Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1849)
- Date
- 1849-06-11
- Page
- Seite 321 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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321 die Entwickelung, die Freiheit, sie wollen geistige Knechte sein, um ihr Mittagsbrod in Ruhe und Trägheit genießen zu können; sie sehen nicht ein, was der Mensch ohne den Gegensatz, ohne den Zweifel wäre — ein unentwickeltes Thier!) Bis zu welchem Wahnsinn steigert sich aber der Unsinn, wenn der Sozialist ausruft: „Jetzt bist du endlich entthront und zerbrochen. Dein Name, so lange das letzte Wort des Gelehrten, die Sanktion des Richters, die Macht des Fürsten, die Hoffnung des Armen, die Zuflucht des reuigen Verbrechers, dieser unmittheilbare Name, zukünftig der Verachtung geweiht, wird unter den Menschen ausgezischt werden. Denn Gotk, das ist di« Dummheit und Niedrigkeit, Gott ist die Heuchelei und Lüge, Gott ist der Tyrann und das Elend, Gott, das ist das Uebel!... So lange die Menschheit sich vor einem Altäre beugen wird, wird die Menschheit, Sklavin der Könige und Priester, zurückgestoßen sein; so lange ein Mensch im Namen Gottes den Schwur eines andern Menschen empfangen wird, wird die Gesellschaft auf den Meineid gegründet sein; der Friede und die Liebe werden verbannt sein unter den Sterblichen. Gott, zieh dich zurück! denn, von jetzt an, geheilt von der Furcht vor dir, und weise geworden, schwöre ich, die Hand gegen den Himmel erhoben, daß du nur der Henker meiner Vernunft, das Gespenst meines Gewissens bist...." Ist dies nicht Alles, wie wenn ein Fetischanbeter den Stein, den er sich zum Gott gewählt, schlägt, weil ihm ein Wunsch nicht erfüllt worden, und sich einen andern Stein zum Gotte wählt? Das ist kein Denken, kein Fühlen, es sind die tollen Ausbrüche eines verbrannten Gehirns, des Herrn— Proudh on. Er versteht es besser als Gott, er will eine neue Welt schaffen, darinnen alle Menschen, um gleichmäßig zu essen, aller Freiheit entsagen, und sich zu einexerzirten und einkasernirten Soldaten der materiellsten Arbeit machen. Und weil Gott eine solche Proudhon'sche Welt nicht geschaffen, weil er dem Menschen Freiheit und Entwickelung gegeben, weil er ihn außer zum Thicre auch noch zum geistigen Wesen gemacht hat, so dekretirt Proudhon „Gott ist das Uebel", denn Gott ist nicht Proudhon! Hören wir ihn weiter. „Die erste Pflicht des intelligenten Menschen ist, sofort die Idee von Gott aus seinem Geiste und Gewissen zu jagen. Denn Gott ist wesentlich feindlich unserer Natur, und wir erhalten Nichts von seiner Autorität. Wir gelangen zur Wissenschaft trotz ihm, zum Wohlbefinden trotz ihm, zur Gesellschaft trotz ihm: jeder unserer Fortschritte ist ein Sieg, in welchem wir die Gottheit vernichten. Man sage nicht mehr: die Wege Gottes sind undurchdringlich! Wir haben diese Wege durchdrungen, und wir haben da die Beweise der Ohnmacht, wenn nicht des bösen Willens Gottes gelesen. Meine, lang gedemüthigte Vernunft erhebt sich nach und nach zum Unendlichen, mit der Zeit wird sie Alles entdecken, was ihre Unerfahrenheit ihr entzieht; mit der Zeit werde ich immer weniger Künstler des Unglücks sein, und durch die Einsicht, die ich erlangen werde, werde ich mich reinigen, mein Wesen idealisiren, ich werde der Herr der Schöpfung, Gott gleich werden." (Es kommt ihm auf einen Widerspruch mehr nicht an; oben hat er gesagt, er kann Gott nicht gleich werden, darum soll man nicht sagen: sei heilig, denn Gott ist heilig. Worte, Worte, mein Französlein, weiter Nichts, klingende Redensarten, du verstehst dein Volk, denn weiter willst du ja Nichts, als es ausbeuten!) Ich könnte Ihnen diese Beweise der modernen französischen Ausgeburten noch stark vermehren, allein diese genügen wol, um den Abscheu, den Ekel aller Vernünftigen zu erregen. Da ist Voltaire ein Kind, da ist Robespierre, der das Dasein Gottes dekretirte, ein Unschuldiger dagegen. Und das sind die Männer, welche die Gesellschaft regeneriren wollen! Genug, ich habe meinen Landsleuten eine Warnung vor der französischen Weisheit zurusen wollen, ich brauche Nichts mehr hinzuzufügen. Korrespondenz. Lehrerkouferenz zu Krefeld. Krefeld, 31. Mai. Die Konferenz der israelitischen Lehrer des Konststorialsprengels Krefeld fand auch am 3. Mai d. I. wieder statt. Wenn es auch Anfangs Bedenken erregen mußte in einer Zeit, wie die jetzige, wo es sich für ganze Staaten um das verhängnißvolie „Sein oder Nichtsein" handelt, israelitische Lehrer zusammentreten zu lassen, um über Schulwesen zu beratheni in einer so sturmbewegten 24*