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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-21 · Heft 21 (21.5.1849) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 21 (21.5.1849)
Date
1849-05-21
Page
Seite 282 (sequence 10)
Language
German
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288 ganz entsprachen, und noch zu wenig vereinfachte Umarbeitungen der alten, würdevollen Kernmelodieen von unseren Ahnen, welche auch in jeder kleinen Gemeinde vom Vorsänger und Chor ohne Schnörkel und Triller benutzt werden könnten. Warum unterzieht sich Niemand für dieses wichtige und weite Gebiet auch ein besonderes Blatt zur Veredelung unsers Synagogengesangs herauszugeben? Dieses wäre nicht nur leichter und billiger anzuschaffen, und erhielt eine größere Verbreitung als alle die bisher hierüber erschienen Werke, sondern es könnte hierin Jeder, der sich dazu berufen und begeistert fühlt, auch seine Ansichten, sein Verfahren mittheilen, und gelungene Kompositionen oder vereinfachte herkömmliche Synagogengesänge leicht zum Abdruck übergeben. Gern würde auch ich mein Scharftein regelmäßig dazu liefern; und wenn Solches recht oft (wie ohnlängst durch Lehrer Hecht) geschieht, so werden wir gewiß dato auch in dieser Hinsicht die schönsten praktischen Resultate gewahren. Nur laßt uns nicht still stehen auf dem Felde, das wir einmal betreten, denn jeder Sillstand ist Rückgang. Es ist wol wahr, daß unsere im Materiellen und Industriellen befangene Zeit noch weit entfernt ist von einem regen, frischen Glaubensleben, von einem heißen und ernsten Streben nach dem Einklänge des äußern Lebens mit den Bedürfnissen des innern Geistes- und Gemüthlebens; wol ist es wahr, daß der größere Theil unserer Glaubensgenossen in Bezug auf Synagogenangelegenheiten noch gar zu lau und gleichgiltig ist; allein liegt nicht sehr viel die Schuld an so manchem jüdischen Seelsorger? wie wir solche junge und rüstige Hirten in unserer baierischen Nahe haben, deren ganzes Reformwesen darin besteht: die Frauenhaarscheiteln, das Oeffnen eines Regenschirms, das Tragen eines Sacktuchs am Sabbat und noch mehr derartige gotteslästerliche Werke, mit dem frömmsten Eifer zu verbieten, und den darin pflicht- und gottvergessenen Frevlern in gewiß sehr erbaulichen Predigten die unterste Hölle zu verkünden; Hirten, die ihre Heerden lieber auf die dunkelste und schmutzigste Trift in enge Pferche zusammentreiben, als dieselbe an dem wohlthuenden und erwärmenden Sonnenlicht, das nur Nachteulen nicht vertragen können, zu weiden; Hirten, die statt einen gemüth- und geisterhebenden Gottesdienst anzuordnen sich verpflichtet suhlen sollten, eher dastehen als Muster des Schreiens und des maschinenmäßigen Wackelns beim Gottesdienste, wo ohnehin um den Weißling wie in einem Bienenschwärme alles summt und brummt, ein- und ausflkegt wann es will. So sind nun diese Chöre beschaffen, wo solche Direktoren an der Spitze stehen. Gott sei Dank! daß wir vom größern Theil unserer Seelsorger das Gegentheil hievon Nachweisen können, sonst wäre Israel ganz verwaist. Aller Augen sind daher jetzt hoffnungsvoll auf die bevorstehende allgemeine Synode gerichtet, daß diese mit echt religiösem Eifer und wahrer Energie das viel überhandgenommene Unkraut aus den reinen und echten Pflanzen sammt der Wurzel ausgäde, damit diese aufwachsen und gedeihen können zu einem starken, gesunden und fruchtbringenden Baume des Lebens. .m D^tnöb firn Ehrlich. Bemerkung. Ein besonderes Blatt für Synagogengesang, hauptsächlich Musikstücke bringend, würde, unserer Erfahrung gemäß, wol kaum Bestand erlangen, da Musikdruck sehr theuer zu stehen kommt. Ein Anderes wäre es aber, wenn sich einige tüchtige Vorsänger verbänden, um, so wohlseil wie möglich, von Zeit zu Zeit Lieferungen erscheinen zu lassen, also eine, an die Zeit nicht gebundene Zeitschrift für Synagogalmustk. D. Redakt. Von der Elbe, 14. Mai. In der Frage des Synagogengesanges müssen wir genau Chorgesang und Cho ralgesang unterscheiden. Ueber die Anwendung des Chorgesangs kann kein Zweifel startfinden; nur wie er am Besten durchzuführen, wie er den lokalen Verhältnissen in ihrer Verschiedenheit anzupassen, das ist fraglich. In den meisten deutschen Synagogen wurde beim Beginn der reformatorischen Bestrebungen die Bildung von Chören durch Freiwillige in den Gemeinden angestrebt. Aber überall hat sich die Unzulänglichkeit früher oder später herausgestellt. Die Freiwilligen geben sich nie einer sorgfältigern musikalischen Bildung hin, und es bleibt daher stets bei den Anfängen des Mechanischeingeübten stehen. Bald haben sie auch den frühem Eifer verloren, werden saumselig, kommen nicht, bleiben weg, und die Abgehenden lassen sich nicht ersetzen, weil sich der Eifer nicht immer von Neuem auffrischen läßt. Die Gemeinde muß also die Choristen bezahlen, und weil hierzu viele Geldmittel und passende Subjekte fehlen, so kann dies nur in den größten Gemeinden geschehen. Man hat daher ein anderes Mittel vorgeschlagen, nämlich den Gesang zum Minimum der

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