Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-28 · Heft 22 (28.5.1849) · p. Seite 288

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 22 (28.5.1849)
Date
1849-05-28
Page
Seite 288 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225629--10202-3240239
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

288 sie zu den größten Opfern, zur ganzen Hingebung für das, was ihr Gemüth in seinen Tiefen anzusprechen vermag. Also auch hier dassetbe Resultat. Wie? kennt Ihr die Zustände der Juden, wie sie waren, wie sie sind? Mit Nichten. Wo findet Ihr wol dieselbe Erscheinung, daß, unter den unglücklichsten und drängendsten, unter den auseinandertreibendsten Umstanden, wo sich nur fünfJudenfamilien zusammenfanden, sie eine Gesellschaft, eine Gemeinde, mit Satzungen und Statuten, in bestimmter Ordnung bildeten? Und dies nicht in einer Zeit, sondern in aller, nicht nur in einem Theil der Erde, sondern in allen. Ueberall war das Bedürfniß nach einer geordneten Gemeinschaft, nach einem geregelten Gemeinwesen in den Juden lebendig und betätigte sich. Und selbst jetzt sind sie wieder unter den zersetzenden Einflüssen der Zeit beschäftigt, überall ihr religiöses Gemeindewesen aus der Anarchie zu retten und zu regeneriren. Diese also sollen „ein zersetzendes Element der Gesellschaft" sein? Gehet lieber hin, und lernet von ihnen. Und noch mehr. Gehethin, und benutzet sie, benutzet sie zum Wiederaufbau der zerfallenden Gesellschaft! Sie bieten Euch Elemente, die Ihr anderswo nicht so findet. Wo aber nicht, dann werdet Ihr sie freilich am Ende zu dem machen, wozu Ihr sie jetzt in Eurem alten Vorurtheil und Wahnsinn stempelt! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 15. Mai. Die lithographische Korrespondenz enthält folgenden Passus: Künftigen Sonntag (f. vor. Nr.) findet der erste große Akt zur Reform der hiesigen jüdischen Gemeindeordnung statt, indem alle beitragende Mitglieder der Gemeinde, wol an 1500, eingeladen sind, sich in einer Versammlung über Annehmen oder Ablehnen des von dem zeitigen Vorstande entworfenen Wahlregulativs durch Stimmzettel zu erklären. Das höchst freisinnige, allen Mitgliedern in's Haus gesendete Regulativ soll den günstigsten Eindruck gemacht haben und wird wahrscheinlich als Wahlmodus angenommen werden. Bei dem großen Einflüsse, welchen seit Moses Mendelssohn die berliner Gemeinde auf alle Gemeinden Deutschlands und selbst des fernen Auslandes übt, kann die neue Konstituirung nicht als bloße Lokal- oder Synagogalsache betrachtet werden, vollends da aus dem Regulativ auch Manches für weitere größere Verhältnisse zu lernen sein dürfte. Berlin, 16. Mai. (Privatmitth.) Die altabsolutistische Partei tritt hier immer offener und unverhüllter auf, und hat auf mächtigen Schutz zu rechnen, während die demokratische Partei sich in das Dunkel und die Verborgenheit zurückziehen muß und in keiner Beziehung öffentlich nur erscheinen darf. Daß diese alt-absolutistische Partei, sobald sie die wirkliche Herrschaft erreicht haben würde, sofort die Gleichstellung der Juden aufheben würde, darüber kann kein Zweifel sein. So hat sie jetzt einen s. g. Treubund gebildet, der trotz des Belagerungszustandes seine Versammlungen hält, und der in ihn Eintretende muß auf das Kruzifix einen Eid ablegen. Juden sind also von vorn herein ausgeschlossen, was übrigens schwerlich zu bedauern. Noch ist diese Partei zwar mächtig und von ungeheurem Einfluß, aber führt dennoch das Ruder nicht. Wie sie die Verfassung vom 5. Dezember v. I. nicht billigte, und darin wenn nicht einen Abfall, doch einen Fehltritt sah, so würde jedes Nachgebcn an den Konstitutionallsmus auch in der deutschen Frage ihren Unwillen erregen. Es ist nur die Frage, ob das Ministerium der äußersten Rechten im Stande sein wird, auf die Länge dieser jenseits aller konstitutionellen Parteien stehenden Partei zu widerstehen. Ist dies geschehen, dann zerstiebt auch sofort die Gleichstellung der Juden in Nichts, und das Mildeste würde die Rückkehr zum Gesetz von 1847 sein. Berlin, 21. Mai. (Privatmitth.) Bei der Neugestaltung der jüdischen Gemeinden kann wol Nichts wichtiger sein, als den Weg kennen zu lernen, den eine Gemeinde wie die hiesige eingeschlagen. Ich theile Ihnen daher die Dokumente vollständig mit, kann Ihnen aber auch das Resultat der gestrigen Versammlung angeben. Es sind nämlich von den vorgeladenen 1600 Mitgliedern 630 erschienen; von diesen stimmten 578 für Annahme des Regulativs, 52 dagegen. Die Dokumente sind: I. Einladung zu einem Termin am 20. Mai 1849. Die Verfassungsurkunde für den preußischen Staat vom 5. Dezember 1848 verordnet §. 12: Die evangelische und die römisch-katholische Kirche,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.