Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-25 · Heft 26 (25.6.1849) · p. Seite 356

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 26 (25.6.1849)
Date
1849-06-25
Page
Seite 356 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225633--10274-3240315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

356 Literarische Nachrichten. Leipzig, 17. Juni. In diesen Tagen erscheint die fünfte Lieferung des dritten Bandes (vierten Theiles) des P h i l i p p so n'schen Bibelwerkes, enthaltend die Psalmen 56 — 73. Die Lieferungen werden jetzt wieder schneller erscheinen, so daß das Werk seiner Vollendung naher schreitet. Anklanr, 4. Juni. (Eine Bitte.) So sehr auch unsere Schulliteratur in der neuesten Zeit bereichert wurde, so fehlt es noch immer an manchen, namentlich für den ersten Unterricht im Hebräischen nölhigen Lehrmitteln. Vor Allem rechne ich dahin ein Hülssbuch beim Uebersetzen des Pentacheus und der Gebete. Es sind dergleichen Schriften zwar schon erschienen, der kleine Praparand von Arnheim, Hebräische Gebetstellen von Lieb rechts, allein ersterer ist gänzlich vergriffen, und von Letzterem, im Selbstverlag erschienen, konnte ich bis jetzt keine Exemplare erhalten. Es wäre daher wünschenswerth, daß Herr Arnheim eine zweite Auflage erscheinen ließe, und Herr Liebrechr den Weg angabe, auf welchem man sein Werkchen erhalten könnte. Wedell. Magdeburg, 18. Juni. Assafund Tirza. Gedicht von I. Schwarz. Heidelberg, 1849. Wohlerfunden: Ein Jüngling wird durch die Androhung, daß Eltern und Braut der Inquisition überliefert werden sollen, gezwungen, zum Ehristenthume überzutreten. Seine Braut ist dadurch tief verwundet. Unterdeß ergeht der Befehl, daß die Juden Spanien verlassen. Die Familie der Braut begiebt sich nach dem h. Lande. Affaf rettet seinen Vater aus einer Feuersbrunst und geht mit ihm nach dem h. Lande, um zum Judenthume zurückzukehren. Hier findet er seine Braut am Grabmal Rahel's. Auch wohlversifizirt, flüssig, guter Reim, Abwechselung. Demungeachtet fehlt dem Ganzen die Weihe der Poesie, und an vielen Stellen der Adel der Sprache. Viele Stellen sind matt, viele prosaisch, viele gedehnt. Es thut dem Dichter noch größere Reise und mehr Schwung Noch. *) Von Heinemann in Berlin erschien vor einigen Jahren ein vollständiges Lexikon zu dem Gebetbuch. Redakt. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Ueber Synagogengesaiig. Aus Speyer in der Rheinpfalz. Die Einführung des Gesanges bei dem Gottesdienste hat den sehr schönen Zweck, die Gläubigen immer mehr aufzumuntern, den durch das Beten ermüoeten und erschöpften Geist, welcher oft durch zu lange Gebetformeln zum Mechanischen herabgezogen wird, wieder frisch zu beleben und ihm einen neuen Hetzern Schwung mitzutheilen, seine Empfindungen reger zu machen; wo er dann durch Anhören und durch eigenes Mitsingen eine weit erhabenere und dem hohen Gegenstände angemessenere Stimmung erhalt. Wol hat die magische Wirkung des Gesanges aus Herz und Gemüth schon das hohe Alterthum erkannt; denn der Ehoral verdankt seinen Ursprung den frühesten Zeiten. Die Nachkommen Seth's, bei denen sich die! wahre Gottesverehrung erhalten, waren angeblich die Erfinder der Musik und vecmuthlich auch des Gesanges. Moses gedenkt der Gesänge beim Gottesdienste (2. B. Mos. 15. V. 1.), wo die Priester und Leviten der Israeliten ihre Gesänge vor dem Altäre des Herrn abgesungen. Unter David und Salomon und später bei den alten Griechen vorzüglich, war der Ehoralgesang schon zu einer ziemlichen Vollkommenheit herangeblüht. Alle seit dieser Zeit entstandenen Konfessionen sind in diesem Gegenstände, mit dem Herz und Gemüth bildenden Gesänge mit der Zeit vorgerückt, nur die Israeliten — gestehen wir es zu unserer eigenen Schande — sind, größere Städte ausgenommen, auf der alten Stuft stehen geblieben! — Auch bei uns in Speier wird es endlich einmal gefühlt, wie nöthig es ist, dem immer mehr überhandnehmenden Jndifferentismus geeignete Schranken zu setzen,! und unfern Gottesdienst mit einem Herz und Gemüth! veredelnden Choralgesange zu verherrlichen. Wie schwer! es ist, solche bildende Reform vorzunehmen, werden wol jene, welche schon Hand an dieses zeitgemäße edle Werk legten, mit Wehmuth erfahren haben. Doch, sollen wir allein Zurückbleiben? Soll bei uns der alte Schlendrian freien Lauf behalten, und unser Gottesdienst nicht auch, wie bei anderen Konfessionen, veredelt, zeitgemäß fortschreitend — Unser verehrt. Synagogenvorstand hat sich zur Aufgabe gemacht, einen geregelten Ehoralgesang bei dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.