Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1849)
- Date
- 1849-05-14
- Page
- Seite 269 (sequence 9)
- Language
- German
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269 verdienen, Ln allen unbilligen Forderungen zufrieden zu stellen?" Rauschender Beifall und Zuruf begleitete diese einfachen Worte Fischhoffs, und zu seiner Ehre sei es hier gesagt: der Präsident des Sicherheitsausschuffes, welcher oft erst nach Mitternacht, müde gehetzt von Debatten, Anfragen, Deputationen und administrativen Arbeiten, in's Bett kam, auf deffen Schultern damals die schwere Verantwortlichkeit für das Leben, Eigenthum und die ungeschmälerte Freiheit von Hunderttausenden lastete, dieser Mann besaß an manchen heißen Sommertagen kaum einige kleine Münze, um — seinen Hunger zu stillen. Ein edler Humor hob ihn ebenso wie sein uneigennütziger Patriotismus über diese täglichen Lebensfragen hinweg. Mancher österreichische Regierungsbeamte mochte über den schlechten schwarzen Frack dieses damals allmächtigen Volksmannes ebenso erstaunt gewesen sein, wie über deffen klaren lleberblick in den schwierigsten Verhältnissen und Geschäften und über die uneigennützige und unverdrossene Thätigkeit desselben. Wie sehr selbst die erbittertsten Gegner der wiener Bewegung die Verdienste Fischhofs um den ganzen Staat zu würdigen verstanden, zeigte eine Antwort des Generals Wallmoden in Prag. Zur Untersuchung der Psingstereigniffe war eine eigene Deputation aus dem Sicherheitsausschusse und der Nationalgacde Wiens nach Prag geschickt worden. Als dieselbe von den Vorposten vor den General Wallmoden gebracht wurde und ihre Legitimationen vom Ministerium und vom Sicherheitsausschusse vorwies, sagte dieser Stabsoffizier: Pittersdorf, der hat hier Nichts zu befehlen, Fischhof ist ein guter Name! Diese wenigen Worte haben genügt, Fischhof selbst in den Augen der Radikalen eines Einverständnisses mit Fürst Windischgrätz zu verdächtigen." „Als die Wahlen zum konstituirenden Reichstage in Wien vorgenommen wurden, stellte ein Konnte des Sicherheitsausschusses eine Kandidatenliste auf. Doch wurden aus den Mitgliedern des Sicherheitsausschuffes selbst nur Fischhof und Goldmark in zwei Vorstädten Wiens als Reichstagsabgeordnete gewählt. Mit Eröffnung des Reichstages sollte die Thätigkeit des Sicherheitsausschusses zu Ende sein, um so mehr, da sein Mandat „zur Wahrung der Volksrechte" in die Aufgabe des konstituirenden Reichstages eingriff. Fischhof und Goldmark, welche bereits früher ihre Chargen und Stellen in der akademischen Legion niedergelegt hatten, wünschten ebenfalls die Auflösung des Sicherheitsausschusses, da derselbe sowol mit dem neben ihm bestehenden Gemeindeausschusse, als mit dem Reichstage und der Regierung in bedrohliche Konflikte zu gerathen schien. Aber nach einer heftigen Debatte, welche hierüber im Ausschüsse gehalten ward, kam es nur zum Beschlüsse, daß der Ausschuß in einer Petition die Entscheidung über seine Auflösung dem Reichstage anheimgeben wolle. Fischhof legte die Präsidentenstelle im Ausschüsse nieder und nahm seinen Platz auf der Linken im Reichstage ein. Das Ministerium Dobblhof war ernannt worden." „Es sollte ein Programm nach demokratischen Grundsätzen gegeben werden, in welchem „die konstitutionellvolksthümliche Monarchie" als Staatsform anerkannt würde. Nach einer Krisis von drei Tagen hatten endlich die Herren Dr. Bach, Hornbostel, v. Schwacher die betreffenden Portefeuilles angenommen. Graf Latour und Finanzminister Krauß mußten als unerläßlich wegen ihres Ansehens bei Hofe, in der Armee und ihrer Detailkenntnisse beibehalten werden. Baron Wessenberg übernahm endlich das Portefeuille des Aeußern. Nun war es dem Ministerium Dobblhof darum zu thun, sich eine kräftige Majorität in der Kammer zu sichern. Nachdem die ersten größeren Debatten wegen der Adresse an den Kaiser in Innsbruck vorüber waren und sich die einzelnen Kräfte der verschiedenen Parteien gemessen hatten, wurde Herrn Dr. Mayer, Deputirtem von Brünn, das Unter-Staatssekretaciat im Ministerium des Innern übertragen und Dr. Fischer aus Salzburg, so wie Dr. Fischhof, Deputirtem für Wien, Ministerialrathsstellen in demselben Ministerium angeboren. Fischhof berieth lange mit seinen Freunden über Annehmen oder Ablehnen. Sein Ehrgeiz strebte nicht nach einer glänzenden Stellung, ebenso wenig wollte er seine Stimme als Volksvertreter einem Ministerium gefangen geben, dessen Zusammensetzung eine Erfüllung des gegebenen Programms fast unmöglich machte. Indessen bewogen ihn zwei patriotische Rücksichten zur Annahme. Die erste betraf das Ministerium selbst. Jeder Vernünftige mußte damals erkennen, daß das Kabinet Dobblhof den Persönlichkeiten und Ansichten nach das Letzte sein konnte, welches den Wünschen der Liberalen entsprach. Mit dem Rücktritt desselben mußte die Reaktion, mit der man schon damals den Grafen Stadion identifizirte, an's Ruder kommen. Fischhof sah eS daher als seine Pflicht an, das Ministerium Dobblhof, welches einen großen Werth auf seine Akquisition zu legen schien, mit der Kraft seines Namens, seinen Fähigkeiten und Erfahrungen zu unterstützen. Den Vertust an Popularität ertrug er gern in dem Bestreben, der permanenten 20*