Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1849)
- Date
- 1849-06-18
- Page
- Seite 340 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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840 ausgesprochene tiefe Religiosität lieb und werth, überaus dm angeführten Gründen meine ich doch, daß wir uns für den musikalischen Theil des zeitgemäßen Gottesdienstes überwiegend an neuere Arbeiten zu hatten haben. Ich mag vielleicht in diesen eingesandten Zeilen manches Jrrthümliche ausgesprochen haben und bin daher jeder wohlmeinenden Belehrung gerne zugänglich; verkennen wird jedoch Niemand, daß auch meine Jrrthümer dem sehnlichen Wunsche entsprungen sind, den jüdischen Gottesdienst im deutschen Vaterlande gehoben und veredelt zu sehen. Der Gesang wird uns Viele wiedergewinnen, die durch veraltete Formen aus der Synagoge getrieben wurden, und den Zeloten, die ihr Geschrei dem harmonischen Gesänge nicht opfern wollen, rufen wir mit Uhland zu: „Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, Böse Menschen haben keine Lieder/' Gustav Enset, Lehrer und Kantor der israelitischen Gemeinde zu Varel, Großherzogthum Oldenburg. Auszüge. Szenen aus der Geschichte der Jude» kurz nach der Zerstörung Jerusalems. (Schluß.) Hadrian wandelte Jerusalem kn «ine römische Kolonie um. Nach dem Beispiele des Antiochus Epiphanes errichtete er allen Göttern des alten Heidenthums Tempel. Aber wozu es vorher noch nie gekommen war, der Name der Stadt David's sogar wurde abgeschaffr. In den Registern des Reichs und den öffentlichen Dokumenten ersetzte man den Namen Jerusalem durch Aelia Capitolina, zusammengesetzt aus dem Namen des Kaisers Aelius und dem Beisatz, welcher bestimmt war, den Triumph des Jupiter Capitolinus über den Gott Judaa's anzudeulen. Ein anderer Befehl ward erlassen, welcher nach Angabe der Geschichtschreiber jener Zeit für die Verlheidiger des jüdischen Prinzips die unmittelbare Ursache ihres letzten Auftretens mit den Waffen in der Hand wurde. Den Hebräern wurde es nicht mehr gestattet, ihren Söhnen die Beschneidung angedeihen zu lassen, weil sie besonders in nationaler Beziehung «in unvertilgbares Zeichen und Mittel zum Zusammenhalt war. Der Rath der Nation, Akiba an der Spitze, sahen, daß es sich abermals um Leben oder Tod handele. Man kann den eigentlichen Anfang des Krieges nicht fest bestimmen. Wie zur Zeit des Nero gingen vereinzelte Bestrebungen vieler Banden Aufrührer vorher, die sich in den Bergen festgesetzt hatten. Die allgemeine Bewegung geschah etwa im 17ten Jahre des Kaisers Hadrian, um 133 und 134 nach Ehr., 64 Jahre nach Titus Belagerung und nur 2V Jahre nach der Zeit, wo auf Cypern, in Egypten und Mesopotanien das Signal zum Aufruhr gegeben worden war. Der Name Bar-Cocab, Barcokebas oder Barcocebas, unter welchem der Führer dieses letzten Krieges glänzte, zeigt weder seinen persönlichen, noch den seiner Familie an. Es ist blos ein Titel von hoher Auszeichnung, ein jüdisches Synonym der Namen Befreier, Messias oder Christus. Diese beiden Worte wollen sagen Sohn des Sternes, eine Anspielung auf den in den Büchern Mosis erwähnten Stern: „Ein Stern wird aus Jakob hcrvorgehen und die Feinde desselben zerstreuen; Israel wird mulhig unter seiner Leitung kämpfen." Deshalb bezeichnen die Traditionen über die Zeit, von welcher wir sprechen, mehrere Personen nach einander mit dem Namen Barcokebas. Die ersten waren wahrscheinlich die großen Jnsurreklionsfühcer, welche unter Trajan sich auszeichneten und die von Dio und Eusebius Adrea und Lucua genannt werden. Akiba that in Bezug auf den neuen Barcokcbas wie Samuel und David. Er gab ihm das Schwert Gottes und der Nation, den Feldherrnstab in die Hände, ließ ihn mit Trompetenschall proklamiren und hielt ihm in Person den Steigbügel, als dieser Anführer sein Schlachtroß bestieg. Die Ereignisse beweisen, das Barcokebas mit hervorragenden Eigenschaften und seltener Kraft begabt war. Der Krieg, welchen er mit den Römern führte, und seine fast königliche Gewalt dauerte mehr als drei Jahre. Wenn die jüdische Hauptstadt auch einen großen Antheil an diesem Kriege nahm und einer neuen Zerstörung ausgesetzt wurde, so war sie doch nicht das militärische Zentrum der Bewegungen wie unter Titus. Eine andere Stadt hatte diese Ehre. Das Jerusalem, in welchem die jüdische politische Nationalität starb, nannte sich Bitter, Bethcr oder Betherra. Man hat heute große Mühe, seine Lage de-