Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1849)
- Date
- 1849-06-11
- Page
- Seite 322 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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srs Zeit, wo man im Hinblicke auf die politischen Ereignisse von einer solchen Zusammenkunft mit Göthe sagen möchte: „die Erscheinung ist so riesengroß, daß ich mich recht als Zwerg empfinden sollte", so ließ sich doch unser Konferenzpräsident, der Oberrabbme Herr Bodenheimer, von dem Gedanken leiten, daß einerseits die statutengemäße regelmäßige Wiederkehr der Konferenz keine Unterbrechung erleiden dürfe, anderseits aber es für die jüdischen Lehrer gerade jetzt an der Zeit sein möchte, ihre Wünsche und Vorschläge in Betreff der Organisimng des jüdischen Schulwesens der höchsten Behörde mitzutheilen, damit diese bei der spätern Berathung der organischen Schulgesetze auf dieselben Rücksicht nehme. Bodenheimer, das wird uns Zeder bezeugen müssen, hat seit seiner Amtsführung in unserm Sprengel mit rastlosem Eifer und unermüdeter Thatigkeit an der Hebung des jüdischen Schulwesens und der Verbesserung der Stellung ihrer Lehrer gearbeitet, und scheint er von der Ueberzeugung durchdrungen zu sein, daß eben durch zeitgemäße Religions- und Elementarschulen eine Generation herangebildet wird, die das Bedürfniß nach Reformen fühlt. Die Konferenz fand, wie gesagt, statt; es durfte aber aus den oben angegebenen Gründen eine zahlreiche Versammlung nicht erwartet werden. Die erste Sitzung war Mittwoch Morgens neun Uhr. Der Oberrabbine eröffnete dieselbe gewohnterweise mit einer Rede, die sich durch ihre Gediegenheit den früheren bei dieser Gelegenheit gehaltenen würdig an die Seite stellt. Wir bedauern, daß der Raum nicht gestattet, sie hier wörtlich mitzutheilen; können es uns aber doch nicht versagen, Einiges aus derselben hervorzuheben. Der Redner entwarf ein Bild von der mißlichen Lage der Lehrer, beklagte namentlich das Prekäre ihrer Stellung, die hohe Bedeutung der Religions- und Elementarschulen wurde von vielen Gemeinden noch nicht genug erkannt, das Verdienst der Lehrer nicht genug gewürdigt, und hierin stände die Gegenwart hinter der Vergangenheit weit zurück. In den ältesten Zeiten, fuhr der Redner fort, genossen die Schuten einer hohen Achtung und man sorgte für ihre Hebung und Besserstellung. So war es nach Baba Batra der berühmte Josua ben Gamla, welcher für das Schulwesen in allen Beziehungen sehr thatig wirkte, denn früher brachten die Eltern ihre Kinder zum Unterrichte nach Jerusalem — rmn N£n ynttTa *0 — spater errichtete man Kreisschulen, in welche aber die Kinder unentgeldlich in frühester Jugend gehen konnten, weshalb genannter Gelehrte die Einrichtung traf, in jedem einzelnen Orte Lehrer anzustellen. Ebenso sorgte nach Baba Mezia Rabbi für die weitere wissenschaftliche Fortbildung des Enkels des berühmten Simeon ben Jochoi, und freute sich spater durch die Aehnlichkeit der Stimmen, in ihm den Sohn des Elieser ben Simeon erkannt zu haben. Es wurde unter Anderm noch auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die den jüdischen Schulen durch die von vielen Seiten beantragte Errichtung von allgemeinen Volksschulen drohe und zuletzt in ergreifenden Worten die Versammlung zur Ausdauer und zum Vertrauen auf den endlichen Sieg der guten Sache ermahnt. Nachdem auf den Antrag Liffgens von hier Herr Bodenheimer durch Akklamation wiederum zum Präsidenten gewählt worden, wurde Herr Anspacher von hier wieder zum Sekretär gewählt. Der Präsident stellte nun folgende drei Fragen zur Debatte: 1) Soll eine Denkschrift verfaßt, 2) Soll dieselbe schon jetzt eingesandt, 3) Was soll in dieselbe ausgenommen werden? Ueber Frage 1 und 2 wurde zuerst die Diskussion eröffnet. Herr Kramer, Lehrer in Viersen, ist für Abfassung einer Denkschrift, aber dagegen, dieselbe jetzt einzusenden, weil die Schulgesetze für den Augenblick noch nicht zur Berathung kämen, und eine Denkschrift also unberücksichtigt bleiben könnte. Nach Erlaß der organischen Schulgesetze könnte eine Solche die in diesen enthaltenen Mangel besser darlegen. Herr Pollitz, Lehrer in Zons, erklärt sich mit dem Präs, einverstanden und bejaht die erste und zweite Frage, weil gegenwärtig der Augenblick sei, wo Etwas geschehen müsse, damit das Ministerium aus unseren Rath- und Vorschlägen ersehen könne, was das Schulgesetz zu enthalten und in Ausführung zu bringen habe. In gleichem Sinne sprachen sich auch Liffgens und Anspachec aus. Goldstein bejahte die erste, verneinte aber die zweite Frage und bittet den Präs., von Neuem eine Konferenz auszuschreiben, um durch eine größere Betheiligung der Denkschrift mehr Nachdruck und Gewicht beizulegen. Präs, erwiderte, daß es ungeweß sei, ob durch nochmaliges Ausschreiben einer Konferenz eine zahlreichere Versammlung sich einfinden werde. Die Debatte wurde hierauf für geschloffen erklärt. Bei der Abstimmung erklärte sich die Majorität für Abfassung und sofortige Einsendung einer Denkschrift. Nachdem das Protokoll vom Präs, und Sekretär vollzogen war, wurde die Sitzung geschlossen und die nächste auf Nachmittag 24/2 Uhr anberaumt.