Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1849)
- Date
- 1849-06-04
- Page
- Seite 306 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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306 iroffene, sicher die Züge des Verklärten wkedergebende, und auch als Lithographie recht werthvolle, sehr gut ausgeführte. Kommt dazu, daß der Banquier Mendelssohn die Abnahme der Lithographie vom Originalgemälde zum Besten eines erblindeten Mädchens gestattete, dessen Lebcnssicherung durch den Verkauf bewirkt werden soll. Der Preis und die Bezugsquelle wird wol in diesen Blattern angezeigt werden. A u s z u g e. Aus d'Zsraeli s Tankred. (Schluß.) Gespräch zwischen einer Jüdin und einem Lord. „Bitte, sagt mir, gehört Ihr zu den Franken, welche eine Jüdin anbett n, oder zu den Anderen, welche sie schmähen, ihre Statuen zerschlagen und ihre Bildnisse lästern?" „Ich verehre die Mutter Gottes, obschon ich sie nicht anbete," sagte Tankred mit Bewegung. „Ah, die Mutter Jesu!" sagte seine Gefährtin, „der ist Euer Gott. Er lebte viel in diesem Dorfe. Er war ein großer Mann, aber ec war ein Jude und Ihr betet ihn an." „Und betet Ihr ihn nicht auch an?" sagte Tankred, indem er mit forschendem Blicke und erröthender Wange, zu ihr aufblickte. „Manchmal scheint es mir, als ob ich sollte," sagte die Dame, „denn ich gehöre zu seinem Volke und Jeder soll zu seinem Volke halten." „Ihr seid also eine Hebräerin?" „Ich bin von demselben Blute, wie Maria, die Ihr verehrt, aber nicht anbeten wollt." „Ihr bemerktet eben jetzt," sagte Tankred nach einer augenblicklichen Pause, „daß es zuweilen schiene, als ob Ihr meinen Herrn und Meister anerkennen solltet. Er vollbrachte viele Bekehrungen in Bethanien und fand hier einige seiner besten Jünger. Ich wollte, Ihr hättet die Geschichte seines Lebens gelesen." „Ich habe sie gelesen. Der englische Bischof hier hat mir das Buch gegeben. Es ist ein gutes Buch, und wie ich bemerke, durchaus von Juden geschrieben. Ich finde darin viele Dinge, mit denen ich einverstanden bin, und wenn es einige giebt, über welche ich anderer Meinung bin, so liegt der Grund vielleicht darin, daß ich sie nicht verstehe." //Ihr seid schon eine halbe Christin!" sagte Tankred mit Wärme. „Aber das Christenthum, welches ich aus Euerm Buche ziehe, stimmt nicht mit dem Christenthum überein, welches Ihr übt," sagte die Dame, „und ich fürchte daher, es könne ein ketzerisches sein." „Die christliche Kirche würde Euch führen." „Welche?" fragte die Dame; „es giebt deren so viele in Jerusalem. Da ist der gute Bischof, der mir dieses Buch schenkte, und der selbst ein Hebräer ist — er ist eine Kirche; da ist die lateinische Kirche, welche von einem Hebräer gegründet ward; da ist die armenische Kirche, welche einer morgenländischen Nation angehört, die gleich den Hebräern ihr Vaterland verlassen und sich in alle Himmelstriche zerstreut hat; da ist die abyssmische Kirche, die uns in großen Ehren halt und viele unserer Zeremonieen und Gebrauche übt, und dann giebt es noch die griechische, die maronitische, und die koptische Kirche, die uns nicht günstig sind, aber uns doch nicht so gröblich behandeln, als sich untereinander selbst. In dieser Verlegenheit möchte es wol weise gehandelt sein, in dem Bereiche einer Kirche zu bleiben, die alter ist, als diese alle — der Kirche, in der Jesus geboren ward, und die er niemals verließ, denn er war als Jude geboren, lebte als Jude und starb als Jude, wie es einem Fürsten aus dem Hause David geziemte, als welchen Ihr ihn anerkennt und anerkennen müßt. Eure geheiligten Genealogieen *) beweisen die Thatsache, und wenn Ihr dieselbe nicht begründen könntet, so müßte das ganze Gebäude Eures Glaubens in Trümmern Zusammenstürzen." „Wenn ich kein Vertrauen zu irgend einer Kirche hätte," sagte Tankred sehr erregt, „so würde ich vor Gott niederfallen und ihn bitten, mich zu erleuchten, und," fügte er in noch aufgeregterem Tone hinzu, „ich kann nicht glauben, daß in diesem Lande ein Ruf an den Srtz der Barmherzigkeit vergebens geschehen würde." „Aber der menschliche Witz muß erschöpft sein, ehe wir uns erdreisten, göttliche Vermittelung anzurusen," sagte die Dame. „Ich bemerke, daß Jesus ebenso gern Fragen that, als Wunder verrichtete, ein forschender Geist pflegt Geheimnisse zu lösen. Laßt mich Euch fragen — glaubt Ihr, daß der gegenwärtige Zustand meines Volkes ein zur Strafe auferlegter und wunderbarer ist?" *) Ein sehr schwacher Beweis!