Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1849)
- Date
- 1849-06-04
- Page
- Seite 301 (sequence 5)
- Language
- German
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BOI genommen werden, indem die zweite Klasse bereits eingegangen und selbst das Bestehen der ersten auch sehr zweifelhaft ist. Da es also nicht möglich ist, sich in Preußen zum jüdischen Lehrer auszubilden, so haben mehre junge Leute, die sich diesem Berufe als einem der würdigsten und edelsten widmen wollen, den Entschluß gefaßt, sich nach einem außerhalb Preußens befindlichen jüdischen Seminar zu begeben. — Es ergeht deshalb an Sie, geehrtester Herr Doktor, in der Voraussetzung, daß Sie sich gewiß für die allgemeine Volksbildung im Judenlhume interessiren, die ergebenste Bitte, in einer der nächsten Nummern Ihres weit verbreiteten, viel gelesenen Blattes über die übrigen jüdischen Seminarien Deutschlands gefälligst Aufschluß geben zu wollen, namentlich ob überhaupt und unter welchen Bedingungen Auswärtige in eines derselben ausgenommen werden können. Im Vertrauen aus Ihre überall bekannte Menschenfreundlichkeit, so wie auf den so regen, längst anerkannten Eifer, womit Sie sich stets für Aufklärung und Fortschritt im Judenthum hingebcn, glauben die Bethciligtcn keine Fehlbitte gethan zu haben, und sehen in einer der nächsten Nummern der Zeitung des Judenthums der Erfüllung ihrer ebenso ergebenen als dringenden Bitte entgegen. Bemerkung der Redaktion. Die gesch. Einsender irren doch, wenn sie glauben, daß in Preußen nur ein jüdisches Seminar bis jetzt existirte, das in Berlin. Vielmehr ist die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Münster unter der Direktion des Professors Haindorf allgemein bekannt, und hat für Westphalen und Rheinlande schon viele tüchtige Lehrer (130) geliefert. Die Anstalt wird durch freiwillige Beiträge aus den beiden Provinzen erhalten, und wissen wir daher nicht, welche die Bedingungen sind bei Aufnahme von jungen Männern, die nicht aus diesen Provinzen. Die gedachten Herren können sich aber dreist an Professor Haindorf wenden, an diesen Ehrenmann, der für die Bildung der Juden in seinen ausgedehnten Kreisen mehr Opfer an Kraft und Geld gebracht, als sich irgend Einer rühmen kann. Außer Preußen har bis zum vorigen Jahre in ganz Deutschland kein jüdisches Seminar existirt — mit Ausnahme eines sehr mangelhaften zn Dessau — bis im vorigen Jahre eines zu Hannover und eines in Langenschwalbach in Nassau heroortrat. Ueber das Erstere, das am 7. November vor. I. eröffnet ward, finden Sie in der Allg. Zeit, des Jud. No. 45 Bericht; es können in denselben vorläufig nur 12 ausgenommen werden. Das Projekt zu dem andern in Langenschwalbach finden Sie in No. 16 vor. I., und ich bin nicht gewiß, ob cs wirklich bereits in's Leben getreten. Sie hatten sich da an den Bezirksrabbiner D,°. H ochstedter zn wenden. Auswärtige Zöglinge hätten freilich da — Alles zu bezahlen. Dies sind die Nachweisungen, die wir den Herren zu geben. Ihr zuckt bie Achsel, Jünglinge? Aber was habt Ihr denn für einen andern Trost erwartet? Seitdem die Juden aufgeklärt worden sind, haben sie für die jüdische Schule kein Interesse mehr. Sie halten sie für überflüssig, wie sie es in praxi doch immer noch nicht ist, und wol niemals werden wird. Unsere Vorfahren haben für s. g. „Klausen" sehr viel thun können; die jetzt in den „Klausen" sitzen, haben nur die Faulheit ihrer Vorgänger geerbt; und die jetzigen Juden haben keinen Sinn für jüdische Lehranstalten. Ich habe dem oft mit blutendem Herzen zugcsehen, und machte viele schöne Entwürfe — aber die Vorsehung hat mir keinen Wirkungskreis für die Ausführung dergleichen angewiesen. Meine Gemeinde besitzt keine Mittel dazu, die Provinz Sachsen ist überhaupt, bei der Spärlichkeit der Juden in ihr, nicht geeignet dazu, und bis jetzt hat der Staat keinen Anhalt dazu gegeben. Jndeß kann dem doch in nicht allzulangcr Zeit abgeholfen werden. Sie werden es wahrscheinlich wissen, daß der Projekt der, vom Ministerium berufenen Seminarlehrerkouferenz auch für jüdische Seminare je nach Bedürfniß der Provinz gestimmt hat, und würden mindesteirs zwei für Preußen daraus hervorgehen. Allerdings haben sich sehr viele Stimmen gegen Konfessionsseminare erhoben, und verlangen, daß die Lehrerbildungsanstalten Simultanschulen seien. Kaum glaube ich, daß dem von der jetzigen Regierung Genüge geschehen wird; allein wenn dies geschieht, so bleibt um so mehr die Nothwcndigkeit, neben dem Simultanseminar eine Anstalt zu errichten, wo der jüdische Seminarist im gesammten Religionswesen des Judenthums als Religionslehrer und gebildeter Vorsänger seine Ausbildung erhalte. Schreiber dieses hat es sich zum festen Vorsatze gemacht, sobald erst wesentliche Schritte in der Umgestaltung der Staatsanstalten geschehen, dem Gegenstände seine Thätigkeit zu widmen. Allein wann dieser Zeitpunkt