derselbe Gott, der „Himmel und Erde geschaffen", derselbe Gott „der Richter der ganzen Erde", derselbe Gott,

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