Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-25 · Heft 26 (25.6.1849) · p. Seite 353

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 26 (25.6.1849)
Date
1849-06-25
Page
Seite 353 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225633--10271-3240312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

353 das ist Euer Lohn, die Frucht Eures Strebensl Ist das nickt Aufmunterung genug in den Mühen des Üehrcrlebens? Schmach über solches Verfahren; mögen sie sich in die Seele hineinschämen, die sich aufgeklärt und wohlhabend dünkenden Herum in P. Was kann unter solchen Verhältnissen geleistet werden? Wehe, wo man Unrecht säet, wo die Unbilligkeit gehegt und gepflegt wird; es rächt sick dies gar zu sehr; solche Saat trägt bitt're Frucht!! — Ich weiß wohl, daß diese Zeilen die Zustände in P. nicht bessern; ich weiß wohl, daß der Eine oder der Andere über diese Worte zürnen wird; aber in die Annalen des Judentbums müssen derlei Fälle, die sich jetztleiderso häufig zutragen und von denen ich Ihnen vielleicht, ohne Rücksicht, ohne Scheu recht bald noch einige Pröbchen aus anderen Gemeinden mittheilen werde, verzeichnet werden, damit man's erfährt, damit cs noch die Enkel lesen, wie sich jüdische Gemeinden, die sich gebildete nennen, gegen ihre Lehrer benommen. Für heute muß ich schließen. J. M. ZNünchen, 16. Juni. (Privatmitth.) Wieder einmal ward eine baiersche Verheißung den Israeliten dieses Landes — wieder einmal hat sie keine Folge, und „harret der Erfüllung". Das jetzige Ministerium trat mit einem bündigen Emanzipationsgesetze vor die Kammern — sie sind aufgelöst, und der Gesetzentwurf ruht im Archive. Früher trug die Kammer an, und das Ministerium gelangte nicht dahin; jetzt trug das Ministerium darauf an, und die Kammer gelangte nicht dahin. So sind wir Israeliten gerade der Spielball aller Zerwürfnisse. Man wird sagen: gedulde dich; hat doch die Regierung vermittelst des Entwurfs sich dazu bekannt; also eS ist nur ein Aufschub; auf einige Monate langer kann es nun auch nicht ankommen. Allein wer sagt mir: wie es nach einigen Monaten anders aussehen wird? wird dann dasselbe Ministerium am Ruder sein? wird ein anderes Ministerium unter anderen Prinzipien sich gebunden glauben durch den Entwurf eines Vorgängers? Diese Fragen kann Niemand bestimmt beantworten, und somit ist meine Beunruhigung, meine Klage gerechtfertigt. Und warum soll ich zu derselben nicht berechtigt sein, wenn ich sehe, wie jetzt Baiern die einzige Ausnahme von allen Ländern vom atlantischen Ozean bis zu den Mündungen der Donau ist, und mitten in Deutschland nur mit Schweden und Rußland noch bei den alten Zustanden hinsichtlich unserer Glaubensgenossen verblieben ist? Gerade in dieser Lage jedoch muß die Bürgschaft der Aenderung gesucht werden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 12. Juni. Während der Präger Magistrat den Heirathsgesuchen der Juden noch immer Hindernisse in den Weg legt, oder sie abweist, ist den Aemtern und Magistralen in den böhmischen Kreisen folgender Erlaß zugekommen: Aus Anlaß einer von hier Orts unterm 24. April l. I. Z. 4546. an das hohe k. k. Landespräsidium gestellten Anfrage, werden die k. k. Kreisämter mittelst des Gubernialdekretes vom 14. pr. 30. Mai l. I. Z. 2665. bedeutet, daß die in Betreff der Hcirathsgesuche der Israeliten bisher gesetzlichen Vorschriften in Folge der Bestimmung der a. h. Ort gewährten Grundrechte und der Reichsverfassung 6. 6. 14. März l. I. behoben erscheinen und die Israeliten in Bezug auf ihre Heirathsgesuche sonach den christlichen Bewohnern gleich zu halten und nach den für diese zu beobachtenden Normen mit Rücksicht auf §. 336 der Reichsverfassung und auf die Bestimmung des prov. Gemeindegesetzes vom 17. März l. I. zu behandeln sind. Welches den Aemtern und Magistraten zur Wissenschaft und Nachachtung bekannt gegeben wird. Am 30. Mai 1849. Nakonitzcr k. k. Kreisamt. Großbritanien. London, 12. Juni. In der gestrigen Unterhaussitzung ward die dritte Lesung der sogenannten Judenbill (parliomentar^ Oatlis jew Bill) mit 272 gegen 206 Stimmen angenommen. So weit das Haus der Gemeinen betheiligt ist, steht also der Zulassung von Juden zum Parlamente kein Hinderniß mehr im Wege, und das Oberhaus wird sich wol endlich auch in das Unvermeidliche fügen müssen. Die Argumente, welche von den Gegnern der Gleichstellung der Juden mit den Christen, namentlich von den Herren Spooner und Raphael vorgebracht wurden, sind wesentlich dieselben, welche wir auch bei uns kennen, nur mit dem Unterschiede, daß sie in England in Folg« des großem religiösen Rigorismus mit grö- 26*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.