Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1849)
- Date
- 1849-06-18
- Page
- Seite 342 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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342 wählte den größten Genera! jener Zeit. Beiläufig bemerkt, kann es wot kein bloßer Zufall sein, daß in allen Kriegen des Widerstandes gegen Rom die Juden stets die besten Feldherren sich gegenüber gestellt sahen. Erst war es Pompejus und Mark Anton, dann Vespasian. Titus wurde von seinem Vater mit den bewährtesten Kriegsleuten umgeben. Trajan bekämpfte in Person die Juden; er sandte gegen die von Egypten und von Mesopotamien den Martius Turbo und den Lusius Quietus, die beiden größten militärischen Berühmtheiten unter seiner Regierung. Jetzt ließ Hadrian aus Britannien den Julius Severus kommen und giebt ihm nach den gleichzeitigen Berichten seine besten Hauptleute zu Legaten. Der Feldzugsplan des Severus war genau derselbe, wie der des Martius Turbo in Egypten. Er richtete sich nach den Erinnerungen der vorsichtigen Taktik des Vespasian. Wenn in ihren Kriegen gegen den arabischen Reiter und selbst gegen die Parther die römischen Generale sich häufig darüber beklagen, daß sie den Feind nicht finden können und sich erschöpften, indem sie einen Schatten verfolgten, so wurde ihre Sprache in den jüdidischen Kriegen eine ganz andere. Julius Severus sah sich oft von dem Heere des Barcokebas selbst verfolgt; er suchte ihn zu vermeiden. Was uns von der Geschichte des Dio Cassius aufbewahrt ist, bezeichnet sehr genau die Art seiner Manövres. „Nirgends," heißt es daselbst, „wagte Julius, die Juden offen anzugreifen, denn der Feldherr kannte ihre Kraft und ihre Verzweiflung. Mit Hilfe seiner in viele Korps getheilten Truppen sucht er sie von einander abzuschneiden. Er bekämpfte sie stets theilweise und schnitt ihnen die Lebensmittel ab. Sobald man einen Platz genommen hatte, mußte Alles über die Klinge springen. Auf diese Weise dauerte der Krieg zwar viel langer, war aber bei Weiten nicht so gefährlich." In Bitter endete das große Epos des bedrängten, von den Römern in Besitz genommenen und zerstörten Jerusalem. Die talmudischen Traditionen, welche die Dauer der Belagerung dieser Stadt für die Dauer des ganzen Krieges nehmen, sagen, daß sie drei und ein halbes Jahr wahrte. Die Traditionen meinen auch, daß Hadrian dabei in Person zugegen war; aber diese Angabe wird in Zweifel gezogen, obwol Dio sie bestätigt. In Bitter, wie in Jerusalem, hatten die Belagerten alles Furchtbare des Hungers und Durstes zu ertragen. Barcokebas indesien ließ alle diejenigen tödten, welche von Ergeben sprachen. Akiba, der sich mit in Bitter befand, unterstützte mit seiner Energie die letzten Helden der Nationalität. Der Platz wurde mit Sturm genommen. Glücklicher als Simon, der Sohn des Joras, und als Johannes von Giscala, fiel Barcokebas mit dem Schwerte in der Hand. Man ergriff Akiba und mit ihm neun Doktoren, welche zu dem Vertheidigungsrathe gehört hatten. Es wurde Befehl gegeben, sie sofort hinzurichten. Akiba war bei der Märtyrerschast aller seiner Gefährten zugegen, er sollte als der Letzte den Tod erleiden*). Man zerriß ihn langsam mit Instrumenten, welche eiserne Zähne hatten. Wahrend seiner Qualen hörte der Greis nicht auf, die beiden Worte zu wiederholen, welche theologisch die ganze Religion der Juden, die Grundlage ihres Gesetzes und den beständigen Gegenstand ihrer Mission bilden: Jehova Echad; das Wesen ist Gott, das Wesen ist Einzig. Das Wort Echad besonders, das Einzig, schien noch lange um die Lippen Akiba's zu schweben, als schon kein Leben mehr in denselben war. Um die schrecklichen Mißgeschicke zu schildern, von denen ihr letzter nationaler Kampf begleitet war, konnten die Besiegten kein Bild, keine Uebertreibung finden, welche ihnen stark genug war. Nach ihren Traditionen verschwanden alle Bücher ihrer Gelehrten in Bitter bei einer Ungeheuern Feuersbrunst. Man zählte die Getödteten nach Millionen. Das Blut stoß stromweis in's Meer. Zwei Bäche wurden davon so angeschwellt, daß sie ganze Felsen mit sich fortriffen. Unter einem einzigen Steinblocke soll man die Schädel von 300 Kindern gefunden haben. Ja, der Kaiser Hadrian hatte sogar die Mauer eines Weinberges, drei Meilen lang und breit, von den Gebeinen der Erschlagenen errichten lassen. Der Kopf endlich des Barcokebas wurde dem Oberhaupre der Sie- *) Jedem sein Recht und seinen Ruhm. Im Herzen des Menschen ist die Hoffnung, seinen Namen auf die zukünftigen Geschlechter zu bringen, der Beweggrund der edelsten Handlungen, der höchsten Aufopferung. Folgende sind die Namen der mit Akiba gefangenen und Hingerichteten Personen: Jsmcwl, Sohn des Elisad; Simeon HI., Sohn Gamaliels ll.; Lakida; Anania, Sohn des Teradio; Eleasar, Sohn des Samua; Juda, Sohn des Dama; Jsbab der Schreiber; Hanima, Sohn des Akinai; Juda, Sohn des Babas. Die jüdischen Traditionen sagen dem Hadrian fälschlich nach, daß er eine Tochter gehabt, welche, als sie mehrere dieser Männer sterben sah, weinte, denn sie waren schön. (Man sehe die Klagelieder über den Tod der zehn Weisen, in den Gebeten der Fasten von Ab, Gedenktag der Zerstörung des Tempels.)