Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1849)
- Date
- 1849-05-07
- Page
- Seite 255 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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255 tikel für nothwendig, da die Sache einmal in die Oeffentlichkeit übergegangen war, damit die auswärtigen Leser dieser vielverbreitcten Zeitung in ihrem Urtheile über unsere Zustände nicht irre geleitet würden, und überlassen dem Publikum die Entscheidung der Frage, ob wir, die „Geringen an Kenntniß und Bildung", die „Götzendiener des goldenen Kalbes", oder die Verfasser jenes Schmähartikels auf dem rechten Wege sind. Biele Gemeindemitglieder. Berlin, 1. Mai. (Privatmitth.) Mit den Juden geht es wie mit den Deutschen. Man ist sich bewußt, daß eine wahre Kräftigung, ein höherer Aufschwung nur durch Vereinigung erlangt werden könnte, allein tausend Elemente stellen sich dieser Vereinigung entgegen, und so bleibt es das alte zerbröckelte Wesen, die zahllosen membra disjecta, die trotz aller Tüchtigkeit der einzelnen Glieder, weil sie kein Ganzes bilden, nichts Bedeutendes leisten können. Nach zwiefacher Beziehung hin ist es den Juden jetzt ein Bedürfniß, auf ihrem religiösen Gebiete eine Einigung zu Werke zu bringen; in allgemeiner, mehr ideeller Beziehung durch die allgemeineisraelitische Synode, in besonderer, mehr praktischer, realer Weise durch den Zusammentritt der einzelnen Gemeinden einer Landschaft. Man wird zugeben, Beides ist leicht, und ohne Opfer zu verwirklichen. Können die Paar Thaler, welche die Abordnung einiger Männer kosten würde, in Anschlag gebracht werden gegen die vielen Summen, welche die Gemeindebudgets absorbiren? Und dies ist das ganze Opfer; aber auch hierzu können sich die Gemeinden und ihre Vorstände nicht emporraffen aus ihrer Erschlaffung. Lieber reiben sie ihre Kräfte in erbärmlichen Kämpfen am lieben heimischen Heerde aus, und lassen die Gemeinden in sich zerfallen, so daß statt Vereinigung noch eine größere Zerfahrenheit ersteht. Jede Gemeinde will in Zukunft möglichst aus drei, vier Gemeinden bestehen, die sich nur feindlich gegenüber stehen. So Etwas amüsirt; man kann zusammenlaufen, debattiren, sich wichtig machen, intriguiren, injuriren, und zuletzt prozessiren. Das hilft zur Verdauung. O weh, das arme Judenthum! Allein was haben denn die Menschen zu aller Zeit Anderes aus der Religion gemacht, vor der sie doch so viel Respekt zu haben vorgeben, als ein schartiges Messer, um sich gegenseitig zu verwunden, wenn nicht zu tobten? — Und gerade wie in Deutschland die großen Staaten es sind, welche dem Einigungswerke unüberwindliche Hindernisse entgegenwerfen, wahrend die kleineren dazu die Hand bieten: so auch unter den Juden. Würden die großen Gemeinden nur irgend die Hand bieten, wie schnell würden die anderen sie ergreifen. Aber gerade die großen Gemeinden sind voll Egoismus und Partikularismus, und haben das Allgemeine am Wenigsten im Auge. Darum muß man immer wiederholt den kleineren Gemeinden zurufen: wartet nicht auf eure größeren Schwestern! glaubet nicht, daß das Heil von diesen kommen werde! Gehet euer» eigenen Gang, und das Ziel wird erreicht werden! Sendet euere Boten zur Synode, dann macht ihr euch um euch und uns verdient! Nehmet keinen Vorwand von der Trägheit und Unbeweglichkeit der großen Gemeinden, zurückzubleiben. Schaaret euch im Lande zusammen, um gemeinsam aus eurer Gesammtheit etwas mehr zu machen, als ihr bis jetzt gewesen und gehabt. . . . Jndeß ich fürchte, auch diese Worte sind vom Prediger in der Wüste.... Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 23. April. Die hiesige israelitische Gemeinde hat aus Anlaß der Konstitution vom 4. März eine bedeutende Subskription zusammengebracht und will dafür ein Kriegsschiff kaufen und dem Staat damit ein Geschenk machen, welches den Namen „Emanzipation" erhalten soll. Die Kinder israelitischer Eltern dürfen nach einem Erlasse des Unterrichtsministeriums, jetzt auch evangelische Schulen besuchen. (D. Z.) Rußland und Polen. Warschau, Ende März. (Privatmitth. Verspätet.) Ich ersuche Sie, folgenden Artikel aus dem Warschauer Kourier No. 240 in die A. Z. d. Jud. aufzunehmen. Eine Trauerkunde ertönte jüngsten Mittwoch in der hiesigen israelitischen Gemeinde: die Nachricht, daß Raphael Beer Perl seine irdische Laufbahn beschlossen, weckte eine tiefe Wehmuth nah und ferne. Nicht einem frühzeitigen Tode galt diese Trauer, denn es hat der Verstorbene bereits ein Alter von 75 Jahren erreicht, aber sie galt dem Verluste eines Mannes, der der rastlose Beschützer und Wohlthäter der Armen und Kranken, dem Verluste eines Mannes,