Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1849)
- Date
- 1849-06-18
- Page
- Seite 344 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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341 bei den Juden das Gefühl des Vaterlandes gänzlich zu verwischen. Man erlaubte keinem Menschen ihres Stammes, sich Jerusalem zu nähern, ja sogar nach Judäa zurückzukehren. Unter welchem Vorwände auf Cypern ein Hebräer landete, wurde ihm der Tod zu Theil. Später gestattete man den Verbannten um Geld das Recht, einmal des Jahres auf den Ruinen ihrer Hauptstadt zu weinen. „Jedes Jahr an dem Tage, wo Jerusalem von den Römern genommen und zerstört wurde," sagt der heilige Hieronymus, der einen Theil seines Lebens in Palästina zubrachte, „steht man ein ganzes Volk in Trauer, von Kummer erschöpfte Weiber, Greise von Lumpen bedeckt, mit Jahren belastet herbeikommen . . . Aber wahrend ihnen die Thranen über die Wangen rinnen, wahrend sie die Arme ausstrecken, ihr Haar verstreut herabhangt, erscheint der fremde Soldat und verlangt Tribut von ihnen, wenn sie noch langer weinen wollen." Die jüdischen Kolonien des linken Ufers des Euphrat vermehrten sich durch die Ankunft einer großen Anzahl Flüchtlinge. In der Folge nahm dieses Judaa Mesopotamiens großen Antheil an den Kriegen der sassanidischen Perser gegen Rom. Erst im zehnten Jahrhundert unserer jetzigen Zeitrechnung wurde es verjagt und zerstreut durch die Verfolgung mehrerer Kalifen, allzustrenger Kinder Mohamed'e. Eine Menge orientalischer Juden strömten zu jener Zeit nach dem südlichen Europa. Die Häupter der am Euphrat und Tigris befindlichen Synagogen hatten den Titel bekommen: Fürsten der Gefangenschaft. Sie wurden wie die Fortsetzer des Hauses David betrachtet, wie die Bewahrer des Szepters von Juda. Die religiöse Autorität blieb mehr das Eigenthum der Häupter oder Patriarchen der Versammlung von Liberias. Diese Patriarchen gingen einer auf den andern folgend bis drei oder vier Jahrhunderte nach Hadrian in ununterbrochener Reihe fort. Aber der Fall der jüdischen Nationalität hatte besonders die Folge das Wachsen der jüdisch-christlichen Schulen zu beschleunigen. Ein Theil der Besiegten verlor die Hoffnung, auf Erden Frieden oder Zuflucht zu finden, die Hoffnung, jemals die natürliche Verwirklichung des Messianismus des Gesetzes zu erleben. Dies Gefühl verantaßte sie, sich mit den Christen des Glaubens Ln die ausschließliche Hoffnung eines zukünftigen Lebens zu werfen. Viele andere Ueberbteibsel von Judaa ergriffen mit Begierde in ihrer Verbrüderung mit den christlichen Gemeinden die Gelegenheit, die ihnen am Günstigsten schien, sich wenigstens an den Göttern und der alten Religion ihrer Feinde zu rachen. Der Kern der jüdischen Nation wich nicht von seinem Wege ab. Er nahm mit Sachkenntniß und ohne Rückhalt alle Arten von Leiden und Demüthigungen hin. Auf den Ewigen bauend, hatte die besiegte Schule stets den Gedanken gegenwärtig, daß nach den Jahren und Jahrhunderten ihrer furchtbaren Passionsgeschichte, ste unausbleiblich eine neue Aera Hereinbrechen sehen werde, eine Aera des neuen Gerichtes, der neuen Gerechtigkeit. Da der zweite Tempel von Jerusalem von den Okzidentalen zerstört worden ist, wie der erste von den Orientalen, so würde auf dem unzerstörbaren Fundamente des Gesetzes früher oder später ein neuer dritter Tempel aufzubauen sein, ein Altar des neuen Bundes, zu welchem die Völker mit verständigem, freiem Entschlusie beitragen. Während der Regierung der Nachfolger des Hadrian machte die jüdische Nationalität noch einige politische und kriegerische Bestrebungen. Jedoch hatten diese Versuche keinen ernsten Charakter. Von nun an reprasentlren die Vertheidiger der alten Stadt nur noch einen Keim der Zukunft, eine Kraft der Religion, des Gedankens, des Prinzipes. (Salvador.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1'/i Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Aufforderung. •KP“ Da Herr I. Behrcnd in Warin, der «ns ein Inserat zu zweimaliger Aufnahme in diese Zeitung einschickte und uns dabei autorisirte, den betreffenden Betrag durch Postvorschuß zu entnehmen, die Einlösung unsers Briefs verweigert hat, so fordern wir ihn hierdurch auf, die Jnsertionsgebühren nebst verursachtem Porto 25 */2 Ngr. ungesäumt portofrei an uns einzuschicken. Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.