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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-07 · Heft 19 (7.5.1849) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 19 (7.5.1849)
Date
1849-05-07
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
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232 wie wir sicher erwarten, die nöthige Majorität reichlich gewähren. Weimarschmieden (Baiern), im April. (Privatmitth.) Auch in unserer Gegend hat die Geistlichkeit den Kampf gegen die deutschen Grundrechte begonnen, und wird nicht selten auch die Emanzipation der Juden der Gegenstand der Besprechung auf der Kanzel, so daß die Kirche nicht mehr der Ort der religiösen Erbauung, sondern der Politik ist. Diese Dunkelmänner benützen die unlautersten Mittel, den freien Geist der Neuzeit, der das Volk zum Lichte führt, zu tödten, und in den Staub der Knechtschaft und der alten Nacht zu ziehen. Nicht nur auf der Bierbank, wo größtentheils die baierischen Pfaffen mit ihren dicken Schmerbäuchen zu treffen sind, wird politisirt, und die Grundrechte mit den schwärzesten Farben geschildert, sondern auch das Gotteshaus ist, wie schon gesagt, zu einem Platze politischer Unrerhaltung geschaffen. Wenn bewußte Männer auch einen Text aus dem Alten oder Neuen Testamente zu ihren Predigten wählen, so ist dieser gleich für's politische Leben benützt, und sollte diese Umwandelung mit Haaren beigezogen werden. So hörte ich mit eigenen Ohren folgende Worte eines Pfarrers in dessen Predigt: „Das jüdische Volk war früher ein schöner blühender Baum, der aber, da er sich nicht veredeln ließ, verdorrt und voller Auswüchse ist, und nicht mehr werth ist, als daß er in den Feuerofen geworfen, und — verbrennt wird." Das sind die geistlichen (aber nicht geistigen) Worte eines Mannes, der sich nennet „einen Boten des Friedens und der Liebe". Leider finden ihre Worte bei der Dummheit der Rhönbewohner größtentheils Anklang, und so wird der Judenhaß genährt und gepfleget. Was die freien, edlen Landtagsabgeordneten Unterfrankens durch veranstaltete Volksversammlungen gut machten, wurde durch pfäfsischen Einfluß wieder vernichtet, und so gehen noch täglich Petitionen gegen Einführung der Grundrechte ab. So wirkt auch jetzt noch das Verdummungssystem zur Freude der Geistlichen, und diese Pfaffen halten es für keine entehrende Zumuthung, als Mittel zu dienen das Licht des freien Geistes zu verlöschen, da sie doch als Diener der Kirche sich berufen fühlen sollten, Licht zu verbreiten. Sie sehen nun hieraus, zu welchen Hoffnungen die baierischen Juden berechtigt sind, und wenn wir auch auf einzelne wichtige Stimmen, die sich unserer Sache mit der größten Aufopferung annehmen, zuverlässig rechnen können, so werden sie doch kaum bald ein günstiges Resultat haben. Simon Hecht, Lehrer. Aus dem Hannoverschen, Ende April. (Privatmitth.) Gleich in anderen deutschen Staaten verbrüdern sich auch im Königreich Hannover die israelitischen Lehrer mit ihren christlichen Berufsgenossen, indem sich dieselben mehrseitig an den überall im Lande sich gebildeten und unter einander verbundenen Lehrervereinen, deren Zentralpunkt sich in der Residenz befindet, betheiligen. Es ist dieses aber in einem noch größern Maße zu wünschen als bisher geschehen, denn in nicht weiter Ferne mehr und die Kirche wird auch hier entweder mit oder ohne die deutschen Grundrechte vom Staate getrennt werden. Das von der Regierung in den beiden verflossenen Dezennien gebildete Institut des.„Landrabbiners", dem die Aufsicht über das jüdische Schulwesen übertragen war, wird sich alsdann natürlich auflösen, und die Wirksamkeit der Landrabbiner als Solche wird aufhören, und werden diese nur als geistliche Führer innerhalb derjenigen Gemeinden fungiren, in denen sie zugleich als Lokalrabbiner angestellt sind. Die Schulen in den jüdischen Gemeinden aber werden, wie man sicher erwarten darf, auf Antrag der Stände in Staatsanstalten verwandelt werden, und die ganze Einrichtung derselben, mit Ausschluß des Religionsunterrichts, wird unter das zu bildende Oberschulkollegium für Volksschulen in Hannover und dessen untergeordnete Provinzial-Schulbehörden gestellt werden, wie dieses jetzt schon für die christlichen Volksschulen durch einen den Ständen vorgelegten Gesetzentwurf in Aussicht steht. Hierauf deutet auch eine im Aprilheft der diesjährigen „Volksschule" befindliche Nachricht Seite 205, No. 4, welche der zur ersten Kammer der hannoverschen Standeversammlung für die Volksschullehrer Abgeordnete Steinvorth aus Lüneburg an die jüdischen Lehrer mit folgenden Worten richtet. „Es wird jedenfalls an die Minister die Forderung gestellt werden, auch über die Ordnung des jüdischen Schulwesens bald eine Vorlage zu machen, da keine derartige in Aussicht gestellt ist. Wünschenswerth wäre es, wenn die Herren Lehrer an jüdischen Schulen ihre Ansichten über diesen Gegenstand Herrn Rosenthal (der zweite Vertreter der

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