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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-25 · Heft 26 (25.6.1849) · p. Seite 352

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 26 (25.6.1849)
Date
1849-06-25
Page
Seite 352 (sequence 8)
Language
German
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352 versteht und mit Recht die Achtung und das Wohlwollen jedes Rechtdcnkendcn verdient. In vielen Gemeinden unscrs und des kösliner Regierungsbezirks sieht's mit dem Gemeinde- und Schulwesen sehr übel aus; so soll z. B. in Neu-Stettin, wo seit einigen Jahren sich Alles so schön zu gestalten begann, die Parteisucht ihr Unwesen treiben und die Blüten, die sich dort in der neuesten Zeit zu entfalten begannen, zu vernichten suchen; im Gotteshaus sucht man die alte Unordnung einzuführendie Schule zerfällt und hat man dem Prediger und Lehrer der Gemeinde, Herr Rabbiner Victor, der mit rastlosem Eifer für das Bessere strebte, die Stelle aufgekündigt. Ebenso sieht's in vielen Gemeinden Westpreußens aus. Zn D. Crone, wo in den letzten Jahren ein so guter Geist herrschte, will man die Schule auflösen und zahlt den Lehrern keinen Gehalt, als ob man nicht verpflichtet wäre Wort zu halten, als ob dadurch das Heil der Gemeinde befördert wird, wenn man das mit Mühen und Anstrengung in's Leben gerufene Institut zerstört! O möchte man sich doch nicht von der Leidenschaft, von der Parteisucht blenden lassen; möchte . . . doch ich will hier abbrechen; mögen Andere aus dortiger Gegend die dortigen Verhältnisse schildern; es ist dies von Interesse, ja von großem Nutzen. Nur noch Etwas. Es hat sich das Gerücht verbreitet, daß Hamburgs Gemeinde an die Stelle des sel. Chacham Bernays den Herrn Dr. Sachs in Berlin wählen will. Es wäre dies für Berlin ein großer Verlust, namentlich in der jetzt so kritischen Zeit. Nächstens mehr. W. Aus dem Regierungsbezirk Stettin, im Mai. (Privatmitth.) Sowol mit dem Gemeindeals auch mit dem Schulwesen sieht's hei uns, wie schon anderweitig in diesen Blättern berichtet, sehr übel aus. Die Gemeinden sind mit wenigen Ausnahmen, ohne Statut, überall herrscht Unordnung und was die Schulen betrifft, so geschieht nicht nur Nichts zur Hebung derselben, sondern wo sie auch schon bestehen, sucht man durch alle nur möglichen Mittel ihre Existenz zu gefährden, als ob die neue Zeit, die angebetete Freiheit allen Unterricht, so weit er das Judcnthum betrifft, überflüssig gemacht, als ob Pflicht und Recht ihre Geltung verloren und man es nur darauf abgesehen, alles Höhere und Heilige im Keime zu tödten. Als ein Beispiel führe ich Ihnen heute die Gemeinde zu Pyritz an; diese Gemeinde, etwas unter 50 Familien zählend, war seit längerer Zeit bestrebt wenigstens für einen angemessenen Zugendunterricht Sorge zu tragen, weshalb sie vor einigen Jahren in der Person des Herrn Backhaus, eines kenntnißreichen Mannes, einen tüchtigen Lehrer anstcllte, der seinem Berufe mil Fleiß und Ausdauer lebt und so die Achtung Aller erworben. Dessenungeachtet ward sein Einkommen, das anfänglich sehr gut, in der jüngsten Zeit bis aus eine geringe Summe reduzirt, so daß Herr B. nicht eristiren könnte, wenn er nicht einige Pensionärs und Privatunterricht hätte. Allein auch damit war man nicht zufrieden; ein Geist der Hölle genannt Zwietracht, der Nichts heilig ist, wenn es gilt, ihre Pläne auszuführen, suchte Alles aufzubieten, damit die Schule, das einzige Band, das noch die Gemeinde umschlingt, das einzige Institut, von dem noch Früchte zu erwarten sind, ganz eingehe und so wird dem Lehrer ohne Rücksichtauf seine Leistungen, auch noch das geringe Gehalt entzogen. Die Gemeinde theilte sich in zwei Parteien. Der bisherige Vorstand Herr H. Hirschseld, ein sehr intelligenter Mann, der vor Kurzem — für das judenfeindliche Pyritz ein unerhörter Fall — Rathsherr geworden ist, verlangte bei seiner am nvs 7ih'h stattgehabten Amtsniederlegung, die Gemeinde sollte sich zu einer statutengemäßen organisiren, damit die Willkür, dieser böse Drache, endlich einmal aufhöre; aber davon wollten die Stimmlenker (die Schreier!) durchaus Nichts wissen. Herr Hirschseld trat aus der Gemeinde; zwanzig Personen erklärten sich sogleich, daß sie der Meinung des Herrn H. seien und bis zu einer Reorganisation oder besser Organisation — denn bis jetzt bestand ja noch keine Ordnung — keine Steuern bezahlen würden. Verblieben diese Leute nun auch in der Minorität, so ist sie doch sehr bedeutend und wegen ihrer Tendenz um so bedeutender. Von der anarchischen Partei — so kann man füglich diejenige nennen, die kein Statut, keine Ordnung will — ist nun Herrn B., wie schon angedeutet, das bereits sehr verkürzte Gehalt wegen angeblicher Zahlungsunfähigkeit (!!) der Gemeinde entzogen und wird derselbe nun sein Honorar, das er im Schweiße seines Angesichts erwirbt, und das Manche der Herren in P. in ihrer Beschränktheit nur als Geschenk betrachten, künftig wol auf dem Wege des Gesetzes fordern müssen. Seht Ihr, Ihr Jugendlehrer,

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