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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-14 · Heft 20 (14.5.1849) · p. Seite 267

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 20 (14.5.1849)
Date
1849-05-14
Page
Seite 267 (sequence 7)
Language
German
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267 7000 Fl. K. M. zu einer Stiftung zur Unterstützung armer Handwerker baar hergab und jetzt in seinem Testamente sein ganzes Vermögen, circa 20,000 Fl. K. M., zur Heranbildung israelitischer Handwerker bestimmt hat. Am 5. v. M. ist der Edle nach langem Leiden hier gestorben, wo er unter Begleitung aller bessergeflnnten Gemeindemitglieder, unter paffenden Trauergesängen des hiesigen Chors zur Erde bestattet wurde; wobei auch der hiesige Rabbiner und Prediger l)r. Löwenthal eine treffliche Leichenrede über einen vom Verewigten sich selbst zur Leichenrede gewählten Bibeltext gehalten hatte. Der Bibcltext, den der Verstorbene zu seiner Grabrede bestimmt hatte, lautet: aira unn irrt 'turft Mordchai der Jehudi forschte nach, um das Wohl seines Volkes zu befördern. (Esth. 12, 8.) Der Redner setzte auseinander, wie dieser Spruch ein treues Bild seines Lebens ist, indem sich in ihm sein ganzes eigenthümliches Leben abspiegelt. I. er war ein echter Jehudi Ohist’), nicht durch blinden Glauben, der immer in Aberglauben ausartet, auch nicht durch Werkseligkeit, sondern durch klare Ueberzeugung und bewährte Erkenntniß. Schön und richtig war die Bemerkung des Redners, daß derjenige, welcher sich mit solcher Ruhe in der letzten Stunde den Text zu seiner Grabesrede wählt, gewiß auch mit der zuversichtlichsten Ruhe seinem Ende entgegensieht, was nur bei einem auf klarer Ueberzeugung gegründeten lebendigen Glauben möglich ist. II. er hat nach dem Zwecke seines Lebens geforscht („iznri STtt"). Viele leben und sterben ohne je gewußt zu haben, wozu sie gelebt haben, ja ohne gar je darnach geforscht zu haben. Nicht so der Verewigte. Er hat sein ganzes Leben und Vermögen nur der Erforschung des Lebenszweckes geweihet, denn er lebte für eine Idee. Dies zeigt auch, daß er nicht wie die meisten Menschen mit dem Geben gewartet hat bis zur letzten Stunde, da man nur giebt, weil man's nicht mehr besitzen kann. Nein, er lebte als Forscher für eine erhabene Idee und suchte sie noch im Leben auszuführen. Endlich HI. er beförderte das Wohl seines Volkes. Viele forschen aber thun Nichts. Er aber hat Beides vereinigt. Ja er beförderte das Wohl seiner Glaubensbrüder, indem er sie aus dem erniedrigenden Zustande der schmählichen Beschäftigung zu einem thätigen Volke (i»d>b) emporheben will, daß sie an allen Zweigen der Thatigkeit im Staate Theil nehmen sollen. Wodurch der Verewigte auch jenem Mordchai der Bibel gleicht. Denn wie dieser seine Brüder einst von der schmählichen Verleumdung des Haman: „daß sie in Sitten und Lebensart verschieden sind von allen Völkern, so daß es dem Könige keinen Nutzen bringt sie im Reiche zu dulden" — befreit hat; so suchte auch der Verewigte durch seine Stiftungen sein Volk von ähnlichen Hamansvcrleumdungen, daß es dun Staate keinen Nutzen bringt, zu befreien. So ungefähr lautete der treffliche Vortrag. Doch müssen wir rügen, daß der Redner gegen das ausdrückliche Verlangen des Verstorbenen, die Zuhörer bei seinem Grabe nicht lange aufzuhalten, etwas lang« gesprochen hat, bald eine halbe Stunde, welchen Fehler der Redner im Allgemeinen gar oft begeht, indem er sich in seiner Begeisterung den strömenden Gedanken überläßt, wodurch aber der Stundenzeiger nicht aufgehalten wird. Außerdem hat der Verewigte, der kinderlos starb, seine Kleider, Wäsche, Bettzeug und Geräthschaften dem prager israelitischen Handwerkerverein, sein Silbergeschirr und Möbel dem odeffaer Tempelverein vermacht, wovon Letzterer eine Singschule zur Heranbildung von lüdischen Choristen stiften soll. Nach seinem letzten Willen soll sein ganzes oben benanntes Vermögen zur Stiftung einer lemberger israelitischen Schule für Handwerkslehrlinge angelegt werden. ZuTestamentsexekutoren hat er die edelsten Männer der hiesigen Gemeinde ernannt: Herrn Rosenstein, J.Kolischer, Gemeindevorsteher, S. Rapoport, M. Kolischer und B. Gottlieb, Letzterer Verwalter des Tempels. Von welchen Männern ein segensreiches Wirken zu erwarten ist. Der Verewigte hat auch zwei literarische Denkmale hinterlaffen: nämlich eine deutsche Uebersetzung und hebräische Erklärung des Kohelet und Hohen Liedes. Welche Werke, wenn auch nicht von wissenschaftlicher Tiefe so doch von einem Streben nach Wissenschaft zeugen. Möchte das Beispiel dieses Hochedeln auch Andere au feuern, ihm im Befördern des Nützlichguten nachzuahmen. Als Nachtrag zu meinem ersten Artikel in No. 16, wo ich Ihnen von der Verweigerung der hiesigen Regierung, einen Kaufkontrakt über Güter einem Juden zu genehmigen, berichtete, kann ich Ihnen die erfreuliche Nachricht mittheilen, daß das Ministerium dem Gubernium die Weisung ertheilthat, beim Erwerbe von Gütern weiter keinen Unterschied zwi-

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