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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-11 · Heft 24 (11.6.1849) · p. Seite 314

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 24 (11.6.1849)
Date
1849-06-11
Page
Seite 314 (sequence 2)
Language
German
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314 können als Israel? Wir müssen nur die Geschichte unsers Stammes, unserer Religion tüchtig jstudiren. Mhemals, in den Letzten JahchundMey,. W MmA - nm'T-rmen hatte und keine Geschichte., weil des in ihm ffiiü stand, da studirte es nur seine Formen, und die gekehrtesten Israeliten, die ausgezeichnetsten Rabbinen wußten Juchts von seiner Geschichte. Jetzt, wo es die Formen weniger in Betracht zieht, aber wieder eine Geschichte hat: da gilt es insbesondere, oaß es sich seiner Geschichte bewußt werde. Wie früher jeder Jude Talmud lernte, so muß er jetzt Geschichte des Judenthums lernen, wie früher Jeder, der nicht ganz Amhaarez war, Talmudmensch war, so muß ec jetzt Geschichtsmensch sein. Ich rufe insonders Euch, Lehrer, dies zu. Israel hat solche Zeiten, wie die zivilisirte Menschheit jetzt um sich und vor sich hat, schon mehrfach durchgemacht, war in ihnen stets ein nicht unwichtiger Faktor, und hat sie bestanden. Gleiches muß wieder geschehen. Wenn ich sage „solche Zeiten", so versteht es sich, daß hier nur gewisse Momente ähnlich sind, die Jetztzeit an sich ganz andern Inhalts ist, wie die früheren Sturmperioden der Menschheit. Als die innerastatische Welt nach dem Westen sich ergoß, und den Westen zu überwältigen suchte, in den Assyrern, Chaldäern, Persern — man weiß, es handelt sich bei solchen Völkerzügen nicht etwa blos um die äußere Herrschaft der Völker, sondern um die Herrschaft des in ihnen waltenden Wesens — da war Israel ein nicht unbedeutender Faktor des Kampfes; die Chaldäer überwanden Jerusalem; aber genügend vorher hatten die Propheten in Israel das Element vorbereitet, daß Israel den Fall seines Reiches und die Verbannung zu überstehen vermochte. Der Prophetismus erhob seine Energie zu der Zeit, wo die Assyrer Jerusalem naher rückten, durchdrang seinen Widerstand gegen Assyrer und Chaldäer, begleitete Israel nach Babel, war dort thätig (Ezechiel, Daniel, der zweite Jesaias), und erlosch erst, als die Zinnen des Tempels von Neuem den Gipfel des Morija krönten. Als die westliche Welt nach dem Osten sich ergoß, und das römische, d. h. das europäische Wesen sich Asien unterwerfen wollte, da war Israel ein bedeutender Faktor des Kampfes, der auch nach der Zerstörung Jerusalems seinen Arm wiederholt gegen Rom erhob, den Geist des Widerstandes in Asien immer wieder belebte. Vorher und während die-ses Kampfes hatte der Talmudismus sich schon so weit entwickelt (Mischna), daß er die Juden in ihre Zerstreuung begleiten konnte, um sie trotz der vielen Kampfe und Niederlagen zu erhalten. Mach wenigen Jahrhunderten entstand -eine neue Sturmzeit: die germanische Welt ergoß sich über Europa und überwältigte die alte Kultur, um aus ihren Trümmern eine neue Entwickelung zu beginnen. Diesmal war Israel kein Waffenträger; aber es war einer der großen Faktoren, welche die Kultur des Alterthums nicht untergehen ließ, sondern sie aufbewahrte für die Zeit, wo die Sieger aus ihrer Geistesrohher't heraustreten und eine neue Blüte des Geistes entfalten würden. Darum mußte es bestehen, und für diesen Bestand war es durch die größere Entwickelung des Talmudismus (Gemara) und seinen Fortgang in den Rabbinismus ausgerüstet. Dasselbe ergab sich, als auch die asiatische Welt durch die tapferen Söhne der arabischen Wüste überschwemm: ward, und der Islam sein siegreiches Banner vom Ganges bis zum Ebro aufpflanzte. Nun, daß die Menschheit in unserer Gegenwart einen neuen Kampf übernommen hat, wer sieht es nicht? Ec hat sich angesponnen seit 60 Jahren, er hat seine Sturm: zeiten wie Pausen und Uebergange; aber immer mehr Elemente reißt er in seinen Strudel hinein; immer starker treten seine Momente hervor, immer gewaltigere Prinzipien machen sich in ihm Bahn und bewaffnen die Menschen. Allerdings ist es diesmal nicht ein Kampf eines Völkerschwarmes gegen den andern, es ist ein innerer Kampf der Völker, der sich aus ihrem eigenen Schooße erhebt und innerhalb desselben sich durchsicht; es ist ein gesellschaftlicher Prinzipienkampf. Aber desto größer sind die Leidenschaften, desto gewaltiger die Aeußerungen derselben, und wenn die Menschheit einen solchen Weg geht, so ist sie nicht allzufecn von Demoralisation, Auflösung, Rohheit und thierischer Wildheit auf allen Seiten. Solcher Kampf bleibt aber auch nicht bei den Prinzipien der Aeußerlichkeit stehen. Wie er ein Kampf gegen das Bestehende, ein Kampf zur Umkehr aller bisherigen gesellschaftlichen Verhältnisse ist, so greift ec auch bald nach innen hinein, und steht seine Entscheidung in dem Umsturz auch aller bisher gegoltenen religiösen und moralischen Lehren und Grundsätze. Der Jrrthum ist leicht. Wer mit den bisherigen Verhältnissen unzufrieden ist, wer die ganze Entwickelung der Menschheit für falsch ansieht, der sieht die Motive dieser Entwickelung in allen ihren geistigen Momenten für trüglich an, und glaubt nur durch die Entfernung, die Vernichtung derselben den Sieg zu erlangen. Ob dadurch alle Stützen aller Kultur

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