Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1849)
- Date
- 1849-06-04
- Page
- Seite 304 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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304 tim wieder zur Schulbank zurückkehrt, mit denselben Büchern, demselben, nur einstweilen abgelegten Schulriemen — sondern die Rückkehr zu ihr wird keine andere sein, als daß man zur Religion die ganze Erfahrung, die ganze Richtung bringt, welche man in der jüngsten Vergangenheit gemacht. Die Religion wird, will sie das neu erwachte Interesse auf die Dauer fesseln, sich der Politik und Sozialistik nähern und diese durchdringen müssen. Es soll eben die Religion nicht jene abstrakte, von aller menschlichen Wirklichkeit ferne, diese von sich weisend, und dafür im blauen Aether der Jdealistik schwimmend sein, zu der sie der Absolutismus — das Christenthum schon der römische Absolutismus, das Judcnthum, so lang es sich auch dagegen wehrte, der moderne Absolutismus — gemacht. Vielmehr muß die Religion suchen, die Politik und das gesellschaftliche Wesen in sich aufzunehmen, und sie nach ihrer Weise zu bearbeiten und zu durchquicken. Auf diese Weise allein ist ja auch das Heil für die Zukunft abzusehen, nachdem die nur politischen Formen und das sozialistische Gespinnst sich so schnell abgenutzt und in ihrer Hohlheit erwiesen haben. Die Religion muß aufhörcn eine Religion der bloßen Individualität zu sein, und eine Religion der Gesellschaft werden! Dies war sie von Beginn an, dazu war sie im Mosaismus bestimmt, dies sprechen auch die Propheten aus, eine Solche muß sie werden. Hamburg, 29. Mai. (Privatmitth.) Sie erinnern sich, daß bei Gründung von Armenwohnungen darauf gesehen werden sollte, daß den Armen das Armengeld, welches sie bisher empfangen, nicht deshalb entzogen werden sollte, weil sie jetzt freie Wohnung erhalten. Die Kommission wandte sich deshalb an die Armenkommission, erhielt aber eine abschlägliche Antwort. Es muß solches Benehmen um so mehr befremden, da oft der Fall eintreten könnte, daß eine Familie trotz des Armengeldes nur sehr kümmerlich sich durchhilft, und durch freie Wohnung ganz glücklich werden könnte. Da außerdem auch der Arme wöchentlich seinen Schilling beitragen soll, ist es eine Ungerechtigkeit, denn nicht der Staat, und nicht die Reichen allein schaffen diese freien Wohnungen, sondern die Armen tragen ihr Theil dazu bei. Augenscheinlich ist es, daß man das Ganze nicht gern sieht, vielleicht weil es von Juden ausgeht, vielleicht weil man für die Schillingssammlung zum Bau der Nikolaikirche, die wöchentlich mehr als 999 Mark einträgt, fürchtet. Senator Hudtwalker ist demnach kein Protektor der freien Wohnungen. Ueber die Besetzung der Rabbinerstelle verlautet noch Nichts. Man wird auch jetzt nicht daran denken, da unsere Gemeindeeinrichtung jedenfalls eine Veränderung erleiden wird. Es ist nicht wahr, daß vr. Frankfurter sich um diese Stelle beworben und sich dabei auf seine frühere Stellung als Rabbiner berufen hat. Man wird jedenfalls einen sehr frommen und tüchtigen Gelehrten wählen, der immer nach den jüdischen Vorschriften gelebt. Wie alt aber unsere Gemeinde ist, haben die Reden bewiesen, die am Grabe des Verstorbenen gehalten wurden: man begreift es kaum, daß Hamburg noch so weit zurück ist. Wer hier Etwas schaffen will, muß ein tüchtiger Mann sein: er wird auf viele Hindernisse stoßen, denn der Boden ist schwer zu bearbeiten. 6. M. Ungarn. Debreezin, 20. Mai. L. Toth kündigt einen Gesetzvorschlag an über die gänzliche Emanzipation der Juden. (Endlich! Bekanntlich hat der vorjährige ungarische Reichstag die Gleichstellung in tliesi angenommen, ihre praktische Ausführung jedoch verschoben! Würden jetzt die ungarischen Juden emanzipirt, so hatten sie sich die Gleichstellung erkämpft; das ist auch Etwas werth.) Großbritanien. London, 18. Mai. In der heutigen Unterhaussitzung ging die Eidesbill durch das Konnte, und Lord John Ruffel kündigte an, daß er die dritte Lesung am 11. Juni Vorschlägen werde. Dänemark. Altona, 18. Mai. Die jetzt vom deutschen Heere bombardirte Festung Fridericia in Jütland hat seit 1682 das Vorrecht, daß in derselben allen Religionsparteien die freie Ausübung ihres Kultus gestattet ist. In derselben befindet sich auch eine Synagoge, die wol jetzt ein Raub der Flammen geworden sein mag. —