Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1849)
- Date
- 1849-06-18
- Page
- Seite 343 (sequence 15)
- Language
- German
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343 ger von einem Soldaten gebracht, der ihn mit eigener Hand getödtet haben wollte. Hadrian wollte den Körper sehen; eine Schlange hielt denselben umschlungen. „Nicht ein gewöhnlicher Menschenarm," rief er aus, „sondern der Arm Gottes allein konnte mit diesem Menschen fertig werden." Die fremden Dokumente sind gleichfalls nicht hinter den jüdischen Uebertreibungen zurückgeblieben, so tiefe Eindrücke hat dieser letzte Lodeskampf Jerusalems gegen Rom zurückgelafsen. Außer den nicht zu berechnenden Opfern des Hungers und der Krankheiten giebt Dio Casstus die Zahl der durch das Schwert umgekommenen Vertheidiger Jerusalems auf 180,000 an. Man soll ihnen 50 feste Plätze weggenommen und mehr als 900 Dörfer zerstört haben. Besonders wurde Judaa ganz und gar zu einer Wüste umgewandelt. Der Verlust der Römer und ihrer Bundesgenossen, obwot er bedeutend geringer war, war dennoch sehr bedeutend. Dio versichert, daß Hadrian, als er die Niederlage der Juden an den Senat schrieb, es nicht für angemessen gehalten zum Schluffe die in den Briefen der Kaiser gebräuchliche Formel hinzuzufügen: „Wenn ihr und eure Kinder euch wohl befindet, so freuen wir uns, auch wir und unsere Armee befinden uns wohl." Gewiß hat die Anwendung dieser Formel Anlaß zu Erörterungen geben können; aber die Bemerkung des Dio bestätigt doch nichtsdestoweniger, daß die Eceigniffe von außerordentlich bedenklicher Natur gewesen sein muffen. Nach dem Tode des Barcokebas wurden verschiedene Meinungen und Fabeln über seine Person verbreitet. Es gab bei den Juden wie unter allen Nationen eine Menge Männer, welche nur nach den Erfolgen urtheilten und die am Tage nach einem Unglücke nicht anstanden, derselben Macht zu trotzen, deren Lob sie vorher demüthig verkündet hatten. Als der Krieg des Barcokebas unglücklich geendet, gelang es geschmeioigen Doktoren zu entdecken, daß sein ursprünglicher bezeichnender Name nicht Sohn des Sternes, sondern Bac-Cosiba oder Sohn der Lüge gewesen. Alle Gefangenen des neuen Krieges wurden als Sklaven aus den Markten von Terebinth und Gaza verkauft; aber sie fanden nur wenig Käufer und zu geringen Preisen. Der Handel zeigte bei dieser Gelegenheit seine gewöhnliche Vorsicht und Klugheit. Die erste Eigenschaft eines Sklaven war seine Resignation, sein Gehorsam; die vielen Aufstände der Juden unter Trajan und Hadrian, die moralische Verzweiflung, deren Spuren auf ihrer Stirn zu lesen waren, die Verachtung der Strafen und des Todes gaben aber den Besiegten von Bitter als Waare nur einen untergeordneten Werth. Die erste Zerstörung Jerusalems durch die Heereshäufen von jenseits des Euphrat hatte den jüdischen Stamm im ganzen Orient bis zu den äußersten Grenzen Asiens hin verbreitet; die allgemeine Zerstreuung der Juden im Okzident datirt sich von dem Kriege Hadrians. Ehedem hatte Nebukadnezar besonders aus Jerusalem die Männer von den gebildetsten, gewerbreichsten Ständen ausgewählt, um sie nach Babylon zu verpflanzen; Hadrian, der spanischen Ursprungs war, soll, wie die alten Chroniken melden, eine ähnliche Auswahl getroffen und damit die Bevölkerung seines ersten Vaterlandes vermehrt haben. Daher würden also die spanischen Kolonien der Juden stammen, welche in dreifacher Beziehung, des Ackerbaues, der Gewerbe und geistiger Arbeiten vielen Glanz in Spanien bis zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts verbreiteten. Eine neue Aelia Capitolina wurde auf den Ruinen von Jerusalem wieder auferbaut. Die auf diese neue Kolonie sich beziehenden Münzen existiren noch in großer Anzahl. Man benutzte die Steine des jüdischen Tempels zur Erbauung eines Theaters. Oer Kaiser befahl, wie man sagt, auf eines der Thore der Stadt ein Schwein von Marmor zu setzen. Wenn Hadrian diesen Befehl gegeben, so konnte er unmöglich ein schneidenderes Epigramm gegen sich und gegen das Reich machen. Der Name und der Sieg Roms würden in Gestalt und in dem Triumphe des Schweines vorgestellt worden sein. Nun ist aber weltbekannt, daß aus Gesundheits- und national-ökonomischen Rücksichten, in Judaa mehrere Arten Thiere zum Nahrungsgebrauche verboten waren; aber mit der Zeit hatte das Verbot des Schweinefleisches das Uebergewicht über alle anderen behalten; das Gesundheitsintereffe war fast ganz verwischt, um nur einer moralischen und religiösen Bedeutung Raum zu lassen. Die Juden hatten sonach endlich das Schwein zum Symbol aller Unwürdigkeiten, aller Mißbrauche des Körpers und des Geistes gemacht, welche ihr Gesetzgeber von der Erde zu vertilgen beabsichtigt hatte. In ihrer Sprache hieß ein Schwein essen, das Schwein triumphiren lassen, soviel als im religiösen Style des Mittelalters der Triumph des Widersachers, im modernen Style die Gesetze der Freiheit, der Mäßigkeit, der Ehre in den Koth treten. Es kamen nun von Hadrian vielfältige Dekrete, um