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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-18 · Heft 25 (18.6.1849) · p. Seite 337

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 25 (18.6.1849)
Date
1849-06-18
Page
Seite 337 (sequence 9)
Language
German
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337 in dieser Rücksick, t erlaube ich mir einem hohen Ministerium die ergebene Bitte vorzutragen: den beregtcn Vorfall untersuchen und dem Herrn S. S. allhier aufgeben zu wollen, das friedliche Zusammenleben der Konfessionen durch unbegründete Angriffe ähnlicher Art nicht mehr zu trüben." Auf diese, den 27. Marz erfolgte Eingabe kam schon den 3. April ein Bescheid des Ministeriums, Laß die Beschwerde an das königl. Konsistorium zu Königsberg gesandt worden. Am 10. Mai erfolgte der Bescheid des Konsistoriums : „Das von dem königl. Ministerium rc. an uns abgegebene Gesuch Ew. Wohlgeboren vom 27. März d. I. hatten wir dem Herrn S. S. zur Erklärung vorgelegt. Nach dieser jetzt eingegangenen Erklärung hat der S. S., indem er bei Vollziehung einer Trauung das Wesen einer christlichen Ehe auseinandergesetzt, und dabei angeführt hat, inwiefern dieselbe höher stehe, als die jüdische und heidnische, durchaus Nichts gethan, wodurch er die Grenzen seiner amtlichen Befugnisse überschritten hatte, und was ihm zur Last gelegt werden könnte. Als christlicher Prediger hat derselbe nicht nur vermöge der Lehrfreiheit, so beschränkt man dieselbe auch immer auffasscn mag, das Recht, sondern sogar die Pflicht, die Vorzüge der Religion, welche zu lehren er berufen ist, vor den anderen Religionen in seinen Amtsvorträgen zur Sprache zu bringen."*) Oesterreichifcher Kaiserstaat. Prag, 1. Juni. Ein zweiter Jude, vr. Wolfgang Wessely, ist zur Kriminalpraxis in Prag zugelafsen. Er hatte bereits 1841 darum angesucht, ward aber abgewiesen. —. Unlängst ist es geschehen, daß eine Stadtbehörde einem Juden, welcher eine Liegenschaft erwerben wollte, die Erlaubniß hierzu verweigerte, so daß der Jude sich bis an die obersten Behörden wenden *) Man kann sich schwerlich über diese Aeußerung eines christlichen Konsistoriums über einen christlichen Prediger wundern. Wir haben nur zu bemerken, daß, da es ein strafrechtliches Gesetz ist, daß die Geistlichen einer Konfession die heiligen Akte der andern nicht heruntersetzen dürfen, in solchen Fällen, wo man etwas dergleichen üaltgcfunden glaubt, das eigentliche Forum — das Gericht, nicht das Konsistorium ist. Redakt. mußte, um in den Besitz seines Rechtes zu gelangen. Das Justizministerium erließ als Antwort auf diesen Rekurs ein Dekret, worin es sich ganz einfach auf den §. 1 der Grundrechte und §. 30 der Reichsverfassung berief, und alle Zweifel der Behörde als unbegründet zurückwies. Die Grundrechte müssen also erst durch das Justizministerium in jedem einzelnen Falle als geltend anerkannt werden. Ungarn. Pefth. Die Ungarn haben ihr Heer in 11 Armeekorps getheilt, deren jedes unter einem kommandirenden General steht. Einer von diesen kommandirenden Generälen ist ein ungarischer Jude aus St. Miskolz, Namens Dannenberg. Derselbe hat jüngst bei Trentschin ein glückliches Gefecht geliefert. Frankreich. Paris, im Juni. Der Redakteur der Archives israel. de Fr., Herr S. Cah en, hat die Ehrenlegion erhalten. — Die Wahlen in die gesetzgebende Versammlung, die vor einigen Tagen zusammengetreten, haben wieder drei Israeliten in dieselbe gesandt. Aber nur Cremieux, Mitglied der früheren Kammern und der konstituirenden Nationalversammlung, ist wieder erwählt. Goudcheaux und Fould sind durchgefallen. Hingegen ein Kaufmann Lopez Dubec istim Departement der Gironde, und Ennery, Direktor der israelitischen Gemeindeschule in Straßburg, im Departement des Niederrhcins gewählt worden. Man sieht, daß das allgemeine Stimmrecht wol in den Personen, aber nicht in der Zahl der Deputirten israelitischen Glaubens «ine Aenderung hervorgebracht hat. — Worms de Romilly, lange Zeit Präsident des Zentralkonsistoriums, ist gestorben. Er war einer der reichsten Männer Frankreichs, aber er hat kein einziges Legat für die Armen gemacht. (Beweis, daß man auch in Frankreich nur die Reichen immer noch zu Ehrenposten erwählt!) — Die Cholera fordert auch in der israelitischen Gemeinde in Paris zahlreiche Opfer. — Vor Kurzem geschah in Bona in Algerien folgendes Kuriosum: Am siebenten Ostertage erschien einer der reichsten Muselmänner in Bona, Sidi-Mohammed, in der Synagoge, und verlangte, da er in der Nacht vorher einen Traum gehabt, der ihm vor- 25*

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