Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1849)
- Date
- 1849-04-30
- Page
- Seite 243 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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243 gebessert worden, sowol durch die Kräfte Einzelner, wie das gemeinsame Wirken von Vereinen. Aber Letztere stehen zu vereinzelt und mittellos da und sind an sich nicht ausreichend, um von großen Erfolgen sprechen zu können. Jedoch sind die heilsamen Spuren solcher Wirksamkeit immerhin schon sichtbar. Auch ist zu bedenken, daß bei wirklicher Wahl und Ergreifung eines Handwerks oder technischen Gewerbes Seitens der jungen Israeliten, diese von der Armuth nicht gerettet, wie vor Verarmung nicht geschützt sind. Uebergroße Konkurrenz treibt auch da ihr böses Spiel. Der Pauperismus hat sich dort viel früher niedergelassen, als unter dem Handelsstande, und herrscht da in sich immer mehr ausbreitendem Umfange und immer mehr beängstigender Weise. Es sind die Handwerke und Gewerbe zu sehr noch unter dem niedrigen, von Hause aus armen Stande. Darum sind ihre Vermögens- und Geschäftszustände von vornherein schlecht, wie darum, weil die Handwerker und Gewerbetreibenden im Allgemeinen noch in menschlichbürgerlicher und sozialer Beziehung zu sehr zurückgesetzt und zu wenig geachtet sind, die eigentlich innere Lust und der sich frei bestimmende Eifer und Trieb fehlt. Reiche oder doch Wohlhabende müßten Handwerke und Gewerbe treiben. Diese brachten die Achtung vor denselben gleichsam mit und würden somit ihren Stand heben, wie durch ihr Beispiel in anderen minder Reichen Lust und Liebe zur Sache rege machen. Die sodann reichen und wohlhabenden Handwerker und Techniker würden die Preise der Arbeit und Gegenstände steigern, während jetzt der arme Handwerker sie zu jedem Preise loszuschlagen sich gezwungen sieht. Sie würden auf diese Weise, wenn auch nicht ihre ärmeren Standesbrüder direkt unterstützen, so doch dem Stande überhaupt aufhelfen. Auch Handwerks-, gleich wie Gelehrtenschulen, zu bilden, würde die Kunst und ihren Werth heben und so gewiß auch die Achtung und den Wohlstand der sich dem Handwerke und Gewerbe Widmenden erhöhen. Das Charakteristische im jüdischen Armenwesen aber ist die herumziehende Bettelei. Denn weil die Zahl der jüdischen Armen in einem zu ungünstigen Verhältnisse zu derjenigen der reichen und wohlhabenden steht, und jene dazu von der christlichen Armenpflege zum großen Theit oder gar gänzlich ausgeschlossen werden, sind auch die wenigen Begüterten an ihren einzelnen Orten oft nicht im Stande, die Ueberzahl ihrer armen Glaubensgenossen nach ihren Bedürfnissen zu unterstützen und zu unterhalten. Darum sind diese armen Entbehrenden genöthigt, die Hilfe auswärtiger, fremder Juden zu suchen und in ganzen Familien oft bis in weite Ferne zu ziehen, so sie in den benachbarten oder bereits durchwanderten Kreisen der Juden überhaupt nur Wenige, oder doch der Begüterten und Spendenden nicht genug gefunden haben. Zum Theit sind diese Armen dazu gezwungen, weil selbst die wenigen allenfalls Zurückbleibenden zu Hause und in ihrem Orte nicht die nöthige Stütze und tägliche Pflege finden würden und könnten. So aber zusammen ausziehend erbetteln sie sich Nahrung und Kleidung der Eine bei dieser, der Andere bei jener Familie, der Eine in diesem, der Andere in jenem Orte. Zum Theit indeß ist auch jene Handlungsweise kluge Berechnung dieser Leute, indem so Alle, Jeder einzeln, für ihre gemeinsame Kasse sammeln und betteln. Man muß das sehen, um gerührt zu werden, wie diese Familien mit den Resten und Trümmern ihrer wenigen, erbettelten Habseligkeiten, von Hunger geplagt, Vater mit vielen Kindern und altersschwachen Eltern, die Mütter in ihren weiblichen Zuständen und mit kleinen Säuglingen an der Brust, in Hitze, Sturm und Wetter, schwach und krank, mit schlechter Bekleidung auf schlechten Wegen, mit schmaler Kost und ärmlichem Lager Tag auf Tag ihrem unbestimmten und ungewissen Ziele von Ort zu Ott und Haus zu Haus nachwandern. Es entgeht dies zumeist den Augen der christlichen Bevölkerung, aber den Juden sind solche Beispiele viele und tägliche bekannt. In vielfacher Anzahl durchziehen solche Familien heimathlos das ganze Jahr hindurch die Fremde, besonders auffallend aber ist die Menge solcher Schaaren zu bestimmten Zeiten des Jahres. Es sind dies alsdann solche Familien, die sonst noch wol durch Arbeit sich Einiges zu erwerben suchen und von diesem Wenigen kümmerlich sich erhalten und gemeinsam ihr Leben fristen. Aber zu Zeiten, wo Miethe und Pacht oder sonstige außergewöhnliche Ausgaben und Bedürfnisse und die Angst und Besorgniß vor dem herannahenden, so Vieles fordernden und verschlingenden, hingegen Nichts gebenden und darreichenden Winter diese armen Menschen mahnt und drängt, werden auch sie Hinausgetrieben, die Hilfe und Unterstützung ihrer jüdischen Glaubensbrüder und -schwestern zu suchen, die sie daheim entweder gar nicht, oder nicht in hinreichendem Maaße finden. Das Hauptübel dieser ganzen Erscheinung und Sachlage ist jedoch nicht, daß die alte, an Jahren vorgerückte und an Kräften schwach gewordene Generation ein solches