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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-06-04 · Heft 23 (4.6.1849) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 23 (4.6.1849)
Date
1849-06-04
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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302 eintreten werde, wer könnte dies in der Gegenwart vorauswissen? Dr. Ludwig Philippson. Berlin, 29. Mai. (Privatmitth.) Die Reformgenossenschaft hat einen Protest erlassen gegen das Zirkulär der Gemeindeältesten (s. No. 22), und zwar insonders dagegen, daß daß Zirkulär sich auf ein Ministerialreskript stützt, während nach der Konstitution die jüdischen Gemeinden völlig selbstständig sein sollen, welches Recht niemals aus Händen gegeben werden dürfe. — Jndeß scheinen die Aeltesten davon keine Notiz zu nehmen, wie folgende Bekanntmachung erweist. „Nachdem das den Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde im Entwurf mitgetheilt gewesene Regulativ für die Wahl von Repräsentanten am 20. d. M. durch Gemeindebeschluß angenommen worden ist, wird die in Gemäßheit §. 5 dieses Regulativs angesertigte Liste, enthaltend die zur Wahl der Repräsentanten berechtigten Mitglieder, in der Registratur der Gemeinde, Rosenstraße No. 2 — am 29., 30. und 31. d. M., in den Vormittagsstunden von 10 bis 1 Uhr zur Einsicht ausliegen, damit in diesen Terminen etwaige Bemerkungen oder Einwendungen zu Protokoll angemeldet werden können. Berlin, den 23. Mai 1849. Die Aeltesten und Vorsteher der jüdischen Gemeinde." —. Der bevorstehenden Einsegnung einer jüdischen Mischehe sind unerwartete Schwierigkeiten entgegengetreten, denn dem jüdischen Prediger Holdheim, der die Einsegnung übernommen hatte, ist von offiziöser Seite mitgetheilt worden, daß er den religiösen Akt nicht eher vornehmen dürfe, als bis die Zivilehe vollzogen sei. Diese kann nun aber nicht vollzogen werden, weil für Mischehen Zivilstandsregistcr, welche vom Ministerium anzuordnen sind, noch nicht existiren. —. Am 25. wurde hier zum ersten Male ein dramatisches Werk im königlichen Theater aufgeführt, welches die Gleichstellung der Juden zum Gegenstände hat. Da wir es noch nicht selbst gesehen, heben wir aus einer in der Boss. Zeit, erschienenen Kritik Folgendes hervor. „Deborah, Volksschauspiel in vier Auszügen, von S. H. Mosenthal." Der Verfasser hat bereits als Liederdichter ein sinniges Talent dargelegt, wovon er auch Zeugniß giebt in diesen dramatischen Szenen, welche hinsichtlich ihres Urgrundes auf Gleichstellung der Juden im Verbände des Staats und der Gesellschaft einwirken sollen. Der Ort der Handlung ist ein Dorf in Steyermark, die Zeit das Jahr 1780. Kurz zuvor war Joseph II. — dem am Schluß der zu besprechenden Bühnenneuigkeit eine Verherrlichung gewidmet ist — Besitzer des Kaiserthrons geworden; er regierte mit den edelsten Gedanken und Vorsätzen, scheiterte aber in Allem, weil ihm zur Anerkennung der Nothwendigkeit, große Umwälzungen allmälig vorzubereiten, sie nicht plötzlich eintreten zu lassen, die Erfahrung fehlte." „Wenn wir als Boden des genannten Volksschauspiels die Zustände Oesterreichs zu betrachten haben, so dürfen wir sagen, daß der Verfasser dort selbst in Bezug auf die neuere Zeit sichtlicher im Recht ist, als bei uns, seinerHeimath nähersteht als den norddeutschen Ländern, namentlich Preußen, wo die Gleichstellung der Juden im Menschenrecht seit lange schon gefordert wurde." „Gewiß nun — um dem Werke des Herrn Mosenthal wieder näher zu kommen — muß es Pflicht sein, ihn von seinem Boden aus zu beurtheilen, und wir können ihm dann Vieles als lobwürdig und im Allgemeinen sein Bestreben als werthvoll gelten lassen, wobei freilich zuweilen lange Abhandlungen nöthig wären, um den wahrhaften Punkt an's wahre Licht zu fördern. Daneben aber, gehen wir auch gern schon wegen der Benennung „Volksschauspiel" von der Strenge zur Milde über, müssen wir doch bemerken, daß dem Ganzen zuviel vom Gepräge des Romans und seiner verzweigten Nebensächlichkeiten anhaftet. Die Zusammenfassung zum Drama ist auch nicht in einer nur bedingten Vollendung vorhanden, Manches nur Stückwerk, wobei wir selbst die fünf Jahre, die zwischen dem dritten und vierten Aufzuge vergangen sind, dem „Volksschauspiel" noch als Vorrecht zugestehen. Wir haben mehr eine Reihe von Genrebildern, das dramatische Band ist mindestens ein sehr loses. Außerdem wünschten wir, der Verfasser hätte die in aller Flamme unbegrenzte Liebe der „Deborah" nicht für einen so zerfahrenen und nichtigen Gesellen, wie dieser „Joseph" ist, verwendet, wodurch dann zugleich das hier Gegensätzliche, das Christenthum, sehr übel berathen wäre, müßten wir nicht gradhin eine Ausgleichung darin finden, daß „Rüben" eher das Christenals Judenthum geistig verficht. Anderntheils und in anderer Weise ist das Letztere durch „Deborah" ebenfalls nicht besonders liebenswürdig, ja das Dämoni-

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