Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-14 · Heft 20 (14.5.1849) · p. Seite 266

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 20 (14.5.1849)
Date
1849-05-14
Page
Seite 266 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225627--10178-3240213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

366 Standesbücher werden von der bürgerlichen Behörde geführt. Warmbrunn, im April. (Privatmitth.) Die Verwaltung der hiesigen jüdischen Badearme n- Kasse hat ihren Bericht über 1848 drucken lassen und versandt. Wir halten es für Pflicht, darauf in diesen Blättern aufmerksam zu machen, je mehr die Bcdrängniß der Zeit gerade solche Kassen gefährdet. Die Einnahme belief sich auf 82 Thlr. Der Bericht endet mit den Worten: „Durch vorstehende Ausgabe von 71 Thlr. 28 Sgr. 6 Pf. sind in diesem Jahre, während ihrer Kurzeit, versorgt worden 14 arme Kranke in natura (anständige durch Geld) mit Logis, täglichem Mittagbrode, Douche- und Wannenbädern; zudem erhielt jeder Kranke eine Zulage von 10 Sgr. wöchentlich, zur Bestreitung der nöthigsten Ausgaben. Mit dem herzlichsten Dank für die unserer Badearmen-Kasse gewährten Unterstützung; mit der festesten Versicherung durch diese Unterstützung ein edles, höchst wvhlthätiges Werk befördert zu haben; erlauben wir uns, im Interesse der leidenden Aruiuth, wiederum an wohllöbliche jüdische Gemeindevorstände und wohlthätige Glaubensgenossen die ergebenste und dringendste Bitte: Unsere Badearmen-Kafse. eingedenk ihres edeln, wohlthätige» Zweckes, durch milde Beiträge, deren sie zu ihrem Fortbestehen so sehr nöthig hat, unterstützen zu wollen; damit der arme, kranke Glaubensgenosse auch fernerhin hier nicht fremd, hilflos und ganz verlassen dastehe; sondern ein gewisses und sicheres Asyl, während, seiner Kurzeit, finde." Die Kasse hat laut Ordre vom 17. Januar 1847 Portofreiheit. Im Jahre 1847 hatte die Kasse 254 Thaler eingenommen, und 145 Thaler ausgegeben. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 15. April. (Privatmitth.) Wenn die Leser in meinem Artikel vom 3V. März in No. 16 Ihres Blattes die Juden Galiziens und besonders die der hiesigen Stadt als meistens fanatisch und ungebildet geschildert sehen; so freut es mich ihnen heute von einer allgemein überraschenden Ausnahme berichten zu können, womit zugleich der Beweis geliefert wird, daß wie unter allen Menschenklassen, auch unter den Juden Galiziens, trotz des langen schmählichen Druckes und aller Menschenwürde Hohn sprechenden Beschränkungen von Seiten der Regierung und der übrigen Bevölkerung — welche unter der Tyrannengeißel Metternichs keine andere Freiheit hatte als die Juden frei zu höhnen, und kein süßeres Vergnügen kannte als ihren Sklavenstand dadurch zu lindern, indem sie die Juden als noch niedrigere Sklaven behandelten — der edlen Männer Viele giebt, welche für Menschenwohl, Hebung und Veredelung ihrer Glaubensbrüder ein warmes Herz haben, welche auch nach dem Tode durch großartige wohlthätige Stiftungen für das Wohl ihrer Brüder leben und wirken. Und von einem solchen hochherzigen Edeln, der sein ganzes Leben der Idee: „die in Galizien größtentheils nurHandel und Trödel treibenden Israeliten zu ehrbaren Handwerkern zurückzuführen," geweihet hat, will ich Ihnen jetzt berichten. Sein unsterblicher Name ist Markus Bernstein, ein Sohn des WolfBernstein aus Brody. Er hat sich schon in seiner Jugend, meistens durch sich selbst, eine umfassende Kenntniß aller nöthigen Wissenschaften angeeignet; ganz besonders aber pflegte er das Hebräische und die jüdischen philosophischen Werke, wodurch er zur Mendelssohn'schen Schule gehörte. Dies trieb er aber nur in seinen Mußestunden, sonst war er ein umsichtiger Kaufmann, in welcher Eigenschaft er in Odessa ein bedeutendes Geschäft führte. Nachdem er aber ein für die hiesige Gegend schon bedeutendes Vermögen von circa 30— 40,000 Fl. K. M. sich erworben hatte, gab er das Geschäft auf, um nur der oben bezeichneten Idee ausschließlich leben zu können. Er bereiste zu diesem Zwecke die meisten größten Städte Deutschlands, um sich von der Beschaffenheit der israelitischen Handwerksanstalten zu überzeugen. Dabei war er für sich sehr genau und gönnte sich kein kostspieliges Vergnügen, um das Vermögen zur Ausführung jener Idee aufzusparen; ja als die Aerzte ihm in seiner letzten Krankheit Weinbäder verordneten, wies er Solche mit dem Bemerken zurück: „wie darf ich mir solche theuere Bäder machen lassen, gehört ja mein Vermögen den armen israelitischen Handwerkern." Seine letzten Lebensjahre verlebte er hier in Lemberg, wo er schon im Jahre 1843, also noch im rüstigen Lebensalter,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.