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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-11 · Heft 24 (11.6.1849) · p. Seite 325

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 24 (11.6.1849)
Date
1849-06-11
Page
Seite 325 (sequence 13)
Language
German
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325 Grausamkeit des Kaisers ließen keine Klasse von Einwohnern des weiten Kaiserreichs verschont. Die Zahl der Hinrichtungen wurde so groß in Rom, daß man darauf verzichtete, noch Register über die Verurtheilungen zu führen. Täglich wurden die Köpfe der Opfer als Trophäen um die Rednerbühne her aufgesteckt. Tacitus erzählt als Augenzeuge, daß das Meer sich mit Verbannten bedeckte, und die Felsen, auf welche man sie aussetzte, wurden mit ihrem Blute benetzt. Diese allgemeine Verfolgung überlieferte die Juden besonders der kaiserlichen Wuth. Das Elend ihrer Lage wird durch Jugenderinnerungen des Geschichtschreibers Sueton, zum Theil auch durch Stellen in Juvenal's Satyren und Martial's Epigrammen dargethan. „Domitian, der sich zu jener Zeit durch Verschwendungen erschöpft hatte, sagt Sueton, sann auf nichts Anderes, als auf alle mögliche Weise die Tobten wie die Lebendigen zu plündern. Es genügte einen Ankläger zu haben, so war man auch schuldig befunden; das geringste Wort, die unbedeutendste Handlung wurde als Majestätsbeleidigung ausgelegt. Man konsiszirte Erbschaften, sobald nur eine einzige Person den Verstorbenen erklären gehört haben wollte, daß der Cäsar sein Erbe wäre. Die Juden hatten die bösesten Maßregeln des Fiskus zu erdulden. Man verfolgte ebensowol diejenigen, welche als in Rom lebend ohne die öffentliche Erklärung als Juden abgegeben zu haben, denunzirt wurden, wie die, welche ihren Ursprung verbargen, in Hoffnung, dem ihrer Nation auferlegten Tribute sich entziehen zu können." „Während ich noch ein Kind war, fügt der Historiker hinzu, erinnere ich mich, einen kaiserlichen Prokurator gesehen zu haben, der im Beisein vieler Leute einen Greis von 90 Jahren untersuchen ließ, ob er beschnitten sei." Die dritte Satyre des Juvenal schildert das abscheuliche Elend, in welches die Zerstörung ihres Vaterlandes, der Verlust ihrer Güter, die Entmuthigung der Verbannung und die kaiserlichen Gewaltthaten den größten Theil der schon lange in Rom lebenden und erst dahin geflüchteten Juden versetzt hatten, in folgender Weise: „Seht den Ort, wo Numa mit der Nymphe, seiner Freundin, nächtlich sich unterhielt; jetzt sind der Wald und die Tempel der heiligen Quelle an Juden verpachtet, die als ganzen Hausrath einen Korb zum Holzlesen und ein wenig Heu zum Lager haben. Jeder Baum zahlt einen Tribut an dies Volk. Die Musen sind geflohen und der ganze Wald scheint zu betteln." (Salvador.) Unter der Herrschaft des Trajan hatte der Aufstand von Judäa und seiner vielen Kolonien die Stadt Liberias zum eigentlichen Mittelpunkt des leitenden Gedankens. Unter Hadrian wurde dieselbe Stadt der Heerd, von welchem das Signal zum letzten Kriege ausging, und Ln demselben starb Jerusalem und die Nationalität den politischen Tod. Der Name von Liberias ist von der Geschichte lange in Vergessenheit gelassen worden, und doch könnte man schwer viele Städte finden, in welchen imposantere Auftritte sich begeben haben. Bevor es sich auf einen Letzten Kampf auf Tod und Leben mit einer Macht einlaßt, welche die ganze Welt unterjocht hatte, sehen wir ein ganzes Volk mit kaltem Blute in Liberias seine nationalen und religiösen Angelegenheiten ordnen und alle Vorbereitungen machen, welche nöthig waren, um seinen bevorstehenden Untergang moralisch zu überleben (der Talmud). Die Versammlung von Lehrern, welche seit dem Siege des Titus in Liberias sich festgesetzt hatte, übernahm die Funktionen eines leitenden Rathes, eines Sanhedrin der Nation. Die edle Gestalt des Rabbi Akiba dominirte in dieser Versammlung. Der Name Akiba faßt die thä- (ige Geisteskraft in sich, welcher alle auf einander folgenden Führer der Insurrektion zu jener Zeit als ausführende Werkzeuge dienten. Die schrecklichen Qualen, zu welchen die Römer diesen Mann, als sie gesiegt hatten, verurtheilten, hat ihn zu einem der berühmtesten Märtyrer der Nationalität gemacht. Es war zu gleicher Zeit der lebendige Uebergang der Periode des kriegerischen und politischen Widerstandes von Jerusalem zu der Periode des nur religiösen. Die Traditionen haben alle möglichen Formen der Bewunderung und des Enthusiasmus Ln Bezug auf Akiba erschöpft. Er ist mit Moses verglichen worden. Akiba arbeitete allerdings sein ganzes Leben lang daran, die Nation von der Knechtschaft der Römer zu befreien, welche in vieler Hinsicht nicht minder schwer war, als das Joch Egyptens. Wie Moses war Akiba Gesetzgeber. Man erkannte ihn als den -Gründer der Kabala an, deren tiefe Dunkelheit der Sprache damals einen praktischen, wesentlichen Nutzen hatte, den ich bald erläutern werde. Um dem Vergleiche mit Moses noch mehr Gewicht zu geben, hat man dem Akiba 120 Lebensjahre zugeschrieben. Wenn man die traditionelle Uebertreibung als richtig anerkennen wollte, wäre Akiba um das 17. Jahr

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