Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1849)
- Date
- 1849-06-18
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
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33V sie für den Unglauben, für diesen von der Unvernunft proklamirten Unglauben reif sind, diesem anh e L mfa l l en. Daran seid Ihr Schuld, Ihr Eltern, Ihr tragt die Verantwortlichkeit. Ihr, Orthoddxen, die Ihr Euere Kinder mit veralteten Formen füttertet, mit verlebtem Schnickschnack, wahrend Ihr zugleich denselben eine moderne Bildung geben ließet — und Ihr, Indifferenten, Gleichgiltigen, in deren Hausern nie ein Gebet gehört wird, von deren Lippen nie ein frommer Gedanke kommt, Ihr, Oberflächlichen, Nichts und Nichts wie Schachernden, welche das alte Heiligthum Juda's entweiheten, indem sie es in Staub und Moder verfallen ließen. Jetzt kommt die Strafe über Euch. Eure Jugend tragt keine Waffe in sich gegen den immer naher rückenden Unglauben, gegen die Verhöhnung Gottes, gegen die Lasierung der allein auf Gott gegründeten Tugend und Sittlichkeit, gegen die gteißnerische Brut, die mit dem Versprechen, mit dem heuchlerischen Versprechen von Freiheit und Wohlfahrt die Menschen um Himmel und Erde zugleich betrügen wollen. Wartet, Ihr nichtsseienden, nichtssagenden und nichtswirkenden Juden, Euch will ich noch Büßpredigten halten, daß Euch die Zahne klappern sollen — denn Ihr wäret berufen, verpflichtet, aber Ihr habet Euern Stolz darin gefunden, lose Gesellen zu sein; Ihr hattet das Rechte, und um deffentwillen die Pflicht, aber jenes erkanntet Ihr nicht, uno diese erfülltet Ihr nicht. Als es galt, zur rechten Zeit die Synagoge umzugestalten, zu veredeln, von ihrer Herrlichkeit den vergilbten Mantel, der sie für eine andere Zeit gedeckt, herabzunehmen — da war auf der einen Seite Starrsinn, Hartnäckigkeit, widerwärtige Opposition, die jeden Fetzen des zecriffenen Gewandes mitWuthfestbielt, Verfolgung — auf der andern Seite stand eine Ueberzahl der Gleichgiltigen, ohne Kraft und Saft, eine andere Zahl, die die Sache wie ein Stück Putz, wie eine schöne Weste oder Haube betrieben, aus der sie Anfangs einen Ungeheuern Lärm schlugen, bald aber, mit der schnell wechselnden Mode, sie wieder liegen ließen. Aber tief innerliches Bedürfniß, wahrhaft liebevolles Umfassen, Hegen und Pflegen empfanden Wenige für die Religion; es war nur ein Aeußerliches.... Jetzt harret die Strafe. Die Religion ist aus den Gemüthern der Jugend gänzlich geschwunden, nachdem sie in denen der Eltern nur noch in einem verlorenen Winkel verkümmerte; und nun ist kein Halt, kein Stütze, kein Fundament für alle gesellschaftliche Ordnung, für Sittlichkeit, Recht, Pflicht.... Wofür'ich aber hierbei noch bange, das ist, daß Unzählige sich vor diesem Unglauben, wenn seine Schrecknisse sich offenbaren, in die Arme des Pietismus, der Muckerei flüchten werden. Diese werden mit Fingern darauf weisen, seht Ihr, das kommt davon, wenn Ihr uns nicht folget, und da bekanntlich die Extreme sich berühren beim Menschen, so wird statt einer edeln Religiosität, statt eines warmen, aber vernünftigen Hangens an der Religion die verdunkelnde Macht des Abergtaubens über Zahllose ihre Schleier werfen.... Auf dem Papiere steht die Gleichstellung in Deutschland jetzt reichlich. Die Verfassung der deutschen Nationalversammlung, die preußische Verfassung vom 5. Dezember, die Reichsversaffung der drei Königreiche, die österreichische und anhalt-dessauische rc., selbst das baiersche Ministerium bringt einen Gesetzentwurf darüber. Wie steht es aber in den Herzen? Freilich sind hie und da Juden zu Abgeordneten, zu Klubsvorsitzenden rc. rc. gewählt worden. Es war im Rausche der Bewegung im vorigen Jahre. Alles dies beweist noch Nichts. In den deutschen Herzen will es noch immer nicht tagen, und die Presse ist jetzt unverschämt genug, um allem Schund, das noch in den Herzen sitzt, zum Ausdruck und zur Ablagerung zu dienen. Jüngst siet mir in der Köln. Zeitung eine Erklärung in die Hände, die aus dem Jahre 1849 doch nicht übersehen werden darf. Sie lautet: „Ein leider in der schönsten Blüte untergegangenes Organ des Anstandes und guter Sitte, die „Neue Rheinische Zeitung", soll in nicht ermüdender Wiederholung mich ihren Lesern als Juden bezeichnet haben. Ich habe Nichts dagegen zu erinnern gehabt, weil es mir unaussprechlich gleichgiltig war, ob das geehrte Publikum der „Neuen Rheinischen Zeitung" mich für einen Christen, Juden oder Türken hielt. Da das zahlreiche Redaktionspersonat der „N. Rhein. Ztg." zudem zum Theit selbst aus Juden bestand, so bot ein solches Wüthen des verstummten „Organs der Demokratie" gegen das eigene Fleisch und Bein ja nur ein erheiterndes Schauspiel dar. Jetzt aber hat sich ein anderes, allhier ein bescheidenes Dasein führendes Blatt, genannt „Rheinische Volkshalle", über den sehr reinlichen Nachlaß jener edeln Verblichenen hergemacht und sich daraus derselben niederschmetternden Waffe wider mich bemächtigt. In einem „Eingesandt" überschriebenen Artikel in Nr. 151 der „Rh. Volkshalle" wird mit einem großen Aufwande von Scharfsinn ein aus meiner Feder herrührender Aufsatz total mißverstanden, ein Ausbruch des tiefsten und gerechtesten Schmerzes über die Lage des Vaterlandes als kalter bübischer