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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-18 · Heft 25 (18.6.1849) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 25 (18.6.1849)
Date
1849-06-18
Page
Seite 331 (sequence 3)
Language
German
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381 Hohn gedeutet, und ich werde dann als Jude für die Arroganz zurecht gewiesen, über deutsche Angelegenheiten mitreden^zu wollen. Jude zu sein ist — zum TheilDank der bekannten Nächstenliebe der Christen von der Farbe der Volkshalle — ein unangenehmes Geschenk der Natur; ein privilegium ocliosum, welches von einer mißgünstigen Fee auch dem besten und edelsten Menschen bei der Geburt Ln's Leben mitgegeben werden kann. Es ist eine jener Eigenschaften, für die der Sterbliche Nichts kann. Ein honnetter Mensch pflegt solche Dinge, die einmal nicht zu ändern sind, seinem Nächsten nicht vorzuwerfen. Es gievt auch Dinge und Eigenschaften, welche man der „Volkshalle" vorzuwersen billig Anstand nimmt, weil sie Nichts dafür kann! Die rheinische Sancta Simplicitas hätte deshalb sehr Unrecht gehabt, mich anzugreifen, wenn ich auch wirklich ein Jude wäre! Ich bin aber kein Jude, und das weiß ein Theil der „Volkshalle" in specie der verantwortliche Herausgeber derselben sehr gut, wenn auch der betreffende Artikel all majorem Dei gioriam unbeanstandete Aufnahme gefunden hat. Ich gehöre nämlich einer katholischen Familie an, die über deutsche Angelegenheiten hat mitreden dürfen schon einige Jahrhunderte früher, als man an die „Rheinische Volkshalle" und ihren „Deutschen" (Michel) in Nr. 151 dachte. Mein Katholizismus ist aber freilich ein anderer als ein Solcher, welcher erlaubt, seinem Nächsten seine Religion vorzuwersen. Lev in Schücking." Ja, diese Erklärung enthält viel Bemerkenswerthes, was unsere Zeit charakterisirt. Solche, an sich Kleinigkeiten verrathen den wahren Charakter der Zeit oft mehr im'o wahrhafter, als hohe Reden und große Thaten. Merkt Euch, die „Neue Rheinische Zeitung" war das Bratt der radikalsten Demokratie, der rothesten Republik, und die „Rheinische Volkshalle" ist das Organ des katholischen Ultramontanismus — beide, also vollständige Gegensätze vereinigen sich in der Beschimpfung der Juden, in dem Judenhaffe, in der schamlosesten Insolenz S^gen die Juden. Nun, hieraus könnte das Judenthum seine Ehre ziehen, denn es erscheint also als Gegner der rochen Republik ebenso wie der katholischen Mucker. Bekanntlich haben die extremen Parteien immer den besten Instinkt für oder gegen das, was ihrer Sache feindlich ist. Zweitens aber bemerktdaß unter den Redaktoren der N. Rhein. Zeit, mehrere Juden waren, die also „gegen das eigene Fleisch und Bein wütheten" Nun, das ist nichts Neues. Wir sind nicht sicher, daß unter den Redaktoren der „Rheinischen Volkshalle" nicht auch etliche, dann getaufte Juden sitzen; wir erinnern nur an die Herren Zander, Joel Jacoby, Leo und Mehrere. Es kommt dann auf Eines hinaus, auf die uralte Erfahrung, daß Apostaten die ärgsten Feinde der Religion sind, von der sie abgefallen. Die Männer der rolhen Republik, die Juden sind, sind auch nichts anderes als Apostaten, ob sie nun getauft sind oder nicht. Bemerket drittens, daß diese guten Leutchen auf Nichts pochen, als daß ein Jude nicht das Recht habe, über das deutsche Vaterland mitzufprechen. Natürlich sprechen sie ihm dieses Recht nur dann ab, wenn er nicht so spricht, wie sie sprechen, denn im andern Falle würde er ihnen sehr willkommen sein. Glücklicherweise hangt es ebenso wenig von diesen guten Leutchen ab, dem Juden das Recht zu- oder abzusprechen, über sein Vaterland mitzureden, wie es von ihnen abhangt, ihm ein Vaterland zu geben oder zu nehmen. O ihr Thoren, das Vaterland giedt Gott, das Vaterland giebt die Geburt, das Vaterland giebt das Aufwachsen, Wohnen, Leben, Denken und Fühlen in ihm, das Vaterland ist über alle irdische Macht erhaben! Ihr könnt es ihm absprechen, er hat es doch! Ihr könnt ihn rechtlos machen in ihm, er hat es doch! Ihr könnt ihn — verbannen, ec hat es doch! Drüben, am Ufer eines fremden Meeres, in den Urwäldern eines fernen Welttheils, hat er es immer noch, sein Vaterland! Und wer ein Vaterland hat, der muß über dasselbe sprechen, für dasselbe handeln nach seiner besten Kraft — ihr, Schwächlinge, ihr, Sklaven der Leidenschaften, ihr könnt es ihm Alle nicht verwehren. Wir bemerken noch weiter. Also das ist der Erfolg der „großen" Zeit, daß das Judenthum gehalten und ausgesprochen wird für „ein unangenehmes Geschenk der Natur", für ein „privilegium odiosum", (gehässiges Vorrecht), für eine „Eigenschaft, für die man Nichts kann"...? Nun, das sagt Ihr. Ich aber, der sein Judenthum um keinen Preis hingeben möchte, ich sage: ein unangenehmes Geschenk der Natur ist Euer Judenhaß, ein privilegium odiosum, das Ihr besitzet, und um das ich Euch wahrlich nicht beneide, ist Euer Vorurtheil gegen die Juden, eine Eigenschaft, für die Ihr Nichts könnet, die aber zu ändern Ihr nicht einmal Kraft besitzet, ist Eure Verachtung eines ganzen Volksstammes, der unter Euch wohnet, der Euch gleichstehet an Bildung und Geist, vielleicht hie und da noch etwas mehr davon hat, als Ihr. O, Deutschland ist mein Vaterland, und wer

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