Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1849)
- Date
- 1849-06-04
- Page
- Seite 298 (sequence 2)
- Language
- German
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298 quickendes seinen Platz einnimmt, daß also dennoch die Oberfläche der Erde eine andere Erscheinung bietet — also ist atzch die Religion und ihrJnhM und ihre Lehre und ihr Gesetz hingegeben dein arbeitenden Geiste der Menschen, um in der Entwickelung der Verstandes- und Gefühlswelt an Lauterkeit und Inhalt zuzunehmen, und an Gestalt und Erscheinung veredelter zu uns zu treten. Und ferner: wie in der» Natur das Leben und der Tod vereinigt sind, und im Wechselkampfe und Siege des einen und andern ihr Bestand beruht, wie dann zu einer Zeit der Tod die Oberhand bekömmt über das Leben, und die Flur verödet, den Wald entkleidet, den Strom fesselt, zur andern Zeit das Leben siegend durchdringt, und die Flur schmückt, den Wald belaubt, den Strom in Silberwellen treibt — also kämpft auch in der Religion Glaube und Unglaube einen beständigen Kampf; bald ist es der finstere Geist des Zweifels ohne Grenzen, der Irrlehre ohne Schranken, des Stolzes und der Hoffarth, des menschlichen Eigendünkels und der Selbstsucht, der die Axt legt an die Wurzel der religiösen Erkenntniß; bald aber entzündet wieder desto Heller die Fackel der Religion ihre Flamme, und leuchtet in alle Winkeln und Kammern des Herzens und Geistes hinein, und strömt ihres Lichtes Glanz aus.... Und wenn, m. Fr., also auch jetzt eine Zeit gekommen, wo die Religion vereinsamt an einen Scheideweg gelangt ist, eine Zeit, wo in der endlosen Verwirrung der Ansichten und Interessen Viele den uralt betretenen Pfad der Religion verlassen, um sich, der Eine hierhin, der Andere dorthin zu wenden, wo die Einen der alten Irrlehre in neuer Gestalt zueilen, die Anderen aller höhern Erkenntniß den Rücken kehren, sie für überflüssig ausgebend, die Dritten selbst die ewigen Gesetze der Sitte verschmähen, jene am heutigen Tage verkündeten Zehnworte, welche Familie, Eigenthum und Leben für heilig erklärten — wohl, wenn jetzt eine solche Zeit gekommen, so sagen wir, es ist eine Zeit, in der in der Religion der Tod dieOberhand bekommen über dasLeben, aber das Leben wird erstehen, bald erstehen, mit desto größerer Siegeskraft erstehen; wir sagen: es konnte gar nicht anders kommen — immer, wenn die Menschheit zu einer höhern Stufe der Entwickelung gelangt ist, daß sie sich vom Boden des Alten losreißt, dann fahren die Geister nach allen Seiten auseinander, ihrer jugendlichen Freiheit im Uebermaße genießend, bis sie, von der Irrfahrt überzeugt und ermüdet, sich wieder zusammensinden um den Stamm des Ewig-Wahren; dann sagen wir: in einer solchen Zeit muß nur die Religion ihre Stimme um so lauter erheben, und mitten in den Sturm der Menschheit ihren Ruf, ihren Weck-, Droh-, Mahn- und Trostruf hinaustönen lassen, daß sich das Ohr^der Menschen dieses Rufes nicht entwöhne. Was ist es aber, m. Fr., wenn wir dem Gange der Zeit, dem Verlaufe der Ereignisse, den Erfolgen und Resultaten derselben aufmerken, welche Lehre der Religion ist es, die uns am Oeftersten zweifelhaft erscheint? Und welche Lehre ist es, der die Menschen unserer Zeit am Wenigsten das Ohr leihen, am Ehesten sie vergessen, am Hohn- oder Süßlachelndsten sich über sie erheben? Jene uralte Lehre, die auch heute am Sinai erscholl: 11* npö 82p btt 'tt •D5N ^2 Ich, der Ewige, bin ein richtender Gott, ahndend die Sünde, inpr Nb npai der keine Schuld unbestraft läßt. Jene Lehre, die Hiob (34, 11.) ausdrückt: 12NL72-> T8">N ib übtt^ D"IN b^D Gott vergilt dem Menschen nach seinemThun, und trifft einen Jeglichen nach seinem Wandel! Jene Lehre, aus der warnend unsere Weisen uns Zurufen: r>272iLimi swn •py inb*»b n» :n Wisse, was über dirist, ein allsehendes Auge, ein allhörendes Ohr! (P. Ab. II, 1.) Ja, diese Lehre vergessen, schmähen, mißachten, verleugnen sie am Meisten. Sagt, in wie Wenigen von Euch wurzelt sie noch so recht, wie Wenige sind davon ganz durchdrungen, lassen sich bei ihren Handlungen davon bestimmen! Da nur um die Herrschaft es ihnen zu thun, nur um die Festigung der persönlichen Macht und Ehre, so wird nicht nach dem Werthe der Handlung, nicht nach dem Recht gefragt, als ob es keinen Gott gebe im Himmel, der schauet, keinen Gott, der da richtet. Und solch Beispiel ist verlockend, und weil nun in der Welt der Menschen die Leidenschaften immer mehr Raum gewinnen, und die Herrschaft des Tages an sich reißen, und allein den Sieg zu erringen scheinen, darum vergessen die Massen immer mehr, daß es einen Gott giebt im Himmel, der schauet, einen Gott, der richtet. Und weil nun selbst die ruhigeren Beobachter, die stilleren Waller im Thale des Lebens alle Hoffnungen getäuscht, alle Gedanken auf die Beffergestaltung in der Menschenwelt für