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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-21 · Heft 21 (21.5.1849) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 21 (21.5.1849)
Date
1849-05-21
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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273 um so mehr, da allein bezüglich des Judenthums die Regierung die proklamirten Grundsätze in Ausführung bringt, und eS sich gänzlich selbst überläßt. Die hiesige Gemeinde ist völlig aufgelöst. Da des Oberrabbiners Eiger Kontrakt abläuft, so wird die Gemeinde als Solche ihn nicht mehr erhalten; es wird sich ein kleiner Verein bilden, welcher ihn mit Stipendien versieht. Die 15 Synagogen, die hier eristiren, werden fortbestehen, denn die Stellen haben, werden sie fort erhalten. Ehasan ist bekanntlich jeder Jude, Schochtim erhalten sich durch ihre Funktion, und ein weiteres Bedürfniß ist nicht da. Der aus jüngeren Elementen bestehende Brüderverein mit seinem Prediger Dr. Goldstein hat geringe Geldbedürfnisse, die sich leicht decken lassen. Mehr oder weniger befinden sich in demselben Zustand fast alle Gemeinden des Herzogthums, und das nächste Jahr — wird ein Wanderjahr der Rabbinen und Lehrer werden. Bon der Elbe, 15. Mai. (Privatmitlh.) Die traurigen Ereignisse in Dresden kennen Sie. Leipzig war davon, wie Sie wissen, nur sehr kurze Zeit berührt. Die preußische Reaktion war dabei in großer Verlegenheit, wo sie Juden hernehmen soll, um auf sie einen großen Theil der Schuld zu werfen. Denn da Sachsen nur wenige Juden hat, und man nicht so frech lügen konnte, die dresdener Juden in Anklage zu setzen, so wußte man nicht» wie man das machen sollte. Aber sie weiß sich zu helfen. Im „Magdeb. Korrespondenten", dem Organ der preußisch-sächsischen Junker, war es zu lesen: „die in Leipzig zur Messe anwesenden israelitischen Kaufleute" waren die Haupturheber des Aufstandes. Der Unsinn ist zu groß, um ein einziges Wort der Widerlegung zu verdienen. Die Lüge ist zu kolossal, um nicht belacht werden zu müssen. Aber die Hauptsache ist doch die Gesinnung dieser Herren, die sich darin ausspricht, wie sie mit aller Gewalt die Juden zu Schuldträgern aller Unruhen machen wollen, während sie, die Junker, es selbst sind, und wie sie hiermit insinuiren wollen, daß das Volk an sich gar nicht unruhig ist, sondern nur — durch die Juden dazu gebracht wird! Ja, das ist sicher: siegt die Reaktion ganz, dann wehe uns! Wir werden am Schlimmsten wegkommen, schon um ihre Insinuationen zu rechtfertigen. Eines Morgens wird es heißen: „Weil die Juden sich der Gleichstellung nicht würdig gezeigt, weil sie sich als ein gemeinschädliches Element erwiesen, denen alle christliche Demuth, Treue, Gehorsam rc. fehlt, darum u. s. f." Ungarn. Pesth, im Mai. (Privatmitlh.) Die letzten, genaueren Berichte, die, wie ich ersehe, in dieser Zeitung aus Ungarn mitgetheilt worden, betrafen jene unseligen Judenverfolgungen, die von Pesth aus durch ganz Ungarn grassirten. Welch' großes Jahr ist seitdem verflossen! welche creignißvolle Zeit! Wie anders ist heute unsre, der Juden, Stellung wie damals! Jndeß, geehrter Herr Redakteur, die Zeit ist noch nicht gekommen, in der wir uns aussprechen können. Es ist mit den Verhältnissen der Juden doch anders als mit denen aller anderen, sagen Sie Nationen, oder Stämme, oder Glaubensparteien - denn von allen diesen klebt den Juden doch Etwas an. Die Solidarität der Juden, die in ihrer Geschichte eine so große, aber früher auch natürliche Rolle spielte, sie besteht immer noch; und wo nun sich Juden in zwei kämpfenden Lägern befinden, da werden es die in dem einen immer empfinden, wenn die Juden im andern Lager eine Rolle spielen. Daher, sage ich, ist die Zeit noch nicht gekommen, um über die Verhältnisse und Begebenheiten, so weit sie die ungarischen Juden betreffen, vollen Bericht zu geben; die Zeit wird kommen, und dann soll in der Abrechnung kein Posten fehlen — das Fazit, denke ich, soll zu unseren Gunsten ausfallen. Aber jede Besserung in der Zukunft, wie viele Opfer wird sie gekostet haben! Mit wie vielen Thräncn und Blutstropfen wird der Boden und die Saat befeuchtet sein, bevor die bessere Zukunft Früchte reifen wird! Blicken Sie hin auf die verödeten Landschaften, die unbestellten Fluren, die verbrannten Dörfer, die zerstörten Städte, die zertrümmerten Schlösser, die Gräberfelder, den daniederlicgenden Verkehr, die Verarmung, die Verluste an Gliedern der Familien, die aufgelösten Bande.... Aber dennoch Heil der Generation, die diesen Kamps mit durchgefochten! Die alte Kette der Gewohnheit ist durchbrochen, die Jugend ist eingetreten in das bewegte Volksleben, als bartlose Jünglinge sind sie ausgezogen, als vielerfahrene Männer kehren sie heim. Und ist es erst zu Ende, und haben sich die hohen Wogen gelegt, und eine ruhigere Zeit begrüßt unser i schönes Vaterland: wie wird der Phönix aus der

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