Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1849)
- Date
- 1849-05-14
- Page
- Seite 270 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Revolution durch eine starke Regierung einen gesetzlichen Damm zu setzen. Die zweite Rücksicht, welche ihn zur Annahme der MinisterialrathSstelle bewog, lag darin, daß er als Jude durch de« Eintritt in den Staatsdienst die Religionsfreiheit und da« allgemeine Staatsbürgerrecht noch vor Feststellung der Verfassung zu einem fait accompli erheben wollte. Seinem Büreau wurden die Angelegenheiten, welche sich auf die Ruhe und Sicherheit der Hauptstadt bezogen, und dann die Leitung der Medizinalanstalten angewiesen. Die Ueberstcht, welche Fischhof als Vorsitzer des Sicherheitsausschusscs in allen Bewegungen und Verwaltungsgegenständen der Hauptstadt gewonnen hatte, und seine ärztliche Praxis im allgemeinen Krankenhause befähigten ihn gleichmäßig zur gewissenhaften Erfüllung seiner übernommenen Dienstpflichten. So theilte er jetzt seine Keit und Mühe zwischen den Geschäften seines Büreau's und jenen im konstitutionellen Reichstage. Als es am 23. August durch die Taktlosigkeit des Arbeitsministers Herrn v. Schwacher zu einem blutigen Konflikte zwischen National- und Munizipalgarde und den Erdarbeitern im Prater gekommen war, begab sich Fischhof mit Lebensgefahr auf den Kampfplatz, suchte das Feuern einzustellen, verband die Verwundeten und schaffte dieselben sogleich in'« Hospital. Im September machte er im Aufträge des Ministeriums eine Reise nach Galizien, um daselbst Vorkehrungen gegen die hereinbrechende Cholera zu treffen und die Sanitätsanstalten zu inspiziren. Von dieser Reise kehrte Fischhof erst am 5. Oktober nach Wien zurück. Di« Ereignisse des 6. Oktober trafen ihn daher ganz unerwartet. Es ist bekannt, daß er mit seinem eigenen Leibe den unglücklichen Kriegsminister Latour so lange gegen die andrängende Masse gedeckt hatte, bi« ihn endlich ein Säbelhieb und die Uebermacht der wüthenden Menge zum Weichen zwang. Baron Dobblhof harte sich in die Wohnung Fischhofs und Gvldmarks geflüchtet und verließ von dort aus in der Nacht des 6. Oktober, verkleidet, die Stadt. Während fast alle Minister und höheren Staatsbeamten von Wien entfernt waren, verharrte Fischhof nebst Krauß auf seinem Posten und wirkte auch im Reichstagsausschuffe auf Versöhnung der Parteien und friedliche Ausgleichung hin." „Rach der Erstürmung Wiens, der Verlegung des Reichstages nach Kremfier und dem Eintritt des Ministeriums Schwarzenberg-Stadion trat Fischhof mit seiner Partei in die kremsirer Versammlung ein. Da er aber sich nicht verpflichten konnte, mit einem Ministerium zu stimmen, welches, trotz seines liberalen Programms, doch gleich in seinem ersten Auftreten entschieden Reaktionsgelüste zeigte, so reichte er seine Entlassung vom Staatsdienste ein. Ueberdies hatte sich unter seinen ehemalige» ärztlichen Kollegen zugleich mit der Rückkehr des Absolutismus in die Hauptstadt auch der Neid und die Verdächtigung gegen den Vorkämpfer vom 13. Mär; erhoben. Fischhof war fest entschlossen, auch sein Mandat als Abgeordneter niederzulege« und sich wieder in's Privatleben zurückzuziehen. Aber er glaubte es sich und seiner Partei schuldig zu sein, gerade in jenen Tagen, wo die Mißtrauensvota gegen die Linke auf höhern Befehl angefertigt und die Drohungen gegen den Reichstag immer heftiger wurden, nicht von seinem Platze als Volksvertreter zu weichen, bis der Reichstag durch Waffengewalt am 6. März auseinander gejagt wurde. Das Gerücht, daß mehrere Abgeordnete verhaftet werden sollten, bezeichnete auch Fischhof als einen derselben. Seine Freunde baten ihn den ganzen Tag am 6. März vergebens, daß er Kremsier verlassen möge. Wenn ich flüchte, entgegnete er ruhig, so wird mich die öffentliche Meinung und das Volk verurtheilen; vor der Untersuchungskommission bin ich mir keiner Schuld bewußt." „In der Nacht zwischen dem 6. und 7. wurde er verhaftet und nach Wien gebracht, wo er in Kriminal- Hast fitzt." Zeittafel von dem Wiederaufbau Jerusalems bis zu dessen zweiter Zerstörung. (Nach Baur.)*) Vor dem Beginn der gewöhnlichen Zeitrechnung. 536. Im ersten Jahre seiner Alleinherrschaft erthcilt Cyrus die Erlaubniß zur Rückkehr. Serub ab el. 535. Beginn der Herstellung des Tempels, im 2ten Monat. 522. Dem Tempelbau wird von den assyrische» Kolonisten Einhalt gethan. 520. Darius giebt die Erlaubniß zur Fortsetzung. 515. Der Tempel vollendet im I2ten Monat des 6ten Jahres des Darius. Hoherpriester Jesua von 536—484. Jojakim 483 — 454. *) Sechs Tabellen über die Geschichte deS israelitischen Volkes von vr. Gustav Baur, Prof. Gießen, 1848.