Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1849)
- Date
- 1849-06-04
- Page
- Seite 303 (sequence 7)
- Language
- German
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303 sche ihres Charakters würde widerstehende Empfindungen rechtfertigen. Vor Allem ist es der grause Fluch, der durch das Uebermaaß nicht allein die Glaubensmacht in das Unangenehme wirst, sondern auch die Weiblichkeit im höchsten Grade verletzt. Hier ist der augenblicklichen, nur oberflächlichen Wirkung zu viel nachgegeben, wir möchten sagen aufgebürdet. Dagegen sind nicht nur einzelne Szenen von trefflicher Wirkung, sondern auch in der Charakteristik, bei der begreiflich durch den Stoff nicht Weniges von den frommen Seiten hinzugethan ist, findet sich viel Tüchtiges. „Lorenz", „der Pfarrer" und „Abraham" werden zu vorragenden Beweisen des Gelungenen, und im minder Eigenthümlichen reihen sich noch „Hanna" und mehrere Nebengestalten, entgehen sie freilich zuweilen nicht der Seltsamkeit, dem Rühmlichen an. Die Sprache, sind wir auch nicht immer mit ihren Bildern und Gleichnissen einverstanden, hat ebenfalls viel Schönes, was die verschiedenartige Personengestaltung glücklich unterstützt. Wir heißen also Herrn Mosenthal auf der Bühne freudig willkommen und hoffen von seinem Talent für die Zukunft noch Bedeutenderes." So weit die Rezension. Die Debora h soll von der Frau Thomas vorzüglich gegeben sein, und daß überhaupt das Ganze gut ausgenommen worden, erweist ein Sonnet, das in hiesigen Bl. stand, und so lautet: D e b o r a h. An Frau Thoma». Der Beifall, der Dir rauschend zugemeffen, Er flog vorbei, selbst an des Dichters Haupt — Wenn wir ihn über seinem Werk vergeffen. So hast Du unwillkürlich ihn beraubt. Du darfst mit ihm um seinen Lorbeer streiten, Es war kein Spiel, was uns Dein Genius bot — Es war «in Silberton aus David's Saiten, Ein Strahl aus Aion's Morgenroth! Und hätte auch dies Bild nur für Minuten Die Nebel dieser Gegenwart zerstreut — Es hob errettend sich aus ihren Fluchen, Ein Tempelbild in einer Heidenzeit. El. S —r. —. Vor einiger Zeit fand hier eine Prüfung der, von Dr. Sachs geleiteten Religionsschule statt. Dieselbe siel aber so überaus schlecht aus, daß die Schule sich bald darauf auflöste. Herr Dr. Sachs hat freilich wenig Zeit sich mit der religiösen Bildung der Jugend, die in unserer Zeit freilich besonders Noth thuk, zu beschäftigen, er muß selbst zu fleißig „lernen". Da nun auch das Seminar aufgelöst ist, so sieht man, welch Glück die hiesige Gemeinde mit ihren Bildungsanstalten für ihr vieles Geld hat. Berlin, 30. Mai. (Privatmitth.) Im vorigen Jahre war Nichts gewöhnlicher, als den Ausspruch zu hören: cs ist aus mit dem religiösen Interesse, ja, es ist nicht allein für immer vorbei, sondern man erkennt es jetzt auch für das was es eigentlich war, das Vorspiel der politischen und sozialen Bewegung; es galt nicht die Religion, es galt eben nur Opposition. Letzteres mag von anderen Konfessionen wahr sein, und die deutsch-katholische und protestantischlichtfreundliche Bewegung zumeist Nichts als Opposition gewesen sein — Grund genug dazu hatte sie — aber von der jüdischen Reformbewegung kann dies durchaus nicht behauptet werden. Wie diese überhaupt eine ältere war, und ihre Anknüpfungspunkte, wenn wir nicht auf Mendelssohn zurückgehen wollen, doch schon im westphälischen Konsistorium (1810) hatte, so stand sie der Politik völlig fern, und hatte nirgends einen oppositionellen Charakter gegen eine politische Instanz. Aber auch der erste Theil jener Behauptung ist nicht wahr, und wir glauben noch nicht als Prophet zu sprechen, wenn wir meinen, daß sehr bald das religiöse Interesse wieder lebendig werden wird. Der Mensch ist einmal geneigt, was ihm plötzlich und in Sturm geboten wird, bis'auf den Grund schnell zu leeren, dann aber sich ebenso schnell wieder davon abzuwenden, und voll Ueberdrusses froh zu sein, wenn er zu etwas Anderm flüchten kann. Daher bei Vielen schon jetzt ein recht lebhafter Drang, aus der Politik und ihren Widerwärtigkeiten in die Arme der religiösen Erkenntniß zu flüchten, und so Etwas bereit zu wissen, was, unabhängig und selbstständig, ihn doch noch befriedigen kann, wenn er dort ermüdet ist. Aber auch abgesehen von diesen mehr Zufälligkeiten, ist die Grundstimmung Deutschlands zu religiös, und ist das Judenthum zu sehr Nichts als Religion, als daß hier je die Religion, das Streben um sie, aufgegeben werden könnte. Jedcnnoch kann die Rückkehr zu ihr nicht eine Solche sein, wie etwa ein Schüler nach den Fe-