Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1849)
- Date
- 1849-06-11
- Page
- Seite 326 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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328 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung geboren worden, und bei Hadrian's Thronbesteigung 100 Jahre alt gewesen. Akiba's Vater hieß Joseph. Seine Genealogie laßt ihn von gemischtem Blute abstammen. Man ließ die väterliche Linie Akiba's mit einem Male 14 Jahrhunderte hinauf reichen. Ohne daß wir die Gründe dazu kennen, wählte man ihm als ersten Ahnherrn den General eines fremden erobernden Heeres, jenen Sisera, welcher zur Zeit der Richter den Hebräern so viel Unheil bereitet, und der, nachher vollständig aufs Haupt geschlagen, unter einem ungastlichen Dache von der Hand eines Weibes elend umkam. Trotz dem angeblichen Alter seiner väterlichen Ahnen, gehörte Akiba bei seiner Geburt doch zu den am Wenigsten vom Glücke begünstigten Klassen seines Volkes. Die talmudischen Legenden schildern sehr gern ihre berühmten Männer im Kampfe mit einer unglücklichen Lage und mit der Armuth. In früherer Zeit war Hillel I., welcher eines der Orakel des Gesetzes und Haupt des Raths der Juden wurde, bis zu seinem 40. Jahre so arm geblieben, daß es ihm unmöglich gewesen war, dem Thürhüter der Akademie, in welcher die beiden damals berühmtesten Doktoren lehrten, jemals ein kleines Trinkgeld zu geben. Akiba reiste weit umher, ermuthigte die Herzen der verstreuten Kinder Juda's, organisirte sie und bewaffnete sie mit dem Schwerte. Seine Seele trieb ihn an, nochmals zu versuchen, ob es nicht möglich sein solle, den Umstrickungen Rom's zu entgehen und zugleich Freiheit, Reichthum und Ruhm der gefangenen, in Lumpen gehüllten, entehrten Jungfrau Jerusalem wieder zu geben. In der Legendenerzählung, welche ich mittheilen werde, ist augenscheinlich die geheime Ehe des Akiba, die Selbstverleugnung und Geduld seiner Gattin, bloß ein Glekchniß für Jerusalem, für das Vaterland, welches einen Vertheidiger sucht. Die von Akiba besuchten Schulen bedeuten seine Reisen, die große Anzahl der Schüler, welche ihm felgten, alle Krieger, alle Führer der Milizen, welche unter dem Befehle des Barcokebas, seines bedeutendsten Schülers, kurze Zeit darauf zeigten, in wie hohem Grade sie eine ganz andere Waffe zu schwingen wußten, als den friedlichen Griffel eines Schreibers. Nach der Tradition wurde Akiba in seiner Jugend Schäfer. Er hütete die Heerden des Calba Rhebua, eines der reichsten Einwohner von Jerusalem. Die Tochter des Rhebua wurde von seiner Bescheidenheit und seinem Geradstnne so gerührt, daß sie den Vorschlag machte ihn zu heirathen, aber unter der Bedingung, daß er gleich fortreise, um seinen Geist auf Schuten auszubilden und dort sich Schüler zu erwerben. Akiba ging mit Freuden diese Verpflichtung ein. Seine Herrath wurde hinter dem Rücken des Calba Rhebua geschloffen, und der neue Gatte ging, nachdem er die Hirtenkteider abgelegt, auf die Reise. Sobald der Vater des jungen Mädchens das Geschehene erfahren, vertrieb er die Tochter aus seinem Hause und schwur einen fürchterlichen Eid, der bald darauf für ihn eine Quelle von Schmerzen wurde, ihr niemals irgend einen Beistand zu leisten. Zwölf Jahre verflossen, nach welchen Akiba von 12,000 Schülern begleitet zurückkehrte. Als er der Wohnung seiner Gattin sich näherte, klang die Stimme eines Greises an sein Ohr, welche rief: „Unsinnige, die Du bist! Wie lange willst Du Wittwe bleiben und denjenigen vergeblich erwarten, dem Du Dich verlobt hast?" Zu gleicher Zeit hörte Akiba sein Weib selbst deutlich dem Greise antworten: „Wenn mein Gatte nach meinem Witten thut, so bleibt ec noch zwölf Jahre aus und besucht Schulen." Sogleich kehrte der ehemalige Hirt wieder um, und begann aufs Neue seine Arbeiten. Abermals nach zwölf Jahren kam er in Begleitung von 24,000 Schülern. Nun kam sein Weib, welche davon Kunde bekommen, ihm entgegen. Sie war mit Lumpen bedeckt; ihre Nachbarinnen, die Mitleid mit ihrem Zustande hatten, machten ihr den Vorschlag, sich von dieser und jener Kleider geben zu lassen, um ihre Bloßen zu bedecken. Die Tochter Rhebua's weigerte sich aber. Sobald ihr Gatte erschien, warf sie sich auf die Erde und umfaßte seine Knie. Die Schüler Akiba's, welche nicht wußten, wer sie war, wollten wegen ihres elenden Aufzuges sie zurückstoßen, aber der Meister rief aus: „Was wollt Ihr thun? Sie ist es, der wir alle unsere Wissenschaft verdanken." Bei der ersten Wiedererbauung Jerusalems sahen wir, wie die Juden in der einen Hand den Degen hielten, um die Angriffe der benachbarten Völker abzuwehren, und in der andern die nöthigen Werkzeuge, um ihre Wälle wieder zu bauen. Mit einigen Veränderungen giebt dieses Bild auch den doppelten Charakter des Akiba und des Raths von Liberias wieder. Mit der einen Hand hielten sie unter dem Mantel das Schwert, welches, bevor es von den Römern ganz zerbrochen wurde, noch einmal furchbarer als jemals geschwungen werden sollte; mit der andern bauten auch sie auf. Aber die neuen Walle waren feindlichen Legionen und Belage-