Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1849)
- Date
- 1849-06-04
- Page
- Seite 300 (sequence 4)
- Language
- German
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300 haben nur dadurch einen Halt, daß wir den äußern Schein, mit dem die Frevler prunken, fest halten, und in ihm das Glück, das wahre Glück finden, während es doch anders ist, wahrend sie unter dem Glanz ihres Vermögens, ihrer Macht, ihres Wohlbefindens verbergen den Wurm, der innen nagt, den Sturm, der innen tobt; 2) und diese Zweifel entstehen nun aus unlauterm Neide in uns auf diesen äußern Schein, während wir doch glücklich sein sollten mit dem Bewußtsein in unsrer Brust, und zufrieden mit dem Theit, der uns beschkeden; 3) und diese Zweifel, sie haben nur Kraft, weil wir den Augenblick, den Tag, die kurze Gegenwart beachten; so wir aber auf tarnen«, aus ihre Folge schauen, einen größern Zeitraum erblicken, da sehen wir: wie sind die vor Kurzem Mächtigen Ln Staub gefallen, die vor Kurzem Hochgeehrten geschändet, die vor Kurzem Reichen verarmet, die vor Kurzem Starken ohnmächtig geworden! Nein — es geht die gerechte Vergeltung durch das Leben: Y'im tmbN V' ^8 ^2 D*J8 nttfcOT „es muß derMensch sprechen: Ja, eineFrucht erhalt nur der Gerechte, ja, es giebt einen richtenden Gott auf Erden!" (Ps. 58, 12.) Hl. Und darum, m. Fr., noch eine kurze, allgemeine Erörterung. Wie? es solle Gott das Böse nicht vergelten, dem Rechten nicht zum Recht, zur Herrschaft verhelfend Dann ist also Gott das Thun der Menschen gleichgiltig; ob der Mensch in der Freiheit seines. Willens sich seinen niedrigsten Leidenschaften ergiebt und unter das Thier sinkt, oder ob er sich über sich selbst erhebt, und sich beherrscht, und sich dem Edelsten und Reinsten ergiebt, und sich läutert und heiligt, es ist dann Gott gleichgiltig. Dann ist aber Gott selbst kein sittliches Wesen, dann ist Gott selbst alles Rechtes baar, dann ist Gott nicht das vollkommne Wesen. Und wenn dies ist, dann ist er nicht Gott, dann ist überhaupt kein Gott .... Umgekehrt, wenn Gott ist, dann muß er vollkommen sein, dann muß er die Sittlichkeit, das Recht in feiner ganzen Wett zur Grundlage ihres Daseins haben, dann muß er den Menschen zu einem sittlichen Wesen bestimmt haben, dann muß er das Recht und die Wahrheit in der Menschenwelt verlangen, erhalten, fördern, zum Ziele führen, dann muß er das Recht unter den Menschen siegen, das Unrecht untergehen lassen, dann muß er des Menschen Thun beachten und richten, dann muß er das Unrecht und die Schuld und den Frevel ahnden, dann muß er vergelten. Dies ist die einfachste Schtußkette. Ja, m. Z., wir stehen hier an einem Scheidewege: entweder es ist kein Gott, oder es ist ein vergeltender Gott; ein Drittes giebt es nicht. Hast du also dein Auge geöffnet, und deinen Geist nicht verblendet, sagt dir dein Verstand: diese Welt kann nicht ohne Ursache, also ohne Schöpfer entstanden sein und sich erhalten, denn Wirkung und Ursache, Geschaffnes und Schöpfer können nicht dieselben sein; sagt dir dein Herz: diese Sehnsucht nach dem Bessern in dir, diese Liebe in dir, diese Zufriedenheit in dir, wenn du gut gehandelt, diese Unruhe in dir, wenn du böse gethan, sie können nur aus einem ewigen Urquell der Wahrheit und Liebe gekommen sein; sagen dir also alle Fasern deines Herzens, alle Faden deines Geistes: es ist ein Gott!-dann weißt du auch: es ist ein Gott, der richtet, ein Gott, der vergilt, ein Gott, vor dem alles Böse in Staub zerfallt, alles Gute Bestand hat. Wohl, m. Fr., so lasset uns dies festhalten, dies in unser Herz graben, danach denken, sprechen, handeln. Fürwahr, sehet, Euer Judenthum, Eure Religion lehret es Euch; sie hat es gelehrt, allen Irrlehren gegenüber, sie lehrt es, allen Zweifeln gegenüber, sie wird es lehren in Ewigkeit, und „wie ein Traum nach dem Erwachen" werden vor ihr alle Irrlehren und Zweifel verschwinden, so oft die Geister erwachen. Ja, „mag vergehen mein Fleisch und mein Herz, meines Herzens Fels und mein Antheil ist Gott," der richtende Gott, der vergeltende Gott, „auf ewig". Amen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 24. Mai. (Eingesandt.) sWir geben dieses Schreiben wörtlich so, wie es uns zugekommen.j Wie Ew. Wohlgeboren wissen werden, hat Preußen nur ein jüdisches Lehrerseminar. Nicht minder dürfte Ihnen bekannt sein, daß die jüdische Gemeinde Hierselbst alles Interesse für dieses Institut verloren hat und es bereits so weit gekommen ist, daß der Dirigent dieser Anstalt, Herr Dr. Zunz, keinen Gehalt mehr erhält. Unter solchen Umständen können die Leistungen dieser Anstalt unmöglich dm Anforderungen entsprechen, die jetzt an «inen jüdischen Lehrer gestellt werden. Es können keine neuen Zöglinge mehr auf-