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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-25 · Heft 26 (25.6.1849) · p. Seite 355

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 26 (25.6.1849)
Date
1849-06-25
Page
Seite 355 (sequence 11)
Language
German
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355 konstituionelle Freiheit nicht, wie im übrigen Europa, mit Bruderblut niedergeschrieben, nicht im Kampfe und Haffe der Parteien proklamirt worden ist. Welch unendliches Glück. Im übrigen Europa >st jeder Satz mit Unruhe und Aufständen erkauft, und nur der andern Partei abgcrungen, die stillschweigend, während sie ihn unterzeichnet, sich vornimmt, ihn zu brechen, sobald sie wieder die Oberhand hat. Bei uns ist Alles auf dem Wege des Friedens und der Eintracht erlangt, die, merken Sie wohl, seit dem Thronwechsel im Marz 1848, im Innern nur gewachsen ist, während er nach außen nur Krieg und Feindschaft hervorgeruscn, ob verdient oder unverdient? die Zeit ist nicht mehr fern, wo der Welt laut das Letztere verkündet werden wird. Ich frage Sie aber, welches Volk verdient größere Bewunderung, das Volk, welches, während eines energischen Kampfes nach außen, doch die Energie besitzt, seine inneren Verhältnisse im Geist der Zeit zu ordnen, ohne dabei in Zerwürfniß und Zerrüttung zu gerathen — oder das Volk, das neben traurigen und zweifelhaften Lorbeeren im Außen, in seinem Innern die endlosesten Wirrsale zeigt, und am Ende weder nach außen, noch nach innen etwas erreicht? ... Sie verzeihen den Ausbruch dessen, was uns Allen das Herz erfüllt. Aber Ihr Blatt ist ein Weltblatt, cs hat, wie Israel, kein lokales Vaterland, sondern das Vaterland gerade, welches der Schreibende har und mit ganzem Herzen umfaßt. Aber uns Dänen blutet das Herz, wenn wir die Beschimpfungen und Gehässigkeiten, die Unwahrheiten und Rohheiten wahrnehmen, die täglich, insonders in den deutschen Blättern, über unser Vaterland ausgcbreitet werden. Was hat man nicht gefaselt über die Verwerfung der Konstitution von Seiten unsers Königs, von den Aufständen, die in Kopenhagen zu erwarten, von den Russen, die gegen das Volk zu Hilfe gerufen werden — Alles Unwahrheiten. Unser König, unser Volk haben Beide nicht daran gedacht. Wir gehen Alle Hand in Hand, entschlossen den letzten Blutstropfen und den letzten Groschen daran zu setzen, Dänemark in seinem Bestände zu erhalten. Aber unsere Verfassung ist auch in Mäßigkeit und auf dauernden Grundlagen errichtet. Wir wollten Nichts in Ueberstürzung und in Traumgespinnsten, welche nicht zu verwirklichen sind. Wir sind keine Freunde von vagen Experimenten und hohlen Theorieen. Die Zeit war da, wo die Staatsvcrfassung umgebaut werden mußte, aber — zerstören wollten wir sie nickt. Bon diesem Standpunkte betrachten Sie auch die Paragraphen der Verfassung, welche ich Ihnen übersandte, und die unser Schicksal betreffen. Wir sind bürgerlich gleich gestellt; der Staat wird fortan in Nichts nach dem Glaubensbekenntniß den Einzelnen als Bürger beschränken. Dies lebt im dänischen Volke, und seit langer Zeit empfanden wir Juden wenig, sehr wenig von Beschränkungen. Aber eine völlige Gleichstellung der Kirchen lebt noch nicht im dänischen Volke. Hier, wo die unermeßliche Mehrheit des Volkes der evangelisch-lutherischen Kirche angehört, wo nicht, wie in Deutschland, sich zwei Kirchen in gleicher Ausdehnung gegenüberstehen und eine Menge anderer mit zahlreichen Anhängern daneben, hier kann auch, unbeschadet der religiösen Freiheit, eine „Volkskirchc" als Solche bestehen. Der Staat wird demungeachtet seine Unterstützung auch den übrigen Religionsgesellschaften nicht entziehen, und die Regierung wird nicht in dem Falle sein, die Verfassung zu verletzen, indem sie die großen Kirchen nicht zerfallen lassen will. Auch darin, gestehe ich offen, scheint uns unsere Verfassung vernünftig, daß sie Jeden anhälk, sich einer gewissen Religionsgemeinde anzuschließcn, dabei zwar auch die Freiheit gewährt, zu keiner zu gehören, dann aber den Beitrag für den allgemeinen Schulfonds verlangt. Es ist damit der Unsittlichkeit gesteuert, daß, um keinen Geldbeitrag zu zahlen, Viele sich den religiösen Gemeinden entziehen, und die Religion zuletzt als eine Steuer angesehen wird. Der Grundsatz, daß jeder Bürger auch Etwas zur Erhaltung der sittlichen und religiösen Bildung beitragen muß, diesen Beitrag aber seiner Ueberzeugung nach verwenden, also dem Religionsbekenntniß zuwenden kann, dem er angehört, beruht auf Freiheit und Vernunft zugleich. Ob die in Deutschland im Schwünge seienden Ansichten, welche theils eine völlige Entwurzelung aller religiösen Gemeinschaft unter den Menschen, wozu die Individuen schon allzusehr geneigt sind, bezwecken, theils die Regierungen zu Bevorzugungen indirekt zwingen, vernünftiger sind, will ich dahin gestellt sein lassen, die Zeit wird es lehren.

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