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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-11 · Heft 24 (11.6.1849) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 24 (11.6.1849)
Date
1849-06-11
Page
Seite 320 (sequence 8)
Language
German
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32« mit Macht sich erhebenden Heidcnthume entgegenzutreten. Es geht hiermit ebenso wie mit dem Zeremonialgcsetz. Da das Letztere allzudrückende Forderungen stellte, hat sich das jüngere Geschlecht desselben gänzlich entschlagen. Weil die Lehre der Kirchen zu kraß bei den mittelalterlichen Dogmen geblieben, und dem philosophischen Geiste zu wenig Geltung eingeraumt hatte, glaubt man eine Heldenthat zu thun, sich der ganzen Gottcslchre zu entheben und über sie hohnlächelnd hinwegzugehcn. Auf diesem Felde zeigt sich nun abermals der wesentliche Unterschied zwischen dem Franzosen und Deutschen. Während die Letzteren sich philosophische Gebäude errichten, in diesen den A- und Pantheismus systematisch begründen und zusammensetzen, und aus ihnen allmälig eine Kunde, eine Ahnung in den gebildetem Theil des Publikums dringt, der aber dennoch jene sich nur wie im Geheimen zuflüstert: tritt in Frankreich die Gottlosigkeit, die Gottcsleugnung keck hervor, behauptet ihre Lüge mit frechen Redensarten, macht sich zur Fahne einer ganzen Partei, die jene sich nun zum Glaubensartikel erhebt, und rafft aus der Wirklichkeit oberflächlich die Erscheinungen zusammen, die ihm einen Schein zu geben vermögen. Der Deutsche hüllt sich bei seinem Unglauben in den Mystizismus der Wissenschaft, der Franzose wirft jede Hülle ab, und zeigt sich nackt und blos, das Jedermann ihn schaue. Bei dem Franzosen kann es daher leicht kommen, daß er morgen in das gerade Gegentheil umschlägt, weil er für seine heutigen Behauptungen gar keine Begründung hat: während der Deutsche sich in seinen Prinzipien scstrennt, und sich an ihre Starrheit klammert. In Frankreich ist es insonders die Partei der Sozialisten, welche die Gottcsleugnung zu ihrem Glaubenssatz macht, und mit einer unerhörten Frechheit sie predigt. Indem sie an die Stelle des Staates die Kirche, an die Stelle der Religion Gott selbst setzen, gelingt es ihnen alle Uebel, welche die Menschen auf Gottes Erdboden vollführt haben, durch diese vierfache Eskamotage Gott in die Schuhe zu schieben, der, nun ja, der die Menschen nicht als Engel geschaffen und schaffen wollte, weil sie dann eben keine Menschen wären. Um Deutschland zu zeigen, wie weit die Franzosen diesen Unsinn, die Frechheit und Lästerung treiben, um dadurch frühzeitig in Deutschland vor diesem Gifte zu warnen, übersetze ich Ihnen hier einige Stellen, wie sie täglich in den sozialistischen Blättern und noch arger zu lesen sind. Der „Peuple" überschreibt sein Glaubensbekenntniß mit den Worten: Dien c’est Je mal „Gott ist das Uebel'" Er sagt: „Ein einziger Augenblick von Unordnung, weichender Allmächtige hätte verhindern können und den er nicht verhindert hat, klagt seine Vorsehung an und stellt seine Weisheit als mangelhaft hin;" (welche armselige Begriffsverwirrung! Dann hätte Gott den Menschen ohne Freiheit des Willens, als ein Tbier schaffen müssen! Sollte der Mensch Freiheit des Willens besitzen, so mußte er auch frei allen seinen Leidenschaften folgen können —) „der geringste Fortschritt, den der unwissende, ermüdete und verrathcne Mensch zum Guten macht, ehrt ihn unendlich. Mit welchem Recht wird Gott noch zu mir sagen können: „Sei heilig, weil ich heilig bin!" Lügenhafter Geist, würde ich ihm antworten, schwacher Gott, dein Reich ist zu Ende: suche unter den Thieren andere Opfer. Ich weiß, daß ich weder bin, noch jemals werden kann heilig, und wie kannst du es sein, du, wenn ich dir ähnlich bin?" (Erbärmliche Deklamation! Sagt nicht die Schrift „werde heilig", strebe nach Heiligkeit, und kann nicht der Mensch sich wirklich vervollkommnen? Und wer verlangt vom Menschen, daß er ganz heilig, ganz vollkommen sei? Und wenn der Mensch Gott ähnlich geschaffen ist in der Grundlage seines geistigen Wesens, ist er darum Gott gleich? —) „Ewiger Väter, Jupiter oder Jehova, wir haben dich kennen gelernt; du bist, du warst, du wirst auf immer eifersüchtig auf Adam, der Tyrann des Prometheus sein." „Ich rufe dir zu: warum täuscht du mich? warum hast du durch dein Stillschweigen in mir den Egoismus entfesselt?" (Freilich in solchen Gesellen schweigt Gott, denn sie legen dem Gewissen Schweigen auf—) „warum hast du mich der Qual des Zweifels unterworfen, durch die bittere Täuschung der gegensätzlichen Ideen, die du mir in's Innere gelegt? Zweifel an die Wahrheit, Zweifel an die Gerechtigkeit, Zweifel an mein Gewissen und an meine Freiheit, Zweifel an dich selbst, o Gott, und als Folge dieses Zweifels Nothwendigkeit des Krieges mit mir selbst und mit meinem Nächsten!" (Man sieht, auf welchen schwachen Rasonnements und auf welchen Ueberspanntheiten alle diese Tiraden beruhen. Die Herren verlangen, daß Gott ihnen die Wahrheit angeboren sein lasse, sie verschmähen den Zweifel, den Kampf, das Streben,

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