Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1849)
- Date
- 1849-06-25
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
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347 Wir haben eben heute den Gegnern nur zurufen wollen, daß sie nicht in ihrer Verblendung für todt halten, was mit aller Wucht des frischesten Lebens ihnen entgegentritt. Das Judenthum tragt in sich seine Vollendung von seinem Beginne an. In ihm ist die Wurzel und die Krone einer und derselben Lehre. Darum hat es allein und ganz diese Lehre zu vertreten, von der andere Religionen, wie Christenthum und Islam, nur Theile hinübernahmen. Das Judenthum war von Beginn an die Lehre vom einigen, geistigen, überweltlichen Gotte, und von der Ebenbildlichkeit des Menschen zu diesem Gotte. Diese Lehre trug es im Mosaismus, im Pcophetismrrs, im Talmudismus, und tragt es noch heute. Diese Lehre ist vollendet an sich; sie kann in immer reineren Konsequenzen ausgearbeitet werden, aber nicht vollendet, denn darüber hinaus giebt es Nichts. Diese Lehre wurde in dem Entwickelungsgange der Geschichte im Judenthume in den verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Normen umgeben, aber an sich war sie im Judenthume immer da. Diese Lehre hat das Judenthum der Menschheit übergeben. Die Menschheit hat sie von ihm in immer größeren Maßen angenommen. In diesem Entwickelungsgange des Annehmens ist die Menschheit noch immer begriffen. Dies ist die wahrhafte Geschichte. Alle andere ist verfälscht. Gehen wir unserm Gegner nun weiter zu Leibe. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Oberschlefien, 13. Juni. (Privatmitth.) Die Politik einerseits und die Cholera andererseits geben dem Menschen genug zu schaffen, als daß ihm noch Lust und Liebe zur Besprechung anderer Gegenstände übrig bliebe. Die prekären Zustände des materiellen Erwerbes, der immer mehr und mehr den Boden unter sich verliert, und dann das furchtbare Auftreten der schrecklichen Seuche, die ihren mörderischen Weg aus der Hauptstadt in die Provinz genommen hat, entmuthigt auch den Beherztesten und Vertrauensvollsten auf die Zukunft. Wenn früher eine Zeit zu reden war über die verkümmerte Stellung unserer Gemeinden und ihrer Institutionen zu den Bestrebungen der Gegenwart, so wäre jetzt eine Zeit zu schweigen; denn die Zaghaftigkeit und die Verzweiflung hat sich der Geister so sehr bemächtigt, und die Schwermuth lastet so sehr auf den Gemüthern, daß die Stimme verhallte wie in der Wüste, von Niemand gehört und gewürdigt. Was uns indessen zu diesem Bericht dennoch veranlaßt, ist, daß gerade diese allgemeine Niedergeschlagenheit und Gedrücktheit der Stimmung von gewisser Seite her benutzt wird, um Spaltungen in den Gemeinden herbeizusühren und den Aberglauben des gemeinen Mannes zu benutzen, nachdem die eigenen Waffen sich als abgestumpft bewiesen haben. — In unserer letzten Berichterstattung aus Oberschlesien erwähnten wir, daß in Gleiwitz eine Partei sich bemüht hatte, das gute Einverständniß zwischen Gemeinde und Rabbiner ^u stören, und wie dieser Versuch an dem gesunden Sinn der Mehrheit der Gemeinde gescheitert ist. Heute müssen wir nun zu unserm Leidwesen nachtragen, daß es diese Partei durchzusetzen wußte, sich als besondere Gemeinde zu konstituiren, und sich außerhalb alles Bezugs zum Rabbiner und den Kultusbeamten zu stellen. Sie wird ihre eigene Synagoge, ihren Chasan u. s. w. haben, und da die Ketzereien der Neumodischen, denen ja alles Unglück der Zeit zuzumessm ist, keinen Eingang dort finden sollen; so erwartet man von der frommen Gesinnung der übrigen Gemeindeglieder, daß sie aus ihrer Verblendung erwachen und endlich ihr wahres Heil erkennen werden. So ist denn ein Bruch in der Gemeinde vorhanden, und wenn wir uns das traurige Beispiel vor Augen führen, welches die Zwiespältigkeit größerer Gemeinden uns geben, so muß eine Solche in Gleiwitz die traurigsten Folgen nach sich ziehen. Aber das wünschen eben diese Krämerseelen, sie wollen die Gemeinde zersetzen in die einzelnsten Elemente, um nach dem alten jesuitischen Grundsatz: divide et impera ihre Herrschaft hochauf zu bringen, die ja in nichts Anderm besteht, als in dem Bestreben, das Judenthum, welches kaum flüssig geworden, wieder unter jene starre Kruste zu bringen, unter der schon mehr als ein jüdisches Herz vereisigt und dem Jndisferentismus ist zur Beute worden. Ob es ihnen gelingen werde? Wir glauben es nicht; aber der größte Sieg des neunzehnten Jahrhunderts, die Religionsfreiheit, hat so was Verlockendes, daß auch die absurdeste Geistesrichtung Anhänger findet, um nur beweisen zu können, daß dieses Prinzip überall zur Wahrheit werden will. Wir können bei dieser Miltheilung nicht