Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1849)
- Date
- 1849-06-25
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
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351 düng mit kirchlichen Anstalten nicht geringe äußere Vortheile schöpfen, bedrohlich. Bei dem ersten Passus bemerkt man, wie er wieder all der Freiheit der philosophischen und kritischen Wissenschaft entgegentreten zu wollen die Miene annimmt, wiederum vergessend, daß gerade durch die Unterdrückung die Erfolge vergrößert und verallgemeinert werden. Ueber die Schule selbst heben wir nun das Eine hervor—daß die Geistlichkeit als Solche — nur in dieser Weise schließt die Verfassung der deutschen Nationalversammlung jene aus — als Aufsichtsbehörde der Volksschule aufrecht erhalten werden soll. Die Erläuterungen des preußischen Ministeriums zu der Verfassung vom 5. Dezember gaben dies zu verstehen, diese Denkschrift spricht es geradezu aus. Damit ist das Lerrän der religiösen Freiheit auch an der Schule verloren. Jetzt wird man zugeben, daß keine „Revolution" stattgefunden, da in der Wirklichkeit die alten Prinzipien überall sestgehalren und wiederhcrgcstellt werben. Berlin, 14. Juni. Der Vorschußverein für Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde hielt am 3. Juni seine dritte Generalversammlung ab. Es ist dies der erste Verein gewesen, der in Berlin gegründet worden, um durch zinsfreie Geldvorschüffe der Verarmung ohne Almosengabe vvrzubeugen. Seit seiner Gründung im Monat Mai 1846 bis Ende Dezember 1848 hatte derselbe mit einem Vermögen von 1863 Thalcm die Summe von 6485 Thaler ausgeliehen, und zwar an 259 Individuen, von denen 149 dem Handwerker- und 110 dem Handelsstande angebören. Die Rückzahlungen geschahen, mit wenigen Ausnahmen, in denen die Bürgen in Anspruch genommen wurden, ziemlich pünktlich, und hatte der Verein die Freude, manchem redlichen Manne während der länger andauernden Geschäftslosigkeit im vergangenen Jahre eine wesentliche Hilfe gewahren zu können. Neue Schenkungen hatte der Verein im Jahre 1848 nur sehr wenige erhalten und wäre in dieser Beziehung eine größere Theilnahme sehr wünschenswcrth, um bei den auch jetzt noch trüben Zeitverhältnissen möglichst allen Anforderungen genügen zu können. — Anmeldungen zum Eintritt als Mitglied, so wie Schenkungen für den Verein werden sowol bei dem Vorsitzenden des Vereins, Wm. Caspari, neue Fricdrichsstraße No. 27., als auch bei dem Rendanten desselben Philipp Liebermann, Spandauer Straße No. 59, angenommen. Aus Pommern, im Juni. (Privatmitth.) Heute einige Notizen. Die Gemeinde zu Stettin, die selbst größeren Gemeinden zum Muster dienen könnte, hat ein Statut entworfen, das jetzt zur Revision resp. Annahme vorliegt. Für Synagoge und Armenunterstützung geschieht in Stettin sehr viel; nur für den Jugendunterricht müßte mehr geschehen. Es thut dies in unserer, dem Materialismus so sehr huldigenden Zeit ganz besonders Noch. Die Gemeinde zu Pasuwalk, der das Prädikat einer friedlichen gegeben werden kann, hat in der Person eines Herrn Dr. Bendix einen Lehrer und Prediger. DicPasuwalker thun viel für die Armen und Dürftigen; eben dies ist in Anklam der Fall, das namentlich von vielen Durchreisenden in Anspruch genommen wird. Die Gemeinde zu A. hat sich einstweilen auf Grund älterer Bestimmungen geordnet und wird späterhin ein Statut entwerfen und einführen, ohne welches an eine dauernde Ordnung nicht zu denken ist. In Prenzlau, das nun schon lange rabbinerlos, wollte sich ein Theil der Gemeinde zu einer Rcformgemeinde konstituiren, was, abgesehen von der Unhaltbarkeit Reben stein'scher Reformprinzipien, doch nicht von Dauer (man denke an Köslin und selbst an Berlin, wo trotz Hold Heims Bestrebungen, der Jndisferentismus dennoch große Fortschritte macht) und für die Gemeinde im Ganzen sehr nachtheilig gewesen wäre; allein den Bemühungen des Herrn A. Meyer daselbst, eines sehr biedern Mannes, der an der Spitze der Gemeinde steht und mit ganzem Herzen dem Judenlhum anhangt, gelang es, die Gemüther zu versöhnen und, wie man hört, soll die Gemeinde damit umgehen, sich auf's Neue zu konstituiren und in der Person eines Herrn caiul. tlieol. Dr. Lazarus (aus Filehne) der in Pr. schon einige Mal mir Beifall gepredigt, einen Prediger anzustellen. Wir können zwar über die rethorische und homiletische Tüchtigkeit des Herrn L. nicht urtheilen, da wir ihn noch nicht gehört, aber so viel wissen wir, daß er ein ausgezeichneter Talmudist, mit einem scharfsinnigen Geist begabt, und dabei von echtbr Gottesfurcht beseelt ist. Für die Schule könnte in Pr. mehr geschehen, indeß muß man's dem dortigen Lehrer Herrn Efrcm nachsagen, daß er mit Fleiß und Ausdauer seinem so schwierigen Posten