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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-07 · Heft 19 (7.5.1849) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 19 (7.5.1849)
Date
1849-05-07
Page
Seite 257 (sequence 9)
Language
German
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anzufachem Endlich wurde ein Mann von zwei Studenten auf die Schultern gehoben, seine nächste Umgebung gebot Ruhe, und der kühne Redner ließ aus seiner bewegten Brust daerste freie Wort in Oesterreich ertönen. Er erklärte die großartige Bedeutung des Momentes, ermahnte vor Allem zur Einheit zwischen den versammelten Bürger«, wie zwischen den Völkern Oesterreichs in ihrem gemeinsamen Streben nach Freiheit, dann verkündete er die einzelnen Forderungen des gesetzlichen Fortschrittes, Preßfreiheit, Lern- und Lehrfreiheit, Religionsfreiheit, Generalstände, Volksbewaffnung, und löste endlich die Fessel, welche bisher den Mund jedes Einzelnen geschloffen hielt, indem er mit dem Rufe: Nieder mit Metternich! die Parole des Tages gab. Der Redner war ein Mann in den Dreißigen, von stattlichem, etwas korpulentem Wüchse, das Gesicht voll, mit schönen, milden Zügen und verständigen, treuherzigen braunen Augen, braunem Bart und Kopfhaar. Mit einer edeln Begeisterung, in einfacher, aber kräftiger Sprache wußte er die gerechten Ansprüche des Volkes klar zu machen und beseelte die ganze Versammlung durch den Klang seiner volltönenden Stimme und den edeln Ausdruck seines Gesichtes und seiner Worte. Als er mit der Kraft eines patriotischen Gemüthes ausrief: „Wer heute nicht seine Pflicht thut, der gehört nicht hieher, der gehört in die Kinderstube!" brach die ganze Menge in lauten Jubel aus. Wenige Augenblicke später war der große Landtagssaal von Studenten und Bürgern ungefüllt. Derselbe Redner truA den Ständen die Wünsche des Volkes vor und ermahnte sie zu raschem, energischem Handeln. Als der Landtagsmarschall Graf Montecucoli hierauf antwortete, daß sie eben mit Abfassung einer Adresse an den Kaiser beschäftigt wären, und die Hoffnung aussprach, daß demnächst zeitgemäße Reformen Eintreten würden, unterbrachen ihn viele Stimmen: Keine halben Maßregeln, kein Zögern! Die Menge, welche im Hofe und auf der Straße war, wurde indessen durch das Gerücht beunruhigt, daß vr. Fischhof (dies war der erste Redner am 13. März) verhaftet worden sei. Berrath tönte es von unten herauf, und erst als Graf Montecucoli mit Fischhof an's Fenster trat und bas Volk mit dem Versprechen augenblicklicher Berathung der Volkspetition beschwichtigt hatte, legte sich die Aufregung für eine kurze Zeit. Dann sollte eine Deputation von zwölf Mitgliedern, vr. Fischhof voran, mit den Ständen weiter verhandeln. Aber ein, abermaliges Gerücht von Verhaftung einiger Studenten im Innern des Hauses bewirkte ein erneuertes Zuströmen der Massen in den Landtagssaal, die Fenster und Möbel wurden zerstört, die Stande selbst auf die Gasse gedrängt, um von dort in geordneter Reihe geraden Weges in die Burg zu ziehen. Fischhof war der Held des Tages geworden, wo er sichtbar wurde, begrüßte ihn das Volk mit freudigem Hoch, und wie ein Messias der Freiheit, von dessen Lippen das heilbringende Wort ertönte, wurde er durch die Straßen getragen und immer wieder zum Reden aufgefordert." „Als später bei der Einrichtung der Nationalgarde die akademische Legion als besonderes Korps sich konstituirte, wurde Fischhof, welcher als Sekundararzt im allgemeinen kaiserlich königlichen Krankenhause angestellt war, von seinen Kollegen, den Medizinern, einstimmig zum Kommandanten erwählt." „Dasselbe Vertrauen der Legion in den ehrenhaften Charakter und in die geistige Ueberlegenheit ihres Lieblings übergab ihm für einige Zeit den Vorsitz im Studentenkomite, welches ursprünglich durch Ministerialerlaß zur Berathung der Universitätsangelegenheiten, so weit sie die Stellung der Studenten zu den Lehrern und Fakultäten betraf, zusammengesetzt wurde. Mit dem Autoda-fe des ersten provisorischen Preßgesetzes vom April begann jedoch die politische Thätigkeit dieses Komitees, welches sogleich die Berathung eines neuen Preßgesetzes vornahm. Fischhof fühlte indeß bald, wie unheilvoll eine solche ausschließliche Wirksamkeit der studirenden Zugend für das ganze Staatsleben werden könne, und wünschte dieselbe vorerst durch eine Verbindung mit der eigentlichen Bürgerschaft zu paralysiren. Das politische Leben war eben in den ersten Anfängen und hatte die erste organische Form in der Nationalgarde gefunden. Er veranlaßte daher den Zusammentritt des Zentralkomitö's, welches aus den Vertrauensmännern der Nationalgarde, Bürgerwehr (der sogenannte alte privilegirte Theil der Stadtgarde) und der akademischen Legion bestand. In diesem Konnte traten zuerst in einer geregelten Debatte die zwei politischen Parteien der streng Konservativen und der Liberalen verschiedener Farbe hervor. Die Ersteren wurden später mit dem Generalnamen „Schwarz-Gelbe" bezeichnet, die Letzteren konnte man wieder in die Liberalen und die Radikalen unterscheiden. Erst mit dem fait accompli des 15. Mai kam der schroffe Gegensatz der beiden großen Parteien zum vollständigen Bewußtsein des Volkes und der Regierung." „Die streng Konservativen, wenn wir überhaupt einen solchen Namen für eine Partei anwenden können, deren 19*

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