Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1849)
- Date
- 1849-04-30
- Page
- Seite 246 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Unterricht und Bildung; das Vagabondiren und alle damit verbundenen Laster, Sünden und Verbrechen hörten auf. Es wäre so das ganze Bettelinstitut mit allen seinen moralischen und politischen Nachtheilen zerstört. Diese Kassen nun würden aus den Almosengeldern der begüterten und wohlhabenden Juden zu bilden sein, ohne besondere und außergewöhnliche Zuschüsse, wenn auch nicht zurückzuweisen und auszuschließen, doch in Anspruch zu nehmen. Es müßten nur diese bisher gereichten Almosengelder, anstatt in einzelnen kleinen Gaben von Pfennigen und Groschen an den Thüren erbettelt zu werden, fortan in größeren Summen, etwa in jährlichen, halb- oder vierteljährlichen freiwilligen Beitragen entrichtet werden. Wir bemerken ausdrücklich, daß wir weder eine Ueberbietung der Einzelkräfte voraussetzen, noch daß gar die bisher in Pfennigen und Groschen jährlich verausgabten Gelder von jener in Anspruch genommenen Summe überstiegen werden, sondern daß man nur dieselbe annäherungsweise auf ein Mal oder in verschiedenen Raten für den Zweck der Hilfskasse abgebe. Wir haben schon erwähnt, daß durch den Ausfall der bisher von Unwürdigen eingenommenen Almosen, wie auch der auf der Wanderung durch Zehrung und Beherbergung aufgegangenen Gelder die Unterstützungskasse an Starke gewinnen würde, ohne daß hierfür die Geber zu besonderen und größeren Ausgaben veranlaßt würden. Es kommt ferner dazu, was bisher an Aerzte und Apotheker für Krankheiten, welche die Armen sich durch die Anstrengungen der Reise auf schweren Wegen, bei schlechter Witterung, schmaler Kost, dürftiger Kleidung und unerträglicher Beherbergung zugezogen haben, was für sie in Folge außergewöhnlicher Fälle, wie auch, was an Transport- und Botenlohn für die Kranken und Schwachen nutzlos verausgabt worden ist. Jedoch stimmen wir darin nicht mit dem geehrten Herrn aus Aachen überein, daß die Bildung dieser Kassen sich an die zu bewerkstelligende religiöse und kirchliche Vereinigung lehnen möge. Eine solche Vereinigung hat in den bisherigen Rabbinatsbezirken stattgehabt. Wir haben aber schon bei einer andern Gelegenheit in diesen Blättern darauf aufmerksam gemacht, daß eine Solche für die Zukunft weder beibehalten werden würde noch könnte. Wenn in Zukunft eine Vereinigung mehrerer jüdischen Gemeinden zu kirchlichen und religiösen Zwecken stattsinden wird, so wird dies sicherlich nur in kleinen Kreisen geschehen, zu klein, um für vorliegenden Zweck zur Bildung allgemeiner Hilfskassen von Vortheil oder gar nur benutzbar zu sein. Einen bessern Stützpunkt wird die Bildung solcher Vereinskassen an der einzurichtenden Kreis- und Provinzialvertretung mit demokratischer Selbstverwaltung ihrer Angelegenheiten finden. Leicht dürsten auch jüdische Individuen zu den betreffenden Vertretern gewählt werden, und wo auch nicht, wird man sicherlich den gemachten Vorschlägen in jeder möglichen Weise hilfreich entgegenkommen. Mit Recht ist in jenem Aufsatze aus Aachen auf einen erklecklichen Ausfall der Beisteuern geschlossen worden. Jedoch darin müssen wir der Ansicht des geehrten Herrn widersprechen, daß er glaubt, durch steuermäßige Umlage die Betrage eintreiben oder gar die Renitenten zwangsweise zur Beisteuer anhalten zu können. Unser Staatswesen ist der Einrichtung einer solchen geregelten Armensteuer nach englischem Beispiele fremd. Der Staat würde also dazu die Hand nicht bieten können, und die Juden sind unfähig, so Etwas durch sich selbst auszusühren. Auch würde die Anstatt dadurch mehr eine separate politische, als religiöse Färbung erhalten, was wir von uns fern halten wollen. Die ferneren Vorschläge Seitens des Herrn Anonymus, wie unsererseits, überlassen wir einer zukünftigen Prüfung, da einmal vor einer fixirten Neugestaltung der Dinge sich nicht darüber urtheilen laßt, und auch in Rücksicht auf die Zeitumstande die sofortige Ausführung des Planes weder rathsam noch möglich fein würde. Jndeß soll es uns freuen, wenn wir mit dazu beigetragen haben, dem Plan Ausbreitung und Aufnahme zu verschaffen, und eine fortgesetzte Diskussion dazu angewandt werden möchte, die vorgetragenen Ideen zu lautern und die Gemüther dafür zu gewinnen. Wir werden inzwischen ebenfalls für den angeregten Gegenstand fortzuwirken suchen und die Resultate unsers Bestrebens zur Zeit mitzutheilen uns erlauben. Di*. Rothschild. Korrespondenz. Bleicherode, 19. April. Ein Leichenbegängniß. In einer Zeit wie die unsere, wo Alles darauf hinsteuert, in bürgerlicher und gesellschaftlicher Beziehung die