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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-25 · Heft 26 (25.6.1849) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 26 (25.6.1849)
Date
1849-06-25
Page
Seite 359 (sequence 15)
Language
German
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859 tion gegen die Staatseinrichtungen, unter denen sie lebt, zum eigenen Interesse zu machen. Die Juden sind zum Beispiel, abgesehen von ihrer vorzüglichen Befähigung zum Bürgerthum, von ihrer Mäßigkeit, Energie und geistigen Gewandtheit, ein ganz monarchisches, sehr religiöses Volk, das vor jedem Glaubenswechsel zurückbebt und den religiösen Systemen der Lander, in denen es lebt, ihr fröhliches Gedeihen herzlich gönnt; seitdem aber die Gesellschaft in England aufgeregt worden und mächtige Kombinationen die englischen Institutionen bedrohen, finden Sie den sonst so loyalen Hebräer in derselben Reihe mit dem Gleichmacher und Freigeist und bereit, eher eine Politik zu unterstützen, bei der sogar sein Leben und sein Eigenlhum in Gefahr kommt, als zahm und geduldig unter einem System ausznharren, welches ihn zu entwürdigen trachtet. Die Tory's verlieren eine wichtige Wahl in einem kritischen Augenblick — die Juden sind es, welche vortreten und gegen sie stimmen. Die Kirche erschrickt über den Plan zu einer freisinnigen Universität lin London) und erfahrt zu ihrem Tröste, daß die Fonds zur Errichtung derselben nicht ausreichen — sogleich tritt ein Jude vor und schafft das Geld. Und doch sind die Juden im Geiste Tories. Der Toryism ist auch blos dem mächtigen Vorbilde, welches Europa geformt hat, nachgebildet. Und mit jeder Generation müssen sie mächtiger und der Gesellschaft gefährlicher werden, welche ihnen feindlich gesinnt ist. Glauben Sie, daß die träge, abgeschmackte Verfolgung durch den Repräsentanten einer englischen Universität die vernichten könne, welche der Reihe nach den Pharaonen, Nebuchadnezar, Rom und dem Mittelalter getrotzt haben? Die Ursache ist, daß eine reine Race der kaukasischen Organisation nicht vernichtet werden kann. Es ist dies eine physiologische Thatsache, ein einfaches Gesetz der Natur, welches die Anstrengungen egyptischer und assyrischer Könige, römischer Kaiser und christlicher Inquisitoren zu Schanden gemacht hat. Weder peinliche Gesetze, noch physische Tortur können bewirken, daß eine höherstehende Race durch eine geringere absorbirt oder von ihr vernichtet werde. Die gemischten verfolgenden Racen verschwinden, die reine verfolgte Race bleibt. Und in diesem Augenblicke übt, Jahrhunderten,. Jahrtausenden der Entwürdigung zum Trotz, der jüdische Geist einen Ungeheuern Einfluß auf die Angelegenheiten Europa's aus. Ich spreche nicht von den Gesetzen des Judenthums, denen die Europäer noch gehorchen, nicht von seiner Literatur, welche ihren Geist sättigt, sondern von dem lebensthätigen hebräischen Verstände. Sie werden nie irgend eine große geistige Bewegung in Europa wahrnehmen, an welcher die Juden nicht bedeutenden Antheil hätten. Jene mächtige Revolution, welche sich in diesem Augenblick in Deutschland vorbereitet, die in der That eine zweite, ungleich größere Reformation werden wird, und von welcher man in England bis jetzt noch so wenig weiß, entwickelt sich ganz und gar unter den Auspizien von Juden, welche die Lehrstühle fast aller deutschen Universitäten einnehmen. Begünstigt von der Natur und von dem Gott der Natur brachten wir die Harfe Davids hervor, wir gaben ihnen Jesaias und Ezechiel. Begünstigt von der Natur sind wir noch, aber gerade in demselben Verhaltniß, in welchem wir von der Natur begünstigt worden, hat uns die Menschheit verfolgt. Nach tausend Kämpfen, nach heroischen Thaten, denen Rom es nie gleich gethan hat, nach Thaten einer göttlichen Vaterlandsliebe, welche von Achen, Sparta und Karthago nie übertroffen worden, haben wir fünfzehnhundert Jahre lang eine übernatürliche Sklaverei ertragen, wahrend welcher Alles über uns ergangen ist, was den Menschen schänden und vernichten kann. Das jüdische Kind ist blos in's Jünglingsalter getreten, um zu erfahren, daß es der Paria des undankbaren Europa sei, welches ihm den besten Theil seiner Gesetze und seine ganze Religion verdankt. Große Dichter verlangen ein Publikum; wir haben uns mit den unsterblichen Melodieen begnügt, die wir vor mehr als zweitausend Jahren an den Flüssen Babylons sangen. Sie erzählen unsere Siege, sie trösten unfern Schmerz. Große Redner sind die Geschöpfe von Volksversammlungen, uns wurde erlaubt selbst in unseren Tempeln nur verstohlen zusammenzukommen. Und was große Schriftsteller betrifft, so fehlt es nicht so sehr daran. Was sind alle Gelehrte, Aquinas selbst, gegen Maimonides? Und die moderne Philosophie hat bekanntlich ihren Ursprung ausschließlich in Spinoza. Aber der leidenschaftliche, schöpferische Genius, welcher das der Gottheit nächste Glied in der großen Kette ist und welchen keine menschliche Tyrannei vernichten, höchstens ablenken kann, der die Herzen der Nationen durch seine begeisterte Sympathie hätte aufregen und Senate durch seine glühende Becedtsamkeit regieren sollen, hat ein Medium des Ausdrucks gefunden, vor welchem Sie, trotz ihrer Vorurtheile, sich tief verneigen müssen. Das Ohr, die Stimme, die von Kombinationen erfüllte Phantasie, die bilderreiche, bewegte Einbildungskraft, welche vom Kaukasus kam und die wir unbefleckt bewahrten,

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