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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-07 · Heft 19 (7.5.1849) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 19 (7.5.1849)
Date
1849-05-07
Page
Seite 258 (sequence 10)
Language
German
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R8 Programm eigentlich ebenso entschieden im Negiren aller demokratischen Forderungen, wie jenes der Ultraradikalen im Negiren aller bestehenden Verhältnisse bestand, die Reaktionäre, meist der alten Bürtaukratie, dem privilegirten Advokatenstande oder dem Hofadel angehörig, waren bald nach den Märztagen vor einer Revolution erschrocken, welche anstatt eines einfachen Ministerwechsels und des öte-toi, que je m’y mette, eine vollständige Umgestaltung in der Verwaltung und iunern Staatsordnung bewirken sollte. Außerdem drohten die autonomen Forderungen der vielen erwachten Nationalitäten den ganzen bisherigen Mechanismus der Regierung zu erschüttern und so das materielle Interesse aller am aueien regime Betheiligten zu gefährden. Die liberalen oder gemäßigten Demokraten waren die Männer der gesetzmäßigen, aber durchgreifenden Reform innerhalb der gegebenen Verhältnisse, die österreichischen Patrioten im guten freie« Sinne. Pittersdorf und Fischhof, später Schuselka möchten wir als die Heroen dieser Partei bezeichnen. Aber die eigenthümliche Stellung der beiden erstgenannten Männer, die Verschiedenheit ihrer persönlichen Verhältnisse und ihrer politischen Laufbahn brachte es mit sich, daß sie Anfangs äußerlich als Gegner einander gegenüberstanden und erst jetzt unter dem gemeinsamen Druck der rohen Militärgewalt sich als Freunde begrüßten." „Fischhof bildete gleich von Anfang an durch feine liebenswürdige Persönlichkeit das versöhnende Element zwischen den verschiedenen Parteien und abnormen. Regierungsgewalten. Er war der Mittelsmann, welcher bei jeder Deputation des Studenten- oder Aentralkomile's an das Ministerium oder einzelne hochgestellte Staatsmänner, in der Aula oder zum Volke das Wort führte. Das Präsidium im Studentenkomit« hatte er bereits wegen Ucberhäufung von Geschäften an 0r. Goldmark übergeben. Als die Verfassung vom 25. April besonders wegen der Pärs in der ersten Kammer und des beschränkten Wahlrechts der zweiten Kammer allgemeine Mißbilligung gefunden und eine Petition, welche im Studentenkomile deshalb angeregt worden war, vomZentralkomite der Bürger und Studenten an's Ministerium gebracht werden sollte, als besonders dieses Aentralkomite mit der Erledigung einer an das Ministerium in der Polenfrage gerichteten Eingabe nicht zufrieden war, beschloß der Ministerrath am 13. Mai plötzlich, und zwar mittels eines Tagesbefehls des Nationalgarden-Kommandante», Grafen Hoyos, die Auflösung des Jentralkomite's." Am 1b. Mai war es vr. Fischhof, der in Legionsuniform den Grafen Monteouculi von einem Bauplatz zum andern begleitete, und der Beliebtheit und Rednergabe Fischhofs gelang es,, die aufgeregten Masse» zu beschwichtigen und ihnen bas Verspreche« abzunchmen, rnhiz auf ihren Arbeitsplätzen zn verbleiben/' . '. „Erst später erfuhr Fischhof, daß da» Ministerium bei seiner Berathung über seine Entlassung zugleichburan gedacht hatte, ihm, als einem Manne, welcher sich de» unbedingten Vertrauens des Volkes zu erfreuen hatte", ein Portefeuille anzukragen. Wen» das Ministerium Pillersdorf auch seiner ganzen Stellung nach mit de« Ansichten dieses hervorragendsten Charakters der Deputation nicht einverstanden sein konnte, so verzweifelte es doch keinen Augenblick an der Redlichkeit, Ehrenhaftigkeit und de» ausgezeichnete» Talente» desselben. Fischhof selbst fühlte zu sehr dir Unzulänglichkeit seiner Kenntnisse im Administrativfache und besaß zu viel wahren Patriotismus, um in dieser schwierige» Lage an die Ueberaahme irgend einer Staatsffelle zu denken." „Das Aentralkomite war also wieder bestätigt worden , und das Ministerium Pillersdorf hatte seine Entlassung «ingereicht. Und doch fühlte jeder Patriot, daß dieses Ministerium das einzig mögliche in diesem Augenblicke war, da wenige Persönlichkeiten vorhanden waren, welch« gleiche Popularität und gleiche staatsmännische Fähigkeiten besaßen. Fsschhof stellte daher im Aentralkomite den Antrag, daß dieses Komite, um jeden Schein offizieller Wirksamkeit zu vermeiden und die Regierung in ihrer freien Thätigkeit nicht zu beirren, sich kn einen „Bürgerverein" umwandle. Doch hatten Wenige der Komilömitglieber gleiche Selbstverleugnung wie Fischhof, und aus der langwierigen Debatte über diesen Antrag ging nur eine Deputation mit einer Vertrauensadresse für das Ministerium hervor. Wenige Tage später, nach der Plötzlichen Flucht des Kaisers am 18. Mai, hatte das Komite Gelegenheit, in Gemeinschaft mit der Nationalgarde und Legion für die Sicherheit der Stadt zu sorgen und das Ministerium in seiner-bedrohte» Stellung zu stützen. Fischhof und Goldmark hatten seit dem 15- Mai einen großen Theil ihrer Popularität bei dm Studenten eingebüßt. Sie wurden als Reaktionäre verschrieen und die infamsten Verdächtigungen gegen sie von radikaler Seite ausgestreul und durch die im Geheimm wirkende Reaktion gern weiter verbreitet. Doch sahen sie es als ihre Pflicht an, bei der allgemeinen Erbitterung, welche plötzlich nach de« Kaisers Abreise in der Bürgerschaft gegen die Studenten, als die Urheber de» t5. Mai,

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